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Freiwillige Feuerwehr Ahe

Ortsbrandmeister Möller sorgt sich um seine Feuerwehr

AHE. Reinhard Möller ist, wie er selbst sagt, „alter Ahe’scher“. Für ihn war es damals selbstverständlich, der Freiwilligen Feuerwehr Ahe beizutreten. Doch diese Selbstverständlichkeit ist verloren geganen: Mitglieder zu rekrutieren, wird schwieriger und schwieriger. Ein Gespräch über eine vielleicht düstere Zukunft:

veröffentlicht am 10.06.2019 um 13:00 Uhr
aktualisiert am 10.06.2019 um 18:00 Uhr

Die Freiwillige Feuerwehr Ahe wurde im Jahr 1935 gegründet. Ortsbrandmeister Reinhard Möller ist seit 1973 Mitglied. Doch Nachwuchs zu rekrutieren, das wird immer schwieriger. Foto: Momo

Autor:

Maurice Mühlenmeier
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AHE. Reinhard Möller ist, wie er selbst sagt, „alter Ahe’scher“. Als solcher war es für ihn selbstverständlich, in die heimische Jugendfeuerwehr einzutreten. Dort begann Möllers Karriere bei den Blauröcken – von der Jugendfeuerwehr zum aktiven Mitglied, Jugendwart, zum stellvertretenden Ortsbrandmeister und seit 17 Jahren nun Ortsbrandmeister des 288-Seelen-Dorfes an Rintelns Peripherie. „Ich habe die komplette Laufbahn mitgemacht“, so Möller.

Umso trauriger macht ihn die aktuelle Lage der 1935 gegründeten Wehr: „Ich glaube nicht, dass es die Feuerwehr Ahe in zehn Jahren noch gibt“, räumt Möller unumwunden ein. Reine Dystopie oder realistische Einschätzung? Seit 2018 gibt es keine Jugendfeuerwehr mehr: Der Nachwuchs fehlt.

„Wir haben vieles versucht“, sagt Möller im Gespräch mit dieser Zeitung. „Aber die Jugendlichen haben einfach keine Lust.“ Die Stadt habe man um Hilfe gebeten, man habe Klinken geputzt. „Wir sind ja ein kleines Dorf, man weiß, wo Kinder und Jugendliche leben.“

Erfolg hatte man bei den nur sechs Kandidaten jedoch nicht. Aus der Neelhofsiedlung lasse sich nur schwerlich Nachwuchs rekrutieren, erklärt Möller: „Dazwischen liegt eine räumliche Distanz, die meisten Jugendlichen gehen dann lieber nach Engern.“

Als es noch einen Restbestand an Jugendlichen gab, die Entwicklung aber schon absehbar war, ging man eine Kooperation mit Steinbergen ein: „Die würde auch weiter bestehen, wenn es denn Kinder gäbe.“

Der demografische Wandel tue sein Übriges: „Wenn es so weitergeht, wird Ahe irgendwann aussterben.“ Es sei wie überall im Stadtgebiet: Die Jungen zögen fort und kehrten nicht zurück. Ahe sei kein attraktiver Wohnort, „sieht man mal von der Landschaft und dem Heimeligen ab – das muss man schon mögen“, gibt auch Möller zu.

Auch die Anzahl der aktiven Mitglieder stagniert auf niedrigem Niveau: „Der Gesetzgeber sagt, 18 aktive Kameraden braucht es mindestens“, erklärt Möller. In Ahe sind es selten mehr als 15. Dazu führen auch gesellschaftliche Umwerfungen, es sei nicht mehr selbstverständlich, dass Feuerwehrleute ihren Arbeitsplatz im Notfall ohne Weiteres verlassen dürfen. Dazu komme: Viele arbeiten weit außerhalb und haben ohnehin wenig Zeit. „Wir sprechen Zugezogene auch an, ob sie Interesse haben, bei uns mitzuwirken“, so Möller – doch mit wenig Resonanz.

Dabei sei eine Feuerwehr ein guter Ansatzpunkt, um Kontakte zu knüpfen und in die Dorfgemeinschaft aufgenommen zu werden.

„Und langweilig wird es ja auch nicht!“, betont Möller. Letztes Jahr konnte Ahe in Zusammenarbeit mit dem SEKA-Einsatzzug immerhin 19 Einsätze verbuchen, dieses Jahr sind es bereits zehn. Großbrände wie jener auf einem Bauernhof in Kohlenstädt letztes Jahr, oder wenige Jahre zuvor der Brand eines Bauernhofes direkt im Ortskern haben sich in das Gedächtnis eingebrannt. Aufgerüttelt habe es die Menschen aber nicht, bedauert der Ortsbrandmeister.

Pessimistisch will Möller aber nicht sein und glaubt weiter an einen möglichen Wendepunkt: „Ich lasse das nicht schleifen, wir sprechen auch weiter potenzielle Mitglieder an.“ Man müsse das Gute sehen: Jene, die jetzt noch da sind, seien der harte Kern. „Auf diese Kameraden kann ich mich voll und ganz verlassen.“




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