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Eine subjektive Lärmmessung

Motorradwochenende auf der Unabhängigkeitsstraße?

WESTENDORF. Das erste Sommerwochenende liegt hinter uns – eigentlich die Zeit, in der Motorräder scharenweise unterwegs sind. Beliebt ist unter anderem die Unabhängigkeitsstraße in Westendorf. Zum Ärger der Anwohner. Unsere Reporterin hat sich auf den Weg gemacht – und mit einem Motorradfahrer über Lösungen gesprochen.

veröffentlicht am 04.06.2019 um 00:00 Uhr

„Ich liebe diesen Sport, und irgendwo will man ja auch mal üben“, sagt dieser Motorradfahrer, 25 Jahre, aus Rinteln. Foto: cok
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Cornelia Kurth Reporterin zur Autorenseite
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WESTENDORF. Was für eine Idylle dort oben auf der Bank an der Unabhängigkeitsstraße (K 74) – mit dem weiten Blick über ein blühendes Mohnblumenfeld: Es ist ein wunderschöner, sonniger Samstagnachmittag, ideal fürs Motorradfahren und ideal für eine subjektive Lärmmessung.

Geht es jetzt wieder los, dass die kurvenreiche kleine Straße über den Pass als „Rennstrecke“ missbraucht wird? Genau davor haben die Westendorfer nämlich Angst, seitdem die fünfjährige Sperrung der Kreisstraße für Motorradfahrer aufgehoben wurde (wir berichteten). „Kommen Sie doch mal hoch und hören Sie selbst, was hier los ist“, darum hatte ein Anwohner gebeten. Allerdings gleich angehängt: „Hoffentlich fährt dann da auch was.“

Es fährt sehr viel – nämlich Fahrradfahrer. Tapfere Radler, die sich von Westendorf her die Anhöhe erobern oder von der Bernser Landwehr aus ins Tal rollen. Ab und zu sieht es ein bisschen gefährlich aus, nämlich dann, wenn ihnen doch mal ein Auto entgegenkommt. Schon 15 Minuten genießen wir Sonne und Landschaft, bis man ein Motorradgeräusch hört, harmlos, ein älterer Mann ohne Rennstreckenambitionen. Dann wieder Stille. Dann wieder Radfahrer.

Er sei schon von Motorradfahrern bedroht worden, als er einen Spaziergang zu der Bank gemacht und ihnen dabei im Weg gewesen wäre, so der Anwohner. Manchmal hätten dort bis zu 50 Fahrer Station gemacht, um die Anhöhe immer wieder hoch und runter und wieder hoch zu rasen. Das war allerdings vor fünf Jahren, kurz bevor die Strecke gesperrt wurde. Vielleicht hat sich noch nicht herumgesprochen, dass sich das nun geändert hat?

Fast eine Stunde ist inzwischen vergangen, genau vier Motorräder fuhren vorbei. Schon wollen wir aufgeben, da kommt Nummer fünf, eine flotte rote Sportmaschine, mit der sich der Fahrer elegant in die Kurven legt. Zwei Minuten später hören wir ihn erneut. Er hat auf dem Kamm gewendet, saust zurück bis zur Lustgartenstraße, wendet dort erneut Richtung Kamm, nur um wenig später zurückzukehren. Das scheint einer dieser „Rennfahrer“ zu sein.

Etwa zehn Minuten geht dieses Hin und Her, da bremst der Fahrer auf Höhe der Bank, fährt auf uns zu und hält an. Er hat wohl gesehen, dass wir fotografieren. Wird es nun Ärger geben? Das Gesicht eines jungen Mannes taucht unter dem Helm auf, ein 25-jähriger Rintelner, der bereit ist, mit uns zu sprechen, wenn wir seinen Namen nicht nennen. „Ja, ich bin öfter mal hier“, sagt er. „Zum Kurvenfahrenüben. Die Straße ist dafür ein Eldorado.“ Hier sei fast nichts los, umso besser: „Ist ja richtig ruhig geworden.“

Er verstehe, dass die Anwohner sich Sorgen machen. „Ich fahre immer nur ein paar Mal hoch und runter, dann setze ich mich auf die Bank – es ist so schön hier.“ Früher allerdings, das wisse auch er, sei das ein regelrechter Treffpunkt gewesen. Immer zwei oder drei Leute seien gefahren, die anderen hätten abgewartet, bis sie an der Reihe sind. „Das ist dann natürlich hart für die Anwohner. Manche geben ja schon mitten im Dorf Gas.“

Er selbst sei glücklich über diese Strecke. Als dort noch gesperrt war, sei er in Wennenkamp gefahren, aber das wäre eher gefährlich wegen der unübersichtlichen Kurven. Er würde ja vorschlagen, es mit der Unabhängigkeitsstraße so zu halten wie mit der beliebten Strecke im Möllenbecker Wald, nämlich Motorräder nur zu bestimmten Zeiten zuzulassen. „Ich liebe diesen Sport, und irgendwo will man ja auch mal üben“, sagt er. Dann steigt er wieder auf und fährt zurück nach Rinteln.




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