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Unendliche Geschichte

Poller am Steinberger Kirchberg sind weg – wohl endgültig

STEINBERGEN. Es hat etwas von Satire, was gerade im Süden von Steinbergen vor sich geht, so als hätten gewitzte Autoren einen Sketch über die Poller an der Kirchstraße geschrieben, den sie jetzt in einer Art Realsatire aufführen.

veröffentlicht am 03.05.2019 um 00:00 Uhr

Die Absperrpfosten auf dem Weg von der Steinberger Kirche nach Engern sind inzwischen entfernt worden. Foto: Archiv

Autor:

Maurice Mühlenmeier
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STEINBERGEN. Es hat etwas von Satire, was gerade im Süden von Steinbergen vor sich geht. So als hätten gewitzte Autoren einen Sketch über die Poller an der Kirchstraße geschrieben, den sie jetzt in einer Art Realsatire aufführen.

Da gibt es einen Ortsrat, der im Spätsommer den Antrag stellt, die Pfosten auf dem Weg von der Steinberger Kirche nach Engern entfernen zu lassen. Der Antrag geht durch. Anwohner beschweren sich – vor allem, da der Weg während der Sperrung der Steinberger Kreuzung intensiv als Ausweichstrecke missbraucht worden ist. Sie sammeln Unterschriftenlisten, holen den Naturschutzbund (Nabu) und den ADAC mit ins Boot.

Schließlich der 17. Oktober, der Tag der Abrechnung: Ordnungsamtsleiter Ulrich Kipp ist anwesend, verkündet, dass die Stadt über den Kopf des Ortsrates hinweg entscheide: „Die Poller bleiben erhalten!“ Unmut in der SPD-Mehrheitsfraktion, Unmut bei den Landwirten. Jubel und Heiterkeit bei den Anwohnern. So weit, so gut. Ruhe kehrt ein auf dem Berg. Was niemand ahnt: Im Hintergrund laufen die Rädchen weiter.

Am 27. März hätten Mitarbeiter des Baubetriebshofs auf Veranlassung des Ordnungsamtes die Poller entfernt, heißt es in der offiziellen Stellungnahme der Verwaltung. Erst einen Tag später würden Feuerwehren und Ortsbürgermeister informiert, der Weg sei wieder frei. Was ist passiert?

In der Mitteilung der Stadt heißt es deutlich: „Leider hat die Fürstliche Hofkammer als Grundstückseigentümer ihre ursprüngliche Zustimmung/Genehmigung zur Sperrung des Weges durch umklappbare Poller mittlerweile ausdrücklich widerrufen.“ So wie also einst die Stadt über den Kopf des Ortsrates hinweg entschieden hat, soll nun die Hofkammer über den Kopf der Verwaltung hinweg entschieden haben.

Doch was hat zu der Entscheidung der Hofkammer geführt? Welche Umstände haben sich geändert, die einen Rückzug der Hofkammer rechtfertigen? Auf Nachfrage winkt Andreas Buchmeier vom Ordnungsamt Rinteln ab: „Das wissen wir nicht, offenbar hat es wiederholte Beschwerden gegeben.“

Die haben es auch bis ins Rathaus geschafft, In der offiziellen Stellungnahme der Verwaltung ist die Rede von einem Brief, der an Bürgermeister Thomas Priemer gerichtet worden sei; namentlich vom Landvolk Niedersachsen-Bauernverband Weserbergland – als Interessenvertreter der Landwirte.

Nachgefragt beim größten Landwirt in Steinbergen gibt der sich ahnungslos: „Wir wissen nicht, was zu der Entscheidung geführt hat, aber wir sind froh, das sie derart ausgefallen ist“, so Elke Wessel-Baum.

Der zuständige Revierförster Alfred Matthei hält sich bedeckt. Er selbst sei nur informiert worden: „Ich bekam eine E-Mail von einem Herrn Buchmeier, dass die Poller entfernt werden.“ Buchmeier indes besteht auf Nachfrage darauf, dass Matthei den Kontakt zur Verwaltung aufgenommen habe. Zu einer telefonischen Nachfrage habe Matthei aufgrund seines dann angetretenen Urlaubs nicht bereitgestanden. Überhaupt: Wer die Entscheidung getroffen hat, weiß scheinbar niemand. Hofkammerdirektor Christian Weber jedenfalls kann nichts Genaues sagen: „Ich glaube nicht, dass die Initiative von uns ausging.“ Er selbst sei nicht involviert gewesen. „Ich wüsste auch nicht, dass Herr Matthei solches entschieden hätte.“

War damals im Ortsrat die Rede von einer Befestigung, die ein unrechtmäßiges Hochklappen verhindern soll, scheinen diese Überlegungen entweder nicht weiterverfolgt oder vergessen worden sein.

Offen bleibt indes die Frage nach dem Verantwortlichen. Wer hat die Entscheidung gefällt? Welche Argumente wiegen jetzt schwerer als zuvor? Warum wurden Kompromisslösungen nicht geprüft – und wenn doch, von wem?




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