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Damit die Rente später mal reicht

Serie zur Altersarmut: Wer denkt schon an seine Altersvorsorge?

RINTELN. Wie blicken Menschen auf ihr Rentenalter, wenn sie jetzt schon wissen, dass die Rente kaum zum Leben ausreichen wird? Das fragten wir einige Rintelner Bürger.

veröffentlicht am 26.02.2019 um 14:49 Uhr
aktualisiert am 26.02.2019 um 18:50 Uhr

Viele sind bei der Rente vom Partner abhängig. Symbolfoto: pixabay
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Cornelia Kurth Reporterin zur Autorenseite
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RINTELN. Wie blicken Menschen auf ihr Rentenalter, wenn sie jetzt schon wissen, dass die Rente kaum zum Leben reichen wird? Das hat diese Zeitung Rintelner Bürger gefragt. Allerdings: Viele wollten gar nicht darüber sprechen, und wenn doch, dann nicht mit Angabe von richtigem Namen oder Arbeitsstelle. „Was würde mein Arbeitgeber dazu sagen?“, so eine häufige Reaktion. Wir lassen hier vier der Befragten zu Wort kommen. Für alle gilt: Ohne Partnerschaft sähe es ganz schlecht aus.

Hannah Behrens (55) war 20 Jahre lang Fachverkäuferin und hat sich dann mit einem eigenen Geschäft selbstständig gemacht. „Das Erste, was ich damals getan habe, war, eine private Rentenversicherung abzuschließen“, sagt sie. Manche Leute würden von ihr denken: „Die hat’s ja!“, aber das sei nicht so. „Selbstständige zahlen doppelt so viele Sozialabgaben wie Angestellte und dann ja noch die Beiträge für Angestellte. Da bleibt nicht viel übrig.“

Manchmal frage sie sich: „Für was mache ich das eigentlich schon seit 20 Jahren?“ – und komme zum Schluss: „Ich mache es, um Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung zu bezahlen, und insgesamt dafür, eine halbwegs erträgliche Rente zu bekommen.“ Wäre da nicht ihr ebenfalls berufstätiger Mann, hätte sie keine Chance, so viel in die Rentenversicherung einzuzahlen und wäre im Alter vermutlich auf Grundsicherung angewiesen.

In ihrer Branche kenne sie sehr viele Rentner, die immer noch weiterarbeiten, weil es sonst nicht zum Leben reicht. Auch deshalb geht ein Teil ihres Einkommens in eine vorsorgliche Versicherung für ihr Kind.

Simone Bartels (39) ist Angestellte im Einzelhandel und gehört damit zu der großen Gruppe von Arbeitnehmern, deren Einkommen zu niedrig liegt, um angemessen fürs Alter vorsorgen zu können. „Mir hat damals ein Bankangestellter zu einer privaten Rentenversicherung geraten“, sagt sie. „Aber wenn ich nicht verheiratet wäre, könnte ich mir die Versicherungsbeiträge dafür gar nicht leisten.“

Als sie ihren Beruf wählte, habe sie nicht groß darüber nachgedacht, wie es mal mit der Rente aussehen würde. „Das war so unendlich weit weg“, sagt sie. Trotz der Zusatzversicherung wäre sie als alleinstehende Frau nicht besser dran als jemand, der Hartz-IV-Bezüge erhält. Deshalb verfolgt sie jetzt interessiert, wie sich das Thema „Respekt-Grundrente“ entwickeln wird. „Ich hätte sicher große Probleme damit, als Rentnerin zum Sozialamt gehen zu müssen.“

Marlies Gerke (56) war eine Zeit lang im Buchhandel tätig und arbeitet seit 25 Jahren als freie Übersetzerin. „Was meine zukünftige Rente betrifft, da wird mir immer ganz komisch zumute“, sagt sie. „Ich verdränge den Gedanken an die Mini-Rente, so wie ich den Gedanken verdränge, dass ich als Raucherin Lungenkrebs kriegen könnte.“

Sie liebe ihren Beruf und bereue es nicht, dass sie nach ihrem Studium nicht zum Beispiel Lehrerin geworden sei. „Aber ich hätte nicht gedacht, dass ich im Laufe der Jahre immer weniger verdienen würde. Es drängen sehr viele freie Übersetzer auf den Markt“, erklärt sie. Ihr Einkommen lag selten über 2500 Euro im Monat und sehr oft weit darunter.

Rentenversichert ist Marlies Gerke über die Künstlersozialkasse. Ihre Einzahlungen werden zu einer Rente von knapp 500 Euro führen. Was sie vielleicht davor bewahren wird, Grundsicherung beim Sozialamt beantragen zu müssen, ist der Umstand, dass sie kürzlich eine kleine Wohnung von ihrer verstorbenen Freundin geerbt hat.

Hartmut Meierhoff (52) weiß, dass er ohne das Einkommen seiner Frau nur über eine sehr kleine Rente verfügen würde. Er ist in ihrer Firma beschäftigt und bezieht ein durchschnittliches Angestelltengehalt. Er habe schon früh auf die Riester-Rente gesetzt, sagt er. „Ich wünschte allerdings, ich hätte das Geld stattdessen in einen Aktienfonds gesteckt. Das wäre die deutlich bessere Entscheidung gewesen.“

In der Firma arbeiten noch weitere Angestellte, alles Frauen, einige davon schon Rentnerinnen. „Die sind weiterhin berufstätig, um sich ab und zu mal einen kleinen Luxus leisten zu können.“ Es sei schon eine seltsame Vorstellung, dass er es allein nicht schaffen würde, einigermaßen beruhigt aufs Alter zu sehen. „Und eines ist klar, auch ich werde so lange arbeiten, bis ich nicht mehr kann.“




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