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Rückwärtsfahren zu gefährlich

Sieben Rintelner Straßen werden von Müllwagen nicht mehr angefahren

RINTELN/ENGERN. Wer in der wöchentlichen Routine die Mülltonnen und -säcke zur Abholung an den Straßenrand bringt, der muss zumeist nur wenige Meter von der eigenen Hausecke zurücklegen. Für die Anwohner der Sackgasse „Am Gänseanger“ in Engern ist dies seit letzter Woche anders. Sie müssen fortan einen bis zu hundertfünfzig Meter langen Fußmarsch machen, um die eigenen Abfallbehälter an einem Sammelplatz an der „Berliner Straße“ zur Entleerung bereitzustellen.

veröffentlicht am 10.02.2019 um 13:08 Uhr
aktualisiert am 10.02.2019 um 17:10 Uhr

In einigen Straßen – wie hier „Am Gänseanger“ – müssen Anwohner ihre Mülltonnen und -säcke künftig zu Sammelplätzen bringen. Foto: nk

Autor:

Niklas Könner
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RINTELN/ENGERN. Wer in der wöchentlichen Routine die Mülltonnen und -säcke zur Abholung an den Straßenrand bringt, der muss zumeist nur wenige Meter von der eigenen Hausecke zurücklegen. Für die Anwohner der Sackgasse Am Gänseanger in Engern ist dies seit vergangener Woche anders. Sie müssen