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Paukenschlag in Todenmanner Feuerwehr: Ortsbrandmeister Rolf Marchlewski legt Amt nieder

Ortsbrandmeister Marchlewski tritt zurück: Und schießt gegen eigene Wehr

TODENMANN. Die Bande sind endgültig zerschnitten: Todenmanns Ortsbrandmeister Rolf Marchlewski ist Anfang Januar aus der Feuerwehr ausgetreten. Und das, nachdem er im September vergangenen Jahres schon einmal ausgetreten war und dann diesen Rücktritt wieder zurückgenommen hatte (wir berichteten). Nun also: „Der endgültige Rücktritt“, erklärt Marchlewski. Im Gespräch kritisiert er nicht nur seine ehemaligen Kameraden, wirft etwa einem Feuerwehrmann vor, er sei betrunken zum Dienst erschienen. Er wirft auch seinem Stellvertreter vor, er sei gegen ihn vorgegangen.

veröffentlicht am 20.02.2019 um 17:41 Uhr
aktualisiert am 20.02.2019 um 19:10 Uhr

Rolf und Yvonne Marchlewski sind gemeinsam aus der Ortsfeuerwehr Todenmann ausgetreten. Foto: gal
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Marieluise Denecke Redakteurin / Online zur Autorenseite
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TODENMANN. Die Bande sind endgültig zerschnitten: Todenmanns Ortsbrandmeister Rolf Marchlewski ist Anfang Januar aus der Feuerwehr ausgetreten. Und das, nachdem er im September vergangenen Jahres schon einmal ausgetreten war und dann diesen Rücktritt wieder zurückgenommen hatte (wir berichteten). Nun also: „Der endgültige Rücktritt“, erklärt Marchlewski bei einem Gespräch mit dieser Zeitung im Haus des Ehepaares in Todenmann. Denn mit ihm ist auch seine Frau Yvonne ausgetreten, die im Jahr 2009 wesentlich dazu beigetragen hatte, dass das Kirschendorf eine Kinderfeuerwehr bekam. „Wir konnten diesen Kindergarten nicht mehr mitmachen“, sagt Yvonne Marchlewski über die zurückliegenden Monate. Was ist geschehen?

Nach den Worten des Ehepaares klingt es so, als hätten die beiden vor allem jeglichen Rückhalt der Kameraden verloren – auf jeden Fall aber das Vertrauen. „Es ging so weit, dass Aktive nicht mehr zum Dienst erschienen sind“, erzählt der ehemalige Ortsbrandmeister. Ein anderes Mal sei ein Kamerad angetrunken bei einem Einsatz erschienen. Den Vorfall habe er an den Gruppenführer Florian Petersen gemeldet, berichtet Marchlewski – geschehen sei aber nichts.

Petersen kontert, er sei nicht Gruppenführer gewesen, sondern Marchlewski selbst. „Das kann ich anhand von Bildern belegen, und andere Führungskräfte der Rintelner Feuerwehr haben Rolf Marchlewski in seiner roten Funktionsweste als Gruppenführer gesehen.“

Des Weiteren habe er sich vom Ortsbürgermeister gegängelt gefühlt, so Marchlewski weiter. So habe dieser zum Beispiel angeregt, dass es ein Fest anlässlich der Fertigstellung der frisch sanierten Hauptstraße geben solle – gleichzeitig mit der Einweihungsfeier für das gerade fertiggestellte Feuerwehrgerätehaus. Die Einladungen seien schon verteilt worden. Dies wertet Marchlewski als ein Beispiel dafür, dass Helmuth Künneke seine Kompetenzen als Ortsbürgermeister überschritten habe.

