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450 Radfahrer aus ganz Deutschland sind am Samstag zum siebten Radmarathon gestartet

Polizei stoppt „Seifenkisten“

veröffentlicht am 04.09.2016 um 16:46 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 12:55 Uhr

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RINTELN. 43 Radfahrer waren bei der ersten „Großen Weserrunde“ am Start. Diesmal, beim 7. Radmarathon am Samstag, gingen 450 Radfahrer auf die Strecke. Ein Sportevent als Erfolgsgeschichte. Im nächsten Jahr könnten es noch deutlich mehr werden, denn dann soll der Wesermarathon auch im Terminkalender des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) als Sportveranstaltung geführt und Punkte für die Jahreswertung vergeben werden.

Was macht Radfahrer glücklich, die gerade 150 Kilometer im Sattel hinter sich haben und wissen, dass sie noch weitere 150 Kilometer in die Pedale treten müssen? Nudeln mit Tomatensoße. Von beidem hatten Christine Michalak und Hans Jürgen Kriegs mehr als genug in den Kesseln ihrer THW-Küche auf dem DLRG-Stützpunkt in Hannoversch Münden. Das ist nämlich der Umkehrpunkt für alle Teilnehmer, die die 300 Kilometer-Strecke gewählt haben. Außerdem standen als Distanzen 150, 200 und 250 Kilometer zur Auswahl. Wenn mal ein Hinweisschild fehlt, das verzeiht ein Radmarathoni, aber nicht, wenn er Kohldampf schieben muss. Denn die Kohlehydratspeicher wollen immer gut gefüllt sein, sagt Thorsten Groß. Deshalb sind Verpflegungsstationen unterwegs so wichtig. Groß muss es wissen, er ist nicht nur Radrennfahrer beim TSV Krankenhagen, sondern war am Samstag auch als „Tour-Inspektor“ mit dabei im Madza von Mathias Gräbner, dem Tourismusmanager aus Rinteln. Groß muss nämlich Strecke und Service absegnen, wenn der Wesermarathon als Sportereignis vom Bund Deutscher Radfahrer (BDR) anerkannt werden soll.

Und noch ein unabhängiger Beobachter war unterwegs, den alle in der Szene kennen: Ulli Kampffmeyer von der Internetplattform HFS, „Helmuts Fahrrad Seiten“.

Es war ein buntes Radfahrervolk aus ganz Deutschland von Aschaffenburg bis Hamburg, Bremen und Berlin, Dresden, Dortmund, Magdeburg und sogar Holland, das am Samstag in der Morgendämmerung in der Cafeteria des Ernestinums Kaffee und Kalorien tankte: Semiprofis, Radrennfahrer, Tourenfahrer. Und vier HPVs gingen an den Start, Human Powered Vehicle, die später für einen Polizeieinsatz sorgten. Denn kurz nach Hannoversch Münden meldeten aufgeregte Autofahrer der Polizei, da sei auf der Bundesstraße ein „Seifenkistenrennen“ von Jugendlichen im Gang. Was die Beamten im Streifenwagen dann wohl am meisten verblüfft haben dürfte: Die futuristischen Gefährte waren mit gut fünfzig Sachen unterwegs. Die HPV-Biker erzählten an der nächsten Raststation, sie hätten alle Mühe gehabt, den Beamten klarzumachen, dass sich unter den schnittigen Karosserien tatsächlich kein Motor verbirgt, sondern hier pure Muskelpower am Werk ist.

Für die vielen ehrenamtlichen Helfer von den Stadtwerker, dem THW, DLRG und der Feuerwehr hatte der Samstag teilweise schon zwischen 3 und 4 Uhr morgens begonnen. Und Franziska Möller vom Touristikzentrum und Touristikmanager Mathias Gräbner waren bereits um 5 Uhr im Krisenmanagementmodus: Mehr Fahrer als erwartet, meldeten sich in letzter Minute an. Das bedeutete, an den Verpflegungsstationen musste Essen nachgeordert werden. Später stellte sich heraus, dass die Semiprofis der Spitzengruppe, um 5.30 Uhr gestartet, unfassbar schnell unterwegs und bereits um 11.30 Uhr nach 150 Kilometern in Hannoversch Münden sein würden. Also Alarm in der THW-Küche. Und Gräbner, Thorsten Groß‘ Worte vom Nachfüllen der Kohlehydratspeicher im Ohr, überzeugte sich an jedem Verpflegungspunkt an der Strecke, ob Essen und Trinken bereitstanden.

In der Ernestina-Cafeteria und am Campingplatz Himmelspforte wickelte man den schubweisen Ansturm routiniert ab. Die Stationen waren ja auch schon von Anfang dabei. Besondere Pluspunkte sammelte der Weser-Backofen in Heinsen, wo der Chef höchstpersönlich eine fähige Service-Mannschaft zusammengetrommelt hatte, einschließlich eines Wachpostens für die Fahrräder. Nur in Beverungen muss nachgebessert werden. Dass tatsächlich über 400 durstige und hungrige Radfahrer bei ihm einfallen würden, wie von Gräbner angekündigt, hatte der Gastwirt wohl nicht ganz ernst genommen. Jetzt weiß er es.

Sah man in den ersten Stunden ein lang gezogenes Peloton, viele Einzelkämpfer, gingen die Rennradler am Nachmittag die Sache in Gruppen ökonomischer an. Und Groß klärte die Nichtprofis im Gräbner-Madza auf. Erstens lasse es sich in Gruppen besser quatschen, das hebe die Moral, außerdem funktioniere Windschattenfahren tatsächlich. Die Ersten machen die Arbeit, die Letzten lassen es sich gut gehen.

Und der Nichtradler staunt, woran man als Organisator bei so einem Sportevent alles denken muss. Nur zwei Beispiele: Rennräder haben keinen Ständer – zu viel Gewicht – also braucht man bei längeren Pausen an Verpflegungsständen Fahrradständer. Zwar fahren die meisten mit Navi und GPS, trotzdem gibt es eine Tourenkarte, die ist jetzt laminiert, damit sie sich im Regen nicht auflöst. Am Ende gab Groß vom TSV sein Okay – Prüfung bestanden.




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