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MdB watet im Schlamm

Maik Beermann besucht Kieswerk der Reese-Unternehmensgruppe

MÖLLENBECK. Eines muss man Maik Beermann lassen. Der CDU-Bundestagsabgeordnete hat weder Angst vor nassen Füßen (wie bei der Eiswette im Schwimmbad Obernkirchen) noch vor schlammverkrusteten neuen Wildlederschuhen, wenn er etwas wissen will – in diesem Fall wie so ein Schwimmbagger funktioniert.

veröffentlicht am 07.02.2019 um 12:22 Uhr
aktualisiert am 07.02.2019 um 16:50 Uhr

Politik auf dem Rückzug: Schlamm an Schuhen und Mänteln, vom kalten Wind über der Eis- und Wasserfläche durchgepustet, aber sichtlich vergnügt. Foto: wm
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Autor

Hans Weimann Reporter
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So geschehen auf dem Pampel-Kiesgelände im Kalletal. Dort schwimmt nämlich ein neuer 2,5 Millionen Euro teurer Schwimmbagger der Unternehmensgruppe WRM-Reese aus Möllenbeck.

Der Schwimmbagger arbeitet GPS-gesteuert, könnte das sogar allein tun. Aus Sicherheitsgründen überwacht aber ein Mitarbeiter, wie ein Greifer Sande und Kiese aus aktuell acht Metern Tiefe hochholt und auf einem Förderband ablädt.

Wie die Geschäftsführer Philipp Reese und Jörg-Peter Kölling betonten (dabei war auch Seniorchef Friedrich-Wilhelm Reese), ist das Kieswerk Pampel in Stemmen, das die Reese-Gruppe im Jahr 2004 übernommen hat, etwas ganz Besonderes – nämlich das älteste Kieswerk, bereits 1948 erschlossen. Dort liegt ein alter Weserarm und damit Kies bis zu 30 Meter Mächtigkeit. Das sei selten und gebe es nicht überall.

Friedrich-Wilhelm und Philipp Reese erläutern Maik Beermann die Bagger-Technik. Foto: wm

Weil Beermann noch nie auf einen Schwimmbagger geklettert ist, wollte er dorthin. Und dieser Weg führte zwangsläufig durch tiefen Schlamm. Immerhin konnte der CDU-Bundestagsabgeordnete nicht nur neue Eindrücke vom Kies-Business sammeln, sondern auch zwei Souvenirs mitnehmen: eine warme Wollmütze (mit Reese-Aufdruck) und eine (selbst gefundene) Versteinerung.

Die Unternehmensgruppe WRM-Reese mit dem Stammwerk in Möllenbeck und insgesamt über 100 Beschäftigten gehört mit neun Kieswerken und Standorten bis in die Lüneburger Heide inzwischen zu den großen Playern der Rohstoffgewinnung in Norddeutschland. Reese liefert im Jahr rund 3,5 Millionen Tonnen Kiese und Sande für die Bauindustrie, für Betonfertigteile, Pflastersteine, Transportbeton, Straßen und Tiefbau.

Der Kunde bekommt durch computergesteuerte Misch- und Dosieranlagen die Rezeptur, die er braucht. Was davon abhängt, welche Ansprüche der Beton erfüllen muss, den er herstellen will. Geliefert wird in ganz Norddeutschland, im Süden bis Kassel und ins Sauerland.

Das Unternehmen bedient alle Transportwege, auch Schiff und Bahn. In Stolzenau wird direkt auf Binnenschiffe verladen. In Bodenwerder hat die Unternehmensgruppe einen alten VEV-Schienenstrang neben der Bundesstraße 83, den Streckenabschnitt Bodenwerder bis Emmerthal gekauft und wieder verkehrstüchtig gemacht. Ein Zug, schilderte Kölling, fasse 125 Lastwagen-Ladungen, die damit nicht auf die Straße müssen.

Reese junior und senior sowie Geschäftsführer Kölling erläuterten dem Bundestagsabgeordneten und dessen Begleitern, vor welchen Herausforderungen die Branche gegenwärtig steht. Wo es vor allem hakt, lässt sich in einem Satz sagen: Genehmigungsverfahren für neue Auskiesungen dauern inzwischen fast so lange wie die Auskiesung selbst. Im letzten Fall waren es 15 Jahre Vorarbeit, so die Erfahrung bei Reese.

Zweites Problem: Land ist inzwischen so knapp wie begehrt. Denn darum konkurrieren Rohstoffgewinnung, Landwirtschaft und Infrastruktur wie beispielsweise der Straßenbau. Deshalb müsse beim Kiesabbau künftig die Tendenz sein, möglichst Flächen mit großer Mächtigkeit zu erschließen, das verhindere Landverbrauch.

Man hoffe, betonten die Reeses und Kölling, dass dieser Aspekt auch bei der Politik mehr Berücksichtigung finde, man also beispielsweise einem Flächentausch offener gegenüberstehe.

Bei der Rekultivierung der ausgekiesten Flächen haben sich Kieswerke und der Naturschutz arrangiert. Auch die neuen Abbaugebiete bei Reese sollen nach der Auskiesung im Wesentlichen in eine Auenlandschaft verwandelt werden.

In der Diskussionsrunde gaben die Teilnehmer des Treffens, unter anderem Kommunalpolitiker wie Ratsherr Heinz-Jürgen Requardt und CDU-Senioren, zu bedenken, dass bei dieser Entwicklung die Bevölkerung langfristig zu kurz komme. Es sei eine Überlegung wert, ob man nicht manchen See für Freizeitaktivitäten zurückgeben und ausgekieste Flächen wieder auffüllen sollte, um diese in Weideland, etwa für Mutterkuhhaltung, zu verwandeln. Gewünscht sei hier mehr Offenheit für alternative Konzepte.

Einig war sich die Gesprächsrunde, dass Sande und Kiese mehr denn je gebraucht werden – etwa für die dringende Sanierung von Brücken und Straßen sowie den Wohnungsbau. Der Rohstoff Sand steckt außerdem in Mikrochips, Smartphones, Flugzeugen, Autos, sogar Zahnpasta.




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