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„Hotel Stadt Bremen“ und Wirtin Martha Lewandowski – der Sohn erzählt

Rintelns erste Event-Gastronomie

RINTELN. Mit einem kleinen Nachtrag zur Geschichte des ehemaligen „Hotel Stadt Bremen“ und der legendären Wirtin Martha Lewandowski hat sich nun der Sohn der Wirtin, Udo Lewandowski, zu Wort gemeldet. Im Nachhinein begreife er, dass seine Mutter in den 1960er-Jahren eine regelrechte „Event-Gastronomie“ betrieben habe.

veröffentlicht am 09.01.2019 um 15:16 Uhr
aktualisiert am 09.01.2019 um 19:20 Uhr

Verkörperung von Lebenslust: Martha Lewandowski. Repro: cok
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Cornelia Kurth Reporterin zur Autorenseite
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RINTELN. Mit einem kleinen Nachtrag zur Geschichte des ehemaligen Hotels „Stadt Bremen“ und der legendären Wirtin Martha Lewandowski hat sich nun der Sohn der Wirtin, Udo Lewandowski, zu Wort gemeldet. Im Nachhinein begreife er, dass seine Mutter in den Sechzigerjahren eine regelrechte „Event-Gastronomie“ betrieben habe.

Der eindrucksvolle Fachwerkbau des „Stadt Bremen“ war um 1900 am Pferdemarkt errichtet und dann im Jahr 1965 zugunsten einer Stadtsparkassen-Filiale abgerissen worden (wir berichteten). In den Fünfzigerjahren übernahm die 1914 geborene, aus dem Rheinland stammende Martha Lewandowski das Hotel und mischte mit ihren zahlreichen gastronomischen und Party-Angeboten das Rintelner Stadtleben auf.

Dazu gehörten nicht nur – das hatte Friseurmeister Achim Wruck bereits erzählt – Bier- und Gaststube, die erste Milchbar Rintelns und der erste Hähnchengrill in der Stadt. „Meine Mutter hatte insgesamt drei Schnellimbiss-Stationen aufgebaut“, erzählt Udo Lewandowski. Außer dem Grill am Hotel selbst gab es da noch einen Imbiss direkt am alten Rintelner Bahnhof und einen weiteren damaligen im „Alten Museum“ am Kirchplatz. Außerdem besaß Martha Lewandowski eine Softeismaschine, vor der sich immer lange Kundenschlangen bildeten.

Autogrammkarte von Lil Dagover mit Widmung für Martha Lewandowski. Repro: cok

„Sie hat sich ständig neue Sachen ausgedacht“, so Lewandowski. „Sie wollte und musste ja immer am Ball bleiben.“ So eröffnete sie gegenüber vom Hotel „Altes Zollhaus“ das Café „Weserterrassen“, bei schönem Wetter und dem wunderbaren Blick über den Fluss ein Anziehungspunkt für ganze Busladungen voller Touristen. Oft mussten dann Hilfskräfte angeheuert werden unter den älteren Schülern der Stadt.

Berühmt seien auch die drei „tollen Tage“ des Karnevals gewesen. „Halb Rinteln war dabei, wenn hier nach rheinischer Art gefeiert wurde“, sagt der Sohn. Silvester wurde ebenfalls rauschend begangen, und der junge Lewandowski, der damals gar keine andere Wahl hatte, als fleißig im Familienbetrieb mitzuhelfen, fand dann am nächsten Morgen so manchen Rintelner Bürger noch betrunken am Tresen hängend.

Der „Musik-Automat“, den auch Achim Wruck erwähnt hatte, war ein Wechselplattenspieler, den Martha Lewandowski angeschafft hatte, um einmal im Monat ihren „Plattenschrank“ zu öffnen und Musik aufzulegen, darunter außer den aktuellen Schlagern auch Opern und Operetten.

In den Fünfzigern machte allerlei Prominenz halt im Hotel „Stadt Bremen“, darunter Marika Rökk, Lil Dagover und Grete Weiser, mit der sich die Wirtin Martha so gut verstand, dass die beiden noch einen jahrelangen Briefwechsel pflegten. „Die Promis mussten in der Nachkriegszeit ja auch in ländlichen Gebieten auftreten, um sich wieder einen Ruf zu machen“, erklärt Udo Lewandowski. „Das Hotel ‚Stadt Bremen‘ war da eine angesehene Adresse zum Übernachten.“

Für ihn als Sohn einer Wirtin war allerdings schon früh klar, dass er niemals einen Beruf in der Gastronomie wählen würde. „Man war als Jugendlicher rund um die Uhr eingespannt“, sagt er. „Feiertage wie Weihnachten, Ostern, Pfingsten gab es für uns nicht, im Gegenteil, da war natürlich am meisten los.“ Seine Mutter habe in ihrem ganzen Leben nur zweimal Urlaub gemacht. „Ein richtiges Familienleben ist so natürlich unmöglich.“

Lewandowski wendete sich der Wirtschaft zu und war Geschäftsführer mehrerer großer Firmen. Heute lebt er mit seiner Frau Karin, in Rinteln in der Familie Schuberth geboren, in Jesteburg bei Hamburg. „Immer, wenn ich mal wieder nach Rinteln komme, werde ich ein wenig traurig“, sagt er. „Damals war in der Stadt so viel mehr los als heute.“




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