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Brandschutzprüfung für alle städtischen Gebäude

Nach Brandschutz-Desaster: Jetzt werden alle Gebäude geprüft

RINTELN. 40 Jahre lang schlummerte die sprichwörtliche Leiche im Keller, bis diese Woche das Brandschutzgutachten das Desaster öffentlich machte: Der gesamte Brückentorsaal ist aus konzeptionellen Gründen nicht sicher. Die SZ/LZ-Redaktion hat das Gutachten vorliegen und erklärt die größten Mängel. Außerdem erklärt Bürgermeister Thomas Priemer: Er werde jetzt alle städtischen Gebäude überprüfen lassen.

veröffentlicht am 11.10.2018 um 06:00 Uhr

Der Brückentorsaal gibt Anlass zu einer Überprüfung aller städtischer Gebäude.
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Jakob Gokl Stv. Chefredakteur zur Autorenseite
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RINTELN. 40 Jahre lang schlummerte die sprichwörtliche Leiche im Keller, bis diese Woche das Brandschutzgutachten das Desaster öffentlich machte: Der gesamte Brückentorsaal ist aus konzeptionellen Gründen nicht sicher. Das Gutachten, das allen Ratsmitgliedern und der Redaktion vorliegt, listet die vorhandenen Mängel minutiös auf. Und es ist verheerend. Die genauen Kosten für eine Sanierung sind noch unbekannt.

Eine fachliche Einordnung durch das Bauamt der Stadt Rinteln war gestern leider nicht möglich, da das Gutachten im Bauamt nur dem Baudezernenten vorliege, der aber derzeit im Urlaub weile. Der auskunftsberechtigte Stellvertreter kennt das Gutachten nach eigener Aussage auch „nur vom Hörensagen“.

Aber auch so wird das Gutachten, das allen Ratsmitgliedern zugesandt wurde und auch der Redaktion vorliegt, sehr deutlich.

Alleine sechs der mehr als 20 aufgelistete Mängel sieht der Sachverständige als „konkrete Gefahr“. Er empfiehlt, den Saal sofort zu schließen und nur übergangsweise unter Auflagen zu öffnen.

Dem ist Bürgermeister Thomas Priemer bereits nachgekommen (wir berichteten). Doch er will noch deutlich weitergehen: „Wir werden alle öffentlichen Einrichtungen – also nicht nur Kindergärten und Schulen – jetzt intensiv überprüfen“, kündigt er an. Es werde einen städtischen Brandschutzbeauftragten geben – „möglicherweise sogar hauptamtlich“. Und da es eile, und die Stadt derzeit ohnehin mit den komplizierten Planungen für den möglichen Neubau einer Stadthalle gut beschäftigt sei, werde man möglicherweise weitere externe Prüfungen in Auftrag geben.

Auf die Frage, ob es sich bei dem verschluderten Brandschutz im Brückentorsaal um eine der „Leichen im Keller“ seiner Vorgänger handelt, wollte Priemer nicht antworten. Seit dem Bau vor 40 Jahren habe es mehrere Stadtdirektoren und Bürgermeister gegeben – er könne nur die Verantwortung für das übernehmen, was seit 2014 passiert sei. „Und in dieser Zeit sind keine eklatanten Mängel festgestellt worden.“ Er könne heute nicht sagen, „was in den Köpfen derer abgelaufen ist, die das Ding damals gebaut und überprüft haben“. Aber: „Ich will das alles aufgearbeitet wissen.“

Daher werden im Bauamt jetzt alte Aktenberge gewälzt und die Sachlage studiert. Das werde aber noch einige Tage dauern. Er betont: „Ich habe meine Lehren daraus gezogen, und wir werden jetzt alle Gebäude neu überprüfen.“

In Richtung des Eigentümers der restlichen Brückentor-Immobilie sagt Priemer: „Wir werden als Bauordnungsbehörde gegenüber den anderen Teileigentümern bauordnungsrechtlich die entsprechenden Maßnahmen anordnen.“ Dazu werde man das Gespräch mit dem Eigentümer suchen.

Denn das Gutachten betont mehrfach, dass es sich zwar nur mit dem Saal beschäftigt habe, die eklatanten Mängel aber erhebliche Auswirkungen auch auf die anderen Gebäudeteile habe. Dort müsse ebenfalls nachgebessert werden. Für das Restaurant „Italia“, das die Stadt verpachtet, habe man bereits ein Gutachten in Auftrag gegeben, so Priemer.




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