weather-image
22°

Zukunft der Rintelner Grundschulen auf dem Prüfstand: Schließungen nicht ausgeschlossen

Neubau statt Sanierung: Rintelner Grundschulen vor Schließung?

RINTELN. Am Montag treffen sich SPD- und CDU-Ratsmitglieder zu ihren jeweiligen Fraktionssitzungen. Dort dürfte auch Thema werden, was der Ortsrat Exten am Dienstag letzter Woche in seiner Sitzung vermutlich eher unabsichtlich angestoßen hat: eine Diskussion über die Zukunft der Grundschulen. Denn hinter verschlossenen Türen wird seit geraumer Zeit gerätselt, wie der Sanierungsstau in den heimischen Grundschulen gelöst werden kann. Möglicherweise müssen mehrere Dorf-Grundschulen zu einer zentralen Zusammengefasst werden.

veröffentlicht am 08.02.2019 um 17:16 Uhr

Kinder betreten die Grundschule Süd
Avatar2

Autor

Hans Weimann Reporter
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Mit der Debatte über Parkplätze für Eltern und das Kollegium der Grundschule in Exten haben Dr. Joachim von Meien (CDU) und Manfred Requadt (SPD) den Deckel von einem Topf genommen, den man in der Stadtverwaltung wie auch bei der SPD lieber geschlossen gelassen hätte. Sie haben nämlich die Frage aufgeworfen: Wie macht man Rintelns Grundschulen für die Zukunft fit?

So räumt Extens Ortsbürgermeister Bernd Kirchhoff auch ein: Die Verquickung der Parkplatzfrage mit einem möglichen Kauf des Geländes der ehemaligen Grußkartenfabrik für eine Erweiterung der Grundschule Exten läge zwar auf der Hand. Ihm gefalle das aber nicht, denn damit könnte sich der dringend notwendige Parkplatzbau wieder um Jahre verzögern, da „über die bauliche Zukunft der Schule noch keine Erkenntnisse bestehen“. „Keine Erkenntnisse“ soll heißen: Das Thema hat noch niemand ernsthaft angefasst.

Unstrittig ist, alle Grundschulgebäude sind inzwischen in die Jahre gekommen. Überall fehlt Platz und die räumliche Ausstattung genügt längst nicht mehr den Anforderungen an die Unterrichtsbedingungen des Jahres 2019. Lärmschutz zum Beispiel ist ein Thema bei den Lehrern, denn Kinder sitzen heute nicht mehr eine Schulstunde lang brav und still auf ihren Stühlen. Die Lichtsituation ist in vielen Klassen unbefriedigend. Ebenso die technische Ausstattung. Dazu kommen künftig die Anforderungen der Inklusion mit Ruheräumen, Multifunktionsräumen, die Ausweitung der Betreuungszeiten über den Unterricht hinaus, erforderliche Mensen, bessere Pausenräume. Kaum etwas davon kann an den Grundschulen noch ohne größere Investitionen realisiert werden.

Beispiel Grundschule Deckbergen: Hier hat die Stadt umbauen lassen. Dazu die ehemalige Sparkassenfiliale gekauft, in der eine Mensa eingerichtet werden soll. Macht zusammen rund 700 000 Euro. Kein Pappenstiel. Trotzdem hat man damit keineswegs eine moderne Grundschule geschaffen. Um einen solchen Standard zu erreichen müsste eine vergleichbare Summe noch einmal ausgegeben werden. Da sind sich Lehrer wie Fachleute einig.

Um die grundsätzliche Problematik weiß man auch in der CDU. Deshalb dringt Fraktionsvorsitzender Veit Rauch seit Jahren darauf, die Verwaltung sollte doch als ersten Schritt einen Schulentwicklungsplan vorstellen, damit die Kommunalpolitik verlässliche Zahlen auf den Tisch bekommt. Rauch in einem Telefongespräch: „Ich kann gar nicht mehr zählen, wo oft ich das in Sitzungen schon gefordert habe“. Schülerzahlen ließen sich schließlich hochrechnen, da man ja die Geburtenzahlen kenne. Stand zurzeit: Rund 880 Schülerinnen und Schüler besuchen die Grundschulen, die damit voll ausgelastet sind.

Die Erkenntnis, dass eine zukunftsfähige Lösung her muss, ist auch bei der SPD angekommen. Fraktionsvorsitzende Astrid Teigeler-Tegtmeier schränkte allerdings ein, man müsse die Sache „in Ruhe angehen“. Was wohl unausgesprochen heißt: Da begeben sich alle auf ein Minenfeld.

Bisher haben sich Verwaltung und Kommunalpolitik mit Kompromissen über die Runden gerettet. Wie beim Umbau der Grundschule in Deckbergen. Wie bei der Auslagerung der Krippenplätze aus der Grundschule Nord an den Bahnhofsweg, wodurch dringend benötigte Räume für die Grundschule frei werden.

Doch in der Grundschule Süd wie in der Grundschule Krankenhagen sind aufgrund der Lage kaum noch große Umbauten möglich.

Ob also bauliche Improvisationskunst auf Dauer genügt, ist die Frage. Damit werden selbst verlässliche Zahlen über die künftige Schülerentwicklung den Kommunalpolitikern den Entscheidungsprozess nicht abnehmen. Was tun: Weiter in alte Bausubstanz investieren und modernisieren oder lieber neu bauen? Ein neues Grundschulzentrum, wo auch immer. Was bedeuten würde, Grundschulen auf den Dörfern müssten geopfert und im Gegenzug aufgelöst werden.

Als erster Kandidat stände vermutlich die Grundschule in Möllenbeck auf der Liste, die nur überlebt, weil hier auch Schüler aus dem Kalletal eingeschult werden. An zweiter Stelle vermutlich die Grundschule in Krankenhagen und die Krankenhäger hätten ein ziemlich großes zweites Dorfgemeinschafthaus.

Die Diskussion um die Grundschule in Steinbergen, die zu den ältesten zählt und erhebliche bauliche Defizite hat, lässt ahnen, was da auf die Kommunalpolitik zu kommen wird: ein Entrüstungssturm. Ob es Eltern langfristig nicht doch besser finden, ihre Kinder in eine neue, moderne und zentrale Schule zu schicken, ist offen. Fahren müssen die meisten ohnehin.




Anzeige
Anzeige
Anzeige
Kommentare