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Saxofon und Trommeln in der Grundschule: Workshop mit Richard Howell

Schiefer Ton bricht das Eis

Exten. Wortlos steht Richard Howell vor einer aufgeregten Meute Grundschüler. Langsam wird sie still, erwartungsvoll blicken die Kinder zu dem Mann mit den Rastalocken auf. Dieser schaut neugierig zurück, ein Sopran-Saxofon in der Hand. Gespannte Pause. Howell atmet tief ein, führt sein Instrument langsam zum Mund und entlockt ihm einen schiefen Ton. Die Kinder lachen, das Eis ist gebrochen.

veröffentlicht am 06.04.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 10:41 Uhr

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Autor:

Alisa reineking

Richard Howell ist Jazzmusiker aus San Francisco, der mit mehr als nur langen Rastazöpfen Eindruck macht. Seit Jahren ist er auf Tourneen durch Deutschland unterwegs, seit über zehn Jahren gibt er Musikworkshops auf der ganzen Welt. Howell war schon in Australien, Neuseeland und Amerika unterwegs. Seine Leidenschaft für Jazzmusik hat er durch einen Zufall entdeckt, als er diese Musik in der Nachbarschaft hörte. „Das gefiel mir“, berichtet Howell – und begann im Alter von elf Jahren, selbst Saxofon zu spielen.

Bei seinen Musikworkshops, wie er ihn an der Grundschule Exten-Krankenhagen für Schüler der dritten und vierten Klasse gegeben hat, erzielt er mit kleinen Mitteln große Wirkung. Seine Hauptwerkzeuge sind die Hände und seine Stimme. Er klatscht, schnippt, singt und spielt immer mal wieder etwas auf dem Saxofon vor. Die Kinder sind gespannt bei der Sache; Howell holt sie nach vorn, gibt ihnen kleine Instrumente wie Trommeln und Rasseln und animiert dazu, vor den Mitschülern aus sich rauszukommen. Alles sehr professionell – sowohl das Musizieren als auch der Umgang mit den Acht- bis Zehnjährigen. Immer wieder betont Howell, wie „fantastic“ die Schüler mitarbeiten. Anfangs kommen sie noch eher unfreiwillig nach vorne, später trauen sie sich mehr und melden sich sogar freiwillig.

Die sprachliche Barriere zwischen den Kindern und dem Musiker, der den Workshop in seiner Muttersprache Englisch leitet, beeinträchtigt die Zusammenarbeit nicht. Trotz der verschiedenen Sprachen – oder vielleicht gerade deswegen – lauschen die Schüler gespannt, lachen und singen, so laut sie können. Für Musik bedarf es anscheinend keiner großen Worte: Sobald Howell beginnt, ein Lied zu singen oder einen Rhythmus zu klatschen, müssen die Schüler nicht lange aufgefordert werden, sondern steigen direkt mit ein.

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  • „Danke Richard, das war toll“: Zum Abschied wird abgeklatscht.
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  • er Meister und Schüler aus der dritten Klasse im Duett: Richard Howell übt mit Konstantin.

Ein Lied, das Howell immer wieder mit den Kindern singt, ist recht einfach: „I love music, music makes me feel good“ (zu Deutsch: Ich liebe Musik, mit Musik fühle ich mich gut). Das ist auch die Botschaft, die er den Kindern vermitteln will. „Nicht viele Kinder haben die Möglichkeit, einen musikalischen Workshop mit jemandem aus einem anderen Land zu machen. Vor allem Jazz ist hier in Deutschland für viele Kinder ein Fremdwort, deshalb versuche ich, diese Art Musik an die Kinder zu bringen“, so Howell.

Die Hauptelemente seiner Workshops sind im Vorfeld geplant, doch vieles passiert auch spontan. „Das macht den Anreiz aus, es ist jedes Mal wieder eine neue Herausforderung. Am schönsten ist es für mich, wenn ich die Kinder lachen sehe - das ist meine Hauptmotivation“, erzählt der Musiker. Dass der amerikanische Saxofonist Eindruck bei den Kindern hinterlassen hat, steht außer Frage. Als Howell die Möglichkeit zu fragen anbot, lautete die erste: „Kann ich ein Autogramm haben?“ Später standen die Kinder bei ihm Schlange.

Heute, Samstag, gibt Richard Howell ab 20 Uhr ein Konzert im Lauenauer Kesselhaus. Karten kosten an der Abendkasse zehn Euro.




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