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Briefe an die über 70-Jährigen

Polizei, Stadt und Weißer Ring informieren über Telefonbetrüger

RINTELN. „Es ist besonders verwerflich, wenn Kriminelle Senioren austricksen und um ihr Geld bringen“, sagt Jörg Stuchlik, Leiter des Polizeikommissariats Rinteln. Doch genau solche Fälle treten immer wieder auf. Kriminelle geben sich am Telefon zum Beispiel als Verwandte aus – die Rede ist vom Enkeltrick. Auch sogenannte Schock-Anrufe, bei denen die Täter den Senioren eine akute Notlage vorgaukeln, um an Bargeld oder Wertgegenstände zu gelangen, seien ein Problem. Die Polizei leistet nun in Kooperation mit der Stadt Rinteln und dem Weißen Ring wieder Präventionsarbeit.
Dazu flattern in der nächsten Woche 4780 Anschreiben mit zwei Broschüren in die Briefkästen aller über 70-jährigen Auetaler und Rintelner.

veröffentlicht am 26.05.2021 um 17:00 Uhr

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RINTELN. In den Broschüren finden sich zahlreiche Informationen, wie man sich gegen Betrüger wehren kann oder ihnen gar nicht erst ins Netz geht. Der Weiße Ring hat die Broschüre unter dem Namen „Kein Anschluss . . . für Betrüger am Telefon“ zusammengestellt.

Das Heft soll über die Ansätze der Täter aufklären. Denn die sind wahrlich vielfältig: Neben Verwandten geben sie sich am Telefon nämlich auch als Polizisten aus. Ein simples Erkennungszeichen: „Die Polizei würde niemals unter der 110 anrufen und Sie auch niemals bitten, Bargeld vor der Haustür zu deponieren“, sagt Stuchlik.

Er rät jedem Betroffenen, den Vorfall anzuzeigen. Immer mehr Senioren würden diesem Rat auch folgen: Im letzten Dezember sorgte ein aufmerksamer Taxifahrer für Schlagzeilen, als er eine 85-Jährige in Rinteln statt zur Bank zur Polizeiwache brachte. Sie wollte ursprünglich 30 000 Euro abheben – die direkt in die Hände der Betrüger gelangt wären (wir berichteten). Stuchlik wünscht sich, dass noch mehr solcher Fälle erkannt werden: „Jede verhinderte Tat zählt“, sagt er.

Daher leiste die Polizei Rinteln schon seit Jahren Präventionsarbeit. Auch diesmal kooperiert sie mit der Stadt Rinteln. Mareen Fennert aus dem städtischen Präventionsrat lobt die Zusammenarbeit ausdrücklich. Auch Stuchlik liegt die Kooperation am Herzen, wie er sagt. Fennert leitet unter anderem das Mehrgenerationenhaus an der Ostertorstraße und steht im engen Austausch mit der Hauptzielgruppe der Telefonbetrüger: den Senioren.

Dabei gehen die Täter spezialisiert und mit einem klaren Plan vor: „Die Täter suchen im Telefonbuch gezielt nach Namen aus älteren Generationen. Die picken sie sich dann heraus“, weiß Stuchlik. Teilweise kennen die Kriminellen gar nicht den Namen der Verwandten: „Die Senioren gehen am Telefon die Namen von Sohn, Tochter, Enkel durch. Irgendwann sagt der Täter einfach: ‚Ich bin‘s‘“, ergänzt Fennert. Oftmals seien die Senioren dann leichtgläubig: „Die Täter nutzen das eiskalt aus“, sagt Stuchlik. In Pandemie-Zeiten seien die Fallzahlen gewiss gestiegen, vermutet Anke Heldt vom Weißen Ring. Stuchlik stimmt zu: „Die Dunkelziffer ist sehr groß.“

Damit das nicht so bleibt, sollen die Briefe nicht die einzige Präventionsmaßnahme bleiben. Heldt erwähnt etwa ein Pilotprojekt in Goslar: Dort weisen Umschläge, in denen Banken große Summen Bargeld ausgeben, auf die Gefahr von Betrügern hin. Stuchlik kündigte daher an, Gespräche mit den heimischen Banken zu führen.

Gespräche über die Verbrechens-Prävention möchte die Polizei möglichst bald auch wieder in Präsenz führen. Bis das wieder möglich sei, werde man andere Wege finden. Die Briefe an 4780 Senioren-Haushalte sind da laut Fennert eine gute Alternative. Man habe das Problem mit kriminellen Betrügern in den vergangenen Jahren gut in den Griff bekommen – das soll auch durch die Broschüren des Weißen Ringes in Zukunft so bleiben.




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