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Vor Gericht: Ein halbes Dutzend Körperverletzungsdelikte im Nachbarschaftsstreit / Bewährungsstrafe

Nachbarschaftsstreit: Angriff mit Eisenstange und Stein

RINTELN. In einem Prozess um einen langwierigen Nachbarschaftsstreit hat Richter Ulf Kranitz nach sechsstündiger Hauptverhandlung das Urteil gefällt: Ein 64 Jahre alter Rentner erhielt für sechs Körperverletzungsdelikte, einen Verstoß gegen das Gewaltschutzgesetz und eine Beleidigung eines Polizisten eine zehnmonatige Bewährungsstrafe. Außerdem muss er 400 Euro an die Stiftung Opferhilfe zahlen.

veröffentlicht am 25.11.2018 um 16:26 Uhr
aktualisiert am 25.11.2018 um 18:01 Uhr

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Für den gehörlosen Angeklagten waren zwei Gebärdendolmetscherinnen im Gerichtssaal tätig. Nach Ansicht des Richters hatte er unter anderem seine Nachbarin die Treppe hinuntergestoßen und ihr einen Stein gegen die Schläfe geworfen. Ihren Ehemann attackierte er mit einer Eisenstange sowie einem Bambusstock. Zu Vorfällen soll es immer dann gekommen sein, wenn der heute 64-Jährige alkoholisiert war.

„Gegenseitige Provokationen hat es sicherlich gegeben, die Situation hat sich hochgeschaukelt“, fasste Staatsanwalt Timo Goldmann den lang andauernden Nachbarschaftskonflikt zusammen.

Dabei soll es um das Werfen von Steinen, stundenlanges Bohren und das Bespritzen mit Wasserschläuchen gegangen sein. „Ich fühlte mich wie ein Tiger im Käfig“, erzählte der von Rechtsanwalt Roland Schulz verteidigte Angeklagte. „Er hat uns provoziert, nicht wir ihn“, verdeutlichte dagegen die Nachbarin. Die Serie der angeklagten Taten begann im Oktober 2016.

An einem Nachmittag wollte die Nachbarin mit dem Rentner über andauernde Belästigungen sprechen und klingelte deshalb mehrfach an seiner Haustür. Allerdings vergeblich. Der Mann soll ihr dann von drinnen sein nacktes Gesäß gezeigt haben. Als die Frau nach Hause gehen wollte, öffnete er die Tür und stieß sie von hinten die Treppe hinunter. Sie kam zu Fall und zog sich diverse Hämatome zu.

Noch am selben Abend ging der Rentner zu den Nachbarn, wollte sich offenbar entschuldigen. Er nahm sich eine Bierflasche aus der Kiste des Ehepaares, wurde dann von der Frau nach draußen geschoben. Auch ihr Mann ging dazwischen.

Der Angeklagte nahm daraufhin einen dort liegenden Bambuspflanzstock und schlug damit auf den Kopf des Ehemannes. Kurz darauf stellte die Familie wegen der vielen Vorfälle einen Antrag nach dem Gewaltschutzgesetz, vor allem aus Angst um die Kinder. Das Rintelner Amtsgericht ordnete schließlich unter anderem an, dass der Rentner das Grundstück der Nachbarn nicht betreten und auch kein Familienmitglied angehen darf.

Gut drei Monate später kam es zum nächsten Zwischenfall: Der 64-Jährige versetzte dem Ehemann zunächst einen Faustschlag in den Magen. Anschließend ging er in sein Haus, kam mit einer Eisenstange zurück und schlug damit zu. Allerdings konnte der Ehemann den Angriff abfangen, wurde nur leicht an der Schulter getroffen. In diesem Zusammenhang verpasste der Rentner auch der Nachbarin einen Faustschlag ins Gesicht.

Eine Zeugin schilderte aber auch, dass der Angeklagte bei dem Gerangel zu Boden fiel und danach von dem Ehemann getreten wurde. Bei der dritten Tat im August 2017 wollte die Nachbarin abends mit ihrem Hund spazieren gehen, als sie ein fast faustgroßer Stein aus wenigen Metern Entfernung an der Schläfe traf. Der Angeklagte soll zuvor schon mehrere Steine vor seiner Tür gelagert haben. Der letzte Zwischenfall geschah vor gut einem Jahr. Damals hatte der Rentner nach einer weiteren nachbarschaftlichen Auseinandersetzung einen Platzverweis erhalten. Daran hielt er sich nicht und wurde in Gewahrsam genommen.

Auf der Fahrt zum Polizeirevier spuckte er stark alkoholisiert (2,3 Promille) einen neben ihm sitzenden Beamten absichtlich ins Gesicht. In seinem Schlusswort entschuldigte sich der 64-Jährige, der die meisten Taten bestritt oder keine Erinnerung daran hatte, bei dem Polizisten. Bei dem Ehepaar wollte er dies nicht tun: Die hätten gelogen, ihn provoziert. Mit den Auseinandersetzungen ist jetzt Schluss: Der Rentner ist vor einem Jahr in einen anderen Landkreis gezogen. „Ich bin so froh, dass ich mein Haus verkaufen konnte“, bilanzierte er. maf




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