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Elisabeth Dietz, Doris Neuhäuser und Andrea Lange treffen erstmals aufeinander

Mit Video: Rintelns Bürgermeister-Kandidatinnen treffen in erster Debatte aufeinander

RINTELN. Die Weserstadt bekommt eine Bürgermeisterin. Das ist nach derzeitigem Stand sicher. Doch wer von den drei Kandidatinnen das Rennen machen könnte, ist noch offen. Elisabeth Dietz, Doris Neuhäuser und Andrea Lange trafen am Freitag zu einem ersten gemeinsamen Wahlkampf-Gespräch im Gebäude der Schaumburger Zeitung aufeinander. Alle drei sind seit ihrer Kindheit mit Rinteln verbunden - doch was trennt sie politisch? Das wollte SZ-Redakteurin Marieluise Denecke als Moderatorin der Runde herausfinden. Das vollständige Video der Debatte ist im Artikel zu finden.

veröffentlicht am 19.06.2021 um 08:00 Uhr
aktualisiert am 19.06.2021 um 09:11 Uhr

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Stv. Chefredakteur zur Autorenseite

Schon in der Vorstellungsrunde wurde deutlich: Hier wollen drei waschechte Rintelnerinnen an die Spitze der Stadt. Alle drei sind seit ihrer Kindheit mit Rinteln verbunden – doch was trennt sie politisch? Das wollte SZ-Redakteurin Marieluise Denecke als Moderatorin der Runde herausfinden.

Alle drei waren sich einig, dass eine Wohnbebauung bei der Nachnutzung der IGS am Kollegienplatz eigentlich nicht infrage komme. FDP-Kandidatin Elisabeth Dietz betonte, dass so ein Gebäude auf keinen Fall leer stehen dürfe. Sie sehe Möglichkeiten, wie etwa die Musikschule dort unterzubringen.

CDU-Kandidatin Doris Neuhäuser wünschte sich dort eine „Anlaufstelle für alle Bürger“ und will auch den denkmalgeschützten Innenbereich erlebbar machen. Angesichts des geplanten Neubaus eines Dialysezentrums anstelle des Gebäudes der Schaumburger Zeitung wünscht sie sich auch eine parkähnliche Anlage am derzeit geschotterten Schulhof des Kollegienplatzes, mit Blumenbeeten und Springbrunnen, der zum Verweilen einlädt.

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Doris Neuhäuser (parteilos, unterstützt von der CDU)

Andrea Lange (Kandidatin von Grünen und SPD) verwies auf die historische Bedeutung des Komplexes als Teil der Universität, der sich für eine Nutzung als Wohnraum gar nicht eigne. Aber da er so groß sei, habe man zahlreiche Möglichkeiten, etwa die Musikschule, aber auch Jugendliche und ältere Menschen dort zusammenzubringen.

Beim zweiten Anker der Fußgängerzone, dem Brückentorkomplex, positionierte sich Lange für einen Kauf durch die Stadt und eine Sanierung. Allerdings nur, wenn die Stadtkasse das auch hergebe. Sofern man es sich nicht leisten könne, müsse man auf einen Investor setzen, und „es darf nicht der Eindruck erweckt werden, Investoren seien hier nicht erwünscht“, so Lange.

Auch Doris Neuhäuser wünscht sich eine Nutzung des Brückentorkomplexes. „Der Verlust des Saales ist ein herber Schlag.“ „Die aktuelle Situation ist weder optisch noch von der Nutzung her sinnvoll.“

Ein weiterer entscheidender Punkt ist die Versorgung mit Wohnraum, sowohl in der Kernstadt als auch in den Ortsteilen, erklärt SZ-Redakteurin Denecke. Es fehle gerade in der Kernstadt an bezahlbarem Wohnraum, in den Ortsteilen wiederum gebe es Probleme mit der Mobilität.

