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Tauben sind ganz normale Vögel

Selbstversuch: Wie man sich an der Vogelzählung beteiligt

RINTELN. Es ist so still im Hinterhof-Garten. Regentropfen glitzern am Schmetterlingsbaum. Eine einzige Amsel arbeitet sich am Wein an der Hauswand empor und nascht an vertrockneten Trauben. Ich sitze seit 20 Minuten am Fenster, vor mir liegt der Bogen zur Zählung der Wintervögel.

veröffentlicht am 04.01.2019 um 15:34 Uhr
aktualisiert am 04.01.2019 um 18:00 Uhr

Keine Frage: Tauben sind ganz normale Vögel und dürfen bei der Erhebung des NABU selbstverständlich mitgezählt werden. Foto: pr
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Cornelia Kurth Reporterin zur Autorenseite
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RINTELN. Erstmals mache auch ich mit bei der größten „Citizen-Science“-Aktion Deutschlands, wo sich Laien sich an einem naturwissenschaftlichen Projekt des Naturschutzbundes NABU beteiligen und dazu beitragen, die Entwicklung der Vogelpopulationen zu erfassen. Und was habe ich bisher? Diese eine Amsel.

Ah, da rauscht ein ganzer Schwarm Tauben heran. Die Tiere lassen sich kurz auf dem gegenüberliegenden Hausdach nieder, als wollten sie mir das Zählen erleichtern. Fünf, sieben, zehn, fünfzehn Tauben! Aber gelten die überhaupt als „Wintervögel“? Ein Freund von mir sagte, Tauben seien keine Vögel, sondern „Stadtschmarotzer“. Vielleicht gehören sie ja auch zu einem Taubenschlag. Soll ich sie mitzählen? Ich bin ratlos.

Eine Stunde lang soll man Vögel zählen und dabei aufpassen, dass man nicht immer wieder dieselben Exemplare erwischt. Die Aufgabe: Entweder direkt online oder auf einem ausgedruckten Bogen die höchste Vogelanzahl einer Art eintragen, die man gleichzeitig beobachten konnte.

40 Minuten sind vergangen, und ich habe immer noch nur die eine Amsel registriert und die zweifelhafte Taubenschar. Ob sich mit diesen Daten überhaupt etwas anfangen lässt? Zum Glück kann ich Dr. Nick Büscher erreichen, den Vorsitzenden des NABU Rinteln. „Es regnet und ist etwas windig“, sagt er. „Da verstecken sich viele Vögel im Gebüsch.“ Trotzdem solle ich meine Erhebungsdaten in jedem Fall weiterleiten. Bei der Auswertung beziehe man auch die jeweiligen Wetterverhältnisse vor Ort ein. „Hauptsache, es beteiligen sich möglichst viele Menschen an der Zählung“, sagt er. „Die Masse der einzelnen Zählungen führt dann zu aussagekräftigen Statistiken.“

Was die Tauben betrifft: Natürlich soll ich sie in den Erhebungsbogen aufnehmen. „Tauben sind ganz normale Vögel“, so Büscher. Wenn sie, wie bei mir im Hinterhof-Garten mitten in der Innenstadt, so zahlreich auftauchen, weise das darauf hin, dass es keine Raubvögel in der Nähe gibt. „Hätte sich ein Turmfalke auf der Nikolaikirche angesiedelt, wäre die Taubenpopulation rasch dezimiert.“ Er ist sich außerdem sicher, dass meine zahlreichen Tauben nicht aus einem Taubenschlag stammen. „Sie sind Kulturfolger und haben in der Stadt kaum natürliche Feinde.“

Der Erhebungsbogen verzeichnet Abbildungen der fünfzehn häufigsten Vogelarten. An erster Stelle steht die Amsel, bei der ich nun einen Strich mache. Blaumeise, Buchfink oder gar Elster oder Buntspecht, sie alle gehen leer aus bei mir. Bestenfalls dürfte ich noch die sechs bis acht Hausspatzen eintragen, die normalerweise im Hinterhof herumlärmen.

„Viele Leute kennen die Vögel in ihren Gärten so gut, dass sie allen Namen geben könnten“, sagt Büscher. „Selbst wenn sie diese dann nicht im Zählzeitraum sehen, sollen sie die ruhig eintragen.“

Eigentlich habe ich ja einen weiteren Vogel ständig in meinem Blick, einen Raben, der seit Neuestem ruhig auf der Umrandung des nachbarlichen Balkons hockt. Immer wieder denke ich im ersten Moment: „O, ein Rabe!“ Doch der gilt nicht: Er ist aus Plastik.

Noch bis Sonntag, 6. Januar, kann man sich an der Zählung der Wintervögel beteiligen. Auf der Internetseite des NABU findet man Informationen und den Erhebungsbogen. Die beste Zähl-Zeit ist der frühe Vormittag, heißt es dort. Besonders viel Spaß habe man, wenn man zu zweit oder gleich mit der ganzen Familie zähle. Ein Fernglas kann bei der Bestimmung der Vogelarten gute Dienste leisten. Wer sich nicht online beteiligen will, kann seine Daten heute und morgen von 10 bis 18 Uhr telefonisch durchgeben, unter der kostenlosen Rufnummer 0800-115 7 115.




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