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Der gute alte Verkehrskasper ist tot

Polizeipuppentheater warnt vor Gefahren des Internets

RINTELN. In den vierten Klassen der Grundschule Süd war die Präventionspuppenbühne der Polizei zu Gast. Gemeinsam mit den Kindern wurden Sicherheitsregeln für den Umgang mit dem Internet entwickelt.

veröffentlicht am 13.06.2018 um 14:18 Uhr
aktualisiert am 13.06.2018 um 17:50 Uhr

Pia Bunsmann mit Handpuppe Lily macht die Kinder auf Gefahren im Internet aufmerksam. Foto: kk
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Karsten Klaus Redakteur zur Autorenseite
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RINTELN. Grundschülerin Lily heult, sie ist völlig am Boden zerstört. Da sind doch gerade im Schulchat im Internet ganz böse Beleidigungen über sie verbreitet worden. Und ihr Foto erst: Dieser schreckliche Schnuller im Mund und diese hässliche Haarschleife – das Bild hat doch jemand manipuliert. Das ist Cyber-Mobbing ganz übler Art. Und doch ist Lily nicht ganz unschuldig an dieser Situation: Sie ist nämlich mit ihren Daten im Netz ziemlich leichtsinnig umgegangen. Was nun?

Antworten suchten Uta Pape, Tina Baas und Pia Bunsmann gemeinsam mit den Kindern der vierten Klassen der Grundschule Süd. Die beiden Polizeibeamtinnen und die Diplom-Pädagogin bilden das Ensemble der Präventionspuppenbühne der Polizeidirektion Göttingen aus Hildesheim. Lily ist keine „echte“ Schülerin, sondern eine pfiffige Handpuppe, die die Kinder sofort ins Herz geschlossen haben.

Der gute alte „Verkehrskasper“ der Polizeipuppenbühnen ist tot. Verkehrserziehung gibt es zwar auch noch, doch längst haben sich die Ordnungshüter auch ganz aktuellen Themen wie den Gefahren des Internets zugewandt. In die vier Spielszenen von „Fit und fair im Netz: Auf dich kommt es an!“ werden die Kinder ganz aktiv mit einbezogen. Am Ende haben sie gemeinsam mit den Polizistinnen Regeln für einen sicheren und kritischen Umgang mit dem Internet aufgestellt.

Was gebe ich in meinem Profil preis? Uta Pape erklärt, worauf es ankommt. Foto: kk
  • Was gebe ich in meinem Profil preis? Uta Pape erklärt, worauf es ankommt. Foto: kk

Die Stücke entwickeln die „Drei von der Puppenbühne“ selbst. Prävention wird bei der Polizei großgeschrieben. Doch wie erklärt man so einen Begriff Zehnjährigen? Ute Pape macht ihn den Kindern am Beispiel Zähneputzen deutlich: Das sei Gesundheitsprävention, Schutz vor Karies. Und Kriminalprävention solle vor Kriminalität schützen.

Doch Internetsicherheit für Viertklässler – muss das denn schon sein? Die Antwort geben die Kinder in der Kennenlernrunde selbst: Fast zwei Drittel von ihnen haben ein Smartphone, die Hälfte von ihnen war schon vor dem Unterricht im Internet, hat gespielt oder auf YouTube ein Video geschaut.

Von vielen Informationen und Sicherheitstipps, die die Expertinnen den Kindern über ihre Heldin Lily vermitteln, würden auch Erwachsene profitieren. Wie denke ich mir ein sicheres Passwort aus? Was ist beim Umgang mit Suchmaschinen zu beachten? Welche persönlichen Daten gebe ich beim Anlegen eines Profils preis – und welche nicht?

Das Passwort sollte aus Zahlen, Sonderzeichen und Buchstaben bestehen. Gut behalten kann man es mithilfe eines Merksatzes. IfBad4agc! = „Ich finde Bully aus der 4a ganz cool!“ Aber bitte wirklich merken – und nicht aufschreiben. Den Eltern oder anderen Vertrauenspersonen sollte man sein Passwort schon verraten, vielleicht braucht man ja mal deren Hilfe – doch sonst niemandem!

Suchmaschinen für Erwachsene enthalten Werbung und leiten nur zu oft auf „Angst- oder Ekelseiten“. Für Kinder gibt es daher spezielle Kindersuchmaschinen wie „Blinde Kuh“ oder „Helles Köpfchen“. Und eigene Profile auf Chat- oder Spielseiten sollten Kinder am besten nur gemeinsam mit einem Erwachsenen anlegen. Auch dann gilt: keine Klarnamen, keine Adressen, keine Fotos, sondern allenfalls Symbolbilder. Und: Nur die Pflichtangaben machen.

Häufig tummeln sich Erwachsene mit unlauteren Absichten mit falschem Profil auf Kinderseiten. Daher gilt: Wer tatsächlich einmal seinen Chatpartner persönlichen kennenlernen möchte, sollte immer einen Erwachsenen seines Vertrauens mitnehmen.

Da hat Lily alias „Coolquatsch“ einiges falsch gemacht. Und als sie dann ihren Chat- und Spielpartner „Frozenfrog“ auch noch im Spiel besiegt, wird der sauer und stellt sie im Netz bloß. Nun hilft nur noch eines: Hilfe bei Erwachsenen, also den Eltern, Lehrern oder notfalls der Polizei suchen. Anders als in vielen Fällen im richtigen Leben hat die Geschichte von Lily natürlich ein Happy End: Andere Kinder bringen den Mut auf, sich mit ihr zu solidarisieren. Und Mutter und Lehrerin helfen dabei, das Thema in der Schule aufzuarbeiten – das Mobben hat ein Ende.

Und deshalb rät Uta Pape den Grundschülern: „Wenn jemand gemobbt wird, macht was dagegen!“

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