FDP-Kandidatin Dietz verwies darauf, dass an der Kurt-Schumacher-Straße ein alter Sportplatz liege. Dazu gäbe es doch bereits Vorschläge, dort eine Wohnsiedlung zu errichten, „die Option könnte man weiter verfolgen“. Ein Projekt das, wie SZ-Redakteurin Denecke erklärte, allerdings bereits auf dem Weg ist. Die Mobilitätsprobleme könne man mit kleineren Bussen lösen, so Dietz. CDU-Kandidatin Doris Neuhäuser erklärte kurz die Vorgaben des Baugesetzbuches und die möglichen Förderprogramme. Sie sehe auf jeden Fall den Bedarf nach bezahlbarem Wohnraum. „Der Weg führt dahin, dass wir uns des Problems annehmen müssen.“

Andrea Lange (Grüne und SPD) erklärte, sie wolle die Rolle der städtischen Verwaltungs- und Siedlungsgesellschaft verändern. Die GVS solle künftig wieder Wohnraum selber erstellen. Denn die Stadt Rinteln sei als einzige im Landkreis selber eine Wohnraumförderstelle. Daher habe man mehr Spielraum, den wolle sie als Bürgermeisterin auch nutzen. „Jeder kann durch Krankheit oder einen Schicksalsschlag in die Situation kommen, dass er finanziell nicht mehr ganz so gut dasteht.“

Das Leben in den Ortsteilen hat sich stark verändert, Vereine schrumpfen, Kneipen wurden geschlossen. „Was brauchen unsere Ortsteile?“, wollte Denecke von den drei Kandidatinnen wissen.

Dietz verwies darauf, dass es ja noch einige kleine Läden in den Dörfern gebe. Vor allem müsse man diese dabei unterstützen, dass sie nicht abwandern, etwa durch Unterstützung beim Marketing. Der Strukturwandel bei Kneipen und Bäckern sei vielfach nicht mehr rückgängig zu machen.

Neuhäuser betonte: „Die Ortsteile brauchen vor allem Menschen. Menschen, die dort gerne leben und eine aktive Dorfgemeinschaft bilden.“ Ein wichtiger Baustein seien Grundschulen vor Ort sowie eine vernünftige Anbindung an den ÖPNV. Außerdem müsse man über das Radwegeverkehrskonzept eine gute Anbindung an die Kernstadt ermöglichen, gerade in Zeiten von e-Bikes. Sie halte da auch eine Beleuchtung von einigen Radwegen für überlegenswert.

Andrea Lange ergänzte, dass neben dem ÖPNV-Anschluss auch der digitale Anschluss nicht vernachlässigt werden dürfe. Gerade jetzt habe man festgestellt, dass der unerlässlich ist. Außerdem brauche man Ärzte, mit denen oft auch eine Apotheke angesiedelt werden könne.

Die Schließung der Grundschule in Steinbergen hatte in den letzten Jahren die Gemüter erhitzt. Wie stehen die drei Kandidatinnen grundsätzlich zum Erhalt der Grundschulstandorte?

Elisabeth Dietz verwies darauf, dass sie selbst in Steinbergen zur Schule gegangen sei, damals mit nur vier Mitschülern. „Das macht so natürlich keinen Sinn.“ Daher gelte für sie: „Schulen erhalten ja, aber nicht um jeden Preis.“ Die Grundschulen Möllenbeck und Krankenhagen kenne sie aber nur von außen, daher könne sie über deren Zukunft jetzt nicht urteilen.

Neuhäuser positionierte sich ebenfalls klar: „Wir haben in den letzten Jahren etliche Investitionen vorgenommen“. Im Moment sei man auf einem guten Weg, die Schulen in den Ortsteilen zu erhalten.

Lange verwies darauf, „dass keiner Schulstandorte leichtfertig schließt.“ Sie sei für den Erhalt aller Schulstandorte, die Rinteln jetzt habe. Sie seien – zusammen mit Kindergärten – ein wichtiger Grund für junge Familien, in einen Ort zu ziehen.

Mit einem Blick auf die noch kommenden drei Monate Wahlkampf hofften alle drei Kandidatinnen auf eine weitere Lockerung der Corona-Situation und viele spannende Begegnungen mit potenziellen Wählerinnen.


Hinweis: Lokalradio Rinteln wird das Gespräch mit den drei Bürgermeisterkandidatinnen am Samstag gegen 12 Uhr im Internetradio übertragen.




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