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Minuten, die Leben retten können

Schülerreporterin nimmt am Kurs für Erste Hilfe teil

PORTA WESTFALICA. Bei einem Unfall mit Verletzten heißt es: schnell handeln. Doch die wenigsten Menschen leisten in Deutschland Erste Hilfe.

veröffentlicht am 01.06.2019 um 00:00 Uhr

Die wenigsten Menschen leisten in Deutschland Erste Hilfe. Symbolfoto: dpa

Autor:

LUISA MAHN
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PORTA WESTFALICA. Obwohl es jährlich ungefähr 50 000 Menschen in Deutschland gibt, die einen Herz-Kreislauf-Stillstand erleiden, werden nur rund 40 Prozent mit erster Hilfeleistung versorgt, so die Fachgesellschaft Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI). Im Jahr 2012 waren es sogar nur 19 Prozent der deutschen Bürger, die Erste-Hilfe-Maßnahmen ergriffen, und 2014 rund 31 Prozent.

Doch: Dazu ist man verpflichtet, sagt Paragraf 323 c des Strafgesetzbuches. Das Unterlassen von Hilfeleistung kann mit einer Geldstrafe, drei Punkten im Zentralregister Flensburg oder mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr bestraft werden. Nur in dem Fall, dass man sich selber in Gefahr bringt, ist es nicht verpflichtend, Erste Hilfe zu leisten, sowie bei der Anwesenheit von Kindern oder Babys. In diesem Fall hat die Aufsichtspflicht Vorrang.

Doch auch wenn man bereits ist, Erste Hilfe zu leisten: Weiß man dann überhaupt, wie? Jeder achte Deutsche hat laut DGAI keinen Erste-Hilfe-Kurs absolviert, oder aber dieser liegt weit zurück. Oft wird solch ein Kurs für den Führerschein absolviert und danach nicht wiederholt.

Hilfsorganisationen, Vereine, Unternehmen und Schulen aber steuern gegen die niedrigen Prozentzahlen der Helfer an. Am Städtischen Gymnasium Porta Westfalica fand jetzt ein zweitägiger Erste-Hilfe-Kurs statt, an dem die Schülerinnen und Schüler der neunten und zehnten Klasse freiwillig teilnehmen konnten. Organisiert wurde er vom Duisburger Unternehmen Kurszeit. Für einige Schüler war das auch eine gute Gelegenheit, den Kurs für ihre kommende Führerscheinprüfung zu absolvieren. Doch bei allen Teilnehmern stand im Vordergrund, sicher an einem Unfallort helfen zu können.

„Ich finde es einfach wichtig, zu wissen, was man tun muss, wenn es zu einem Ernstfall kommt“, so Schülerin Josefine Kästner. „Es geht um das Leben eines Menschen, das möchte man retten und vor allem nichts falsch machen“, bestätigte auch Schülerin Lusia Ull Galaz.

Im Ernstfall heißt es: Unfallstelle absichern, den Notruf absetzen und Erste Hilfe leisten. Doch meist kommt es bei diesem Ablauf zu Schwierigkeiten und Folgeunfällen. „Viele vergessen das Absichern der Unfallstelle“, so Torsten Hedrich, Lehrkraft der Ersten Hilfe und Brandschutzbeauftragter des Unternehmen Kurszeit. Bei dem Kurs am Porta Gymnasium verwies er auf wichtige Details, die bei einem Unfall oft vergessen werden. „112. Das ist die Nummer, die immer gewählt werden muss“, so Hedrich, „aber man sollte darauf achten, was man dem Rettungsdienst sagt. Ist die Person bei Bewusstsein oder nicht? Wenn die Person kurzzeitig bei Bewusstsein ist und dem Rettungsdienst diese Information gesagt wird, die Person aber vor Eintreffen des Rettungsdienstes bewusstlos wird, hat man nichts gewonnen.“

Daraus lernten die Schüler, dass es besonders wichtig ist, dem Rettungsdienst schnell und möglichst ausführlich die Art des Unfalles zu schildern. „Man merkt, dass die Schülerinnen und Schüler motiviert sind und den Menschen helfen wollen“, so Hedrich. Da der Hirntod bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand nach drei bis fünf Minuten einsetzt, sind es diese Minuten, die entscheidend sind, bis der Rettungsdienst eintrifft. Die Schüler gingen mit neu gewonnenem Wissen und neuer Sicherheit aus dem Kurs und wissen künftig, was im Ernstfall zu tun ist.




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