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Entenfamilie legt fast einen Kilometer zurück

Marathon für 12 Küken: Schulente führt Nachwuchs in die Freiheit

RINTELN. Hausgeburten sind eher eine Seltenheit, dass aber Kinder in der Schule zur Welt kommen, klingt eher wie ein Scherz. Über den kann Mama Ente allerdings nicht lachen, denn sie hat bereits zum wiederholten Mal den Schulgarten des Gymnasiums Ernestinum zum Brüten auserkoren.

veröffentlicht am 08.05.2019 um 19:15 Uhr

Auf dem Weg nach draußen: So ein ein Schulflur ist ganz schön lang. Foto: tol
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Tobias Landmann Fotoreporter zur Autorenseite
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RINTELN. Der Brutplatz liegt geschützt im Innenhof des Oberstufentrakts. Die Ente ist einfach hineingeflogen. Mitten in den Pflanzen hat sie ihr Nest gebaut. Für Ornitologe Thomas Brandt, Leiter der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer, ist solch ein Brutplatz für die Stockente keine Seltenheit. „Ihr Gelege war immerhin sicher, zum Beispiel vor Füchsen.“ Die Ente wird dort etwa einen Monat verweilt haben. Täglich legt sie ein Ei, das Ausbrüten dauert rund drei Wochen. In den Osterferien war es zudem sehr ruhig in der Schule. Zwischendurch verlassen Enten auch ihr Nest, zum Essen und Trinken, aber auch zum Koten.

Von Montag auf Dienstag dieser Woche schlüpften zwölf Küken. Am Vormittag erkundeten die Flaumbällchen mit ihrer Mama das Areal, planschten auch im kleinen Teich des Gartens. Später stand die Ente wartend vor einer Tür zum Schulflur, legte sich aber mit ihren Küken noch einmal ins Nest, um Kraft für den bevorstehenden Marsch zu sammeln.

Am Nachmittag dann öffnete Hausmeister Marc Seifert die Türen zum Flur und nach draußen zum Schulhof. Lehrerin Stephanie Jacob beobachtet ebenfalls, wie die Ente mit ihren Küken langsam, aber zielstrebig in den Schulflur ging. Von dort watschelte die Familie jedoch nicht sofort in Richtung Schulhof, sondern marschierte, da ein Klassenraum offen stand, neugierig hinein, ließ sich aber leicht wieder hinaus dirigieren.

4 Bilder
Die Entenmama und ihre tapferen Entlein haben es fast geschafft – die freie Feldmark ist nicht mehr weit weg. Foto: tol

Auf dem Schulhof kannte die Entenmama sich bestens aus. Sie suchte zunächst eine Pflanzinsel auf, dann ging die Odyssee los, erst mal Richtung Sportplatz. Am Zaun gegenüber der Berufsschule verzweifelte die Ente fast, weil sie kein Schlupfloch entdecken konnte. Hier halfen zwei Sportler der VTR, die gerade draußen trainierten und wussten, wo es am besten durch den Zaun ging. Die Straße Burgfeldsweide überquerte die muntere Entenschar schnurstracks. Der Chronist dieser Zeilen, der die kleine Familie seit der Schule begleitete, bat Autofahrer mit Erfolg um Rücksicht.

Es war offensichtlich, dass die Ente mit ihrem fröhlichen Dutzend zu den Feldern nordwestlich der Berufsschule wollte. Die Karawane zog linker Seite um das Gebäude herum, überquerte mal mehr, mal weniger elegant hohe Bordsteine und schien alles in allem kaum aufzuhalten zu sein.

Da geschah es: Ein Entlein fiel zwischen die Rippen eines Gullideckels. Würde die Mutter in Panik geraten? Was konnte sie tun? Ruhe bewahren, das tat sie, wartete geduldig, bis das Küken es aus eigener Kraft aus der Falle schaffte, und das dauerte nur wenige Sekunden.

Anschließend verschwand die Ente mit ihren Jungen im Dickicht. Die Vogelschar hatte bis hierhin schon 830 Meter zurückgelegt. Nun hieß es: Ab in die Feldmark! Würde sich die Familie zwecks Naturkundeunterricht in den Gräben aufhalten? Wollte sie weiter zum Doktorsee oder zur Weser? Man weiß es nicht.

Eines aber scheint gewiss zu sein: Die Ente wird sicherlich im kommenden Jahr wieder ihren Brutplatz im Ernestinum aufsuchen. Auf ein Neues!

Ente brütet in Schule, watschelt mit 12 Küken hinaus




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