Grundsätzlich aber sei das Vertrauensverhältnis zu den Kameraden in der Wehr zerrüttet: Informationen aus einer internen Kommandositzung seien ausgeplaudert worden, ehemalige Aktive seien auf einer Mitgliederversammlung aufgetaucht, um Stimmung gegen Marchlewski zu machen, und ohnehin sei gegen ihn „im Untergrund geschossen“ worden – unter anderem von seinem eigenen Bruder sowie von seinem Stellvertreter Florian Petersen. Seine Vermutung: Letzterer wolle ihn im Amt beerben. Das Fass zum Überlaufen habe dessen angebliche Aussage gebracht, dass die Kinder- und die Jugendfeuerwehr auf die Dauer „nur Geld kosten“ würden.

„Das habe ich nie gesagt, das ist eine ganz klare Falschaussage“, sagt Petersen zu dieser Anschuldigung. Er sei außerdem sehr zufrieden gewesen in seiner Rolle als Stellvertreter und habe keinerlei Ambitionen gehabt, Ortsbrandmeister zu werden. Er tue das nun nur aus Verbundenheit zur Todenmanner Feuerwehr. „Schließlich bin ich ein Gründungsmitglied der Jugendfeuerwehr.“ Aus Rücksichtnahme auf die anderen Aktiven wolle er die anderen Anschuldigungen nicht kommentieren.

„Die Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen“, erzählt Yvonne Marchlewski. Ihr Mann war schließlich 35 Jahre lang Mitglied der Todenmanner Wehr und zwölf Jahre lang Ortsbrandmeister. Er habe jedoch das Gefühl, dass „Gutmütigkeit mit Füßen getreten“ werde. „Wir können unsere Freizeit auch anders verbringen“, sagt Rolf Marchlewski. Mit Schreiben an die Verwaltung vom 9. Januar hat er seinen Austritt erklärt. Laut Satzung erfolgt sein Austritt nun offiziell zum Vierteljahresende, also zum 31. März. Zu diesem Zeitpunkt wird er auch aus dem Ehrenbeamtenverhältnis entlassen. Seine Uniform habe er schon zurückgegeben. Mit der Kirschendorf-Feuerwehr wolle er nichts mehr zu tun haben. Auch aus dem Förderverein ist er ausgetreten.

Das gelte aber nicht grundsätzlich für die freiwillige Feuerwehr. Er könne sich durchaus vorstellen, nach einer Weile einer anderen Kameradschaft beizutreten. Schließlich besitze er die nötige Erfahrung sowie alle Qualifikationen. Momentan wolle er jedoch vor allem mit seiner Familie die Zeit genießen, die er jahrelang nicht gehabt habe.

Gemeinsam mit den Marchlewskis sind mehrere Aktive aus der Todenmanner Wehr ausgetreten, berichtet das Paar. Und weitere Kameraden würden es sich derzeit überlegen, es ihnen gleichzutun. Dadurch sei die Mindeststärke der Wehr unterschritten, so Marchlewski.

Petersen sagt, ausgetreten seien nur Rolf Marchlewski, seine Frau und ein weiterer Kamerad. Kein anderer überlege, ob er der Wehr den Rücken kehren solle. „Im Gegenteil, es läuft alles super.“

Laut Ulrich Kipp, Leiter des Rintelner Ordnungsamtes, besitzt die Todenmanner Wehr derzeit die Mindeststärke. Laut der Niedersächsischen Verordnung über die kommunalen Feuerwehren müsse eine Wehr mit Grundausstattung „zur Gewährleistung des Einsatzes“ 20 aktive Mitglieder umfassen. Und genauso viele Aktive gebe es in Todenmann derzeit, so Kipp. Problematisch werde es erst, wenn die Mitgliederzahl dauerhaft unter 20 sinke.

Kommissarisch führt derzeit Stellvertreter Florian Petersen die Todenmanner Brandschützer an. Am 16. März werden sie sich zur Hauptversammlung treffen. Dort wird dann unter anderem ein neuer Ortsbrandmeister gewählt. Rolf und Yvonne Marchlewski sind eingeladen. Hingehen wollen sie nicht.




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