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Schiffsgetriebespezialist unterstützt

Lok „Lipperland“: Altes Schätzchen wird wieder flott gemacht

EXTERTAL. Der Verein Landeseisenbahn Lippe (LEL) arbeitet derzeit seine 1927 gebaute Dampflok „Lipperland“ betriebsfähig auf. Die Lok mit der offiziellen Baureihenbezeichnung „93.1410“ war bereits von 1989 bis 1998 im Extertal und auch bis Lemgo und Lage an zahlreichen Fahrtagen unterwegs.

veröffentlicht am 09.07.2019 um 14:48 Uhr
aktualisiert am 09.07.2019 um 16:20 Uhr

„Dabei war sie stets ein touristisches Highlight für die Region“, sagt Jochen Brunsiek, Koordinator Smart Railway der LEL.

Im Jahr 1999 wurden dann bei einer Kesseluntersuchung durch den TÜV Schäden festgestellt, die einen Weiterbetrieb nicht zuließen. In den Folgejahren war die Lok als Leihgabe in der Obhut des Bahnparks Augsburg, wo sie als kaltes Ausstellungsstück einem breiteren Publikum präsentiert wurde.

Im Jahr 2012 reiften im Verein Pläne heran, die Lok wieder ins Extertal zu holen und betriebsfähig aufzuarbeiten. Es war sofort klar, dass dies einen erheblichen Aufwand darstellen würde, aber davon wollte sich im Verein niemand abschrecken lassen. „Viele der anstehenden Arbeiten können denn auch durch die ehrenamtlich arbeitenden Mitglieder des Vereins, unter denen sich auch einige für Metallbau begeisterte Jugendliche befinden, in Eigenregie durchgeführt werden“, so Brunsiek.

Manfred Schmidt, hauptberuflich als Ingenieur bei Reintjes tätig, arbeitet in seiner Freizeit als ehrenamtlicher Lokschlosser im Extertal. Foto: Peter Wehowsky

Bei allem Enthusiasmus stoßen die Vereinsaktiven aber auch oft an ihre Grenzen. „Etwa wenn der TÜV bei Kesselarbeiten besonders qualifizierte Fachfirmen vorschreibt“, erläutert der verantwortliche Lokschlosser, Manfred Schmidt aus Barntrup. „Oder auch bei Arbeiten, bei denen es auf besondere Präzision ankommt und die nur mit speziellen Bearbeitungsmaschinen und mit Personal, das diese Maschinen auch bedienen kann und darf, durchgeführt werden können.“

Eine solche Arbeit steht nun gerade bei der Aufarbeitung der durch Korrosion beschädigten Lentz-Ventilsteuerung an, die für die richtige Dampfverteilung auf die Dampfkolben sorgt. Dabei handelt es sich um eine technische Besonderheit der aus Österreich stammenden Lok. Denn die große Mehrheit aller Dampfloks war mit einer Schiebersteuerung ausgerüstet.

„Die Ventilsteuerung konnte sich in Deutschland nicht durchsetzen, obwohl sie durchaus Vorteile in Form eines besseren Wirkungsgrades aufweisen konnte“, beschreibt der 59-jährige Schmidt, der ehrenamtlich schon über 30 Jahre im Verein mitarbeitet. Allerdings erforderte sie durch ihre filigranere Bauweise auch einen höheren Bearbeitungsaufwand. Dies stellte nun auch den Verein vor eine besondere Herausforderung, denn eine Aufarbeitung in Eigenregie schied durch die relativ komplizierte Bearbeitung der Bauteile aus.

Da stellte es gewissermaßen eine glückliche Fügung dar, dass Schmidt hauptberuflich als Ingenieur bei der Firma Reintjes – ein internationaler Antriebsspezialist für Schiffsgetriebe – in Hameln beschäftigt ist. So wurde bei Reintjes angefragt, ob und zu welchen Kosten man dort bereit sei, den Auftrag anzunehmen. Zur Freude der Vereinsmitglieder war man dort spontan davon angetan, dem Verein bei der Aufarbeitung der Lok zu helfen.

Ingo Helmke schreibt bei Reintjes Maschinenprogramme zur Bearbeitung von Getriebegehäusen. Er erklärte sich sofort bereit, sich den Fall in seiner Freizeit vor Ort im Extertal anzusehen. Dabei kam er zu dem Schluss, dass die erforderlichen Arbeiten Reintjes vor keine nennenswerten Probleme stellt. Also gab es eine Anfrage an die Produktionsleitung, ob die Nacharbeit der Dampflok-Bauteile zeitlich in die Produktionsabläufe zu integrieren sind, denn natürlich haben die kommerziellen Aufträge zunächst einmal Vorrang. Nach kurzer Prüfung der Angelegenheit gab es dann aber auch schon grünes Licht. Und so wurde das Bauteil verladen und bei Reintjes angeliefert.

Somit kann ein großes Problem für den Verein, für das bis vor Kurzem noch keine Lösung in Sicht war, dank der hervorragenden Unterstützung nun doch gelöst werden. Und wie immer, das Beste kommt zum Schluss: Die Aufarbeitung soll für die Landeseisenbahn Lippe kostenlos durchgeführt werden. Dafür bedankten sich der Vereinsvorstand und alle aktiven Mitstreiter herzlich bei der Reintjes-Geschäftsführung und den Mitarbeitern, die diese Problemlösung ermöglicht haben.

Informationen zur Lok „Lipperland“ gibt es unter www.lok-lipperland.de.r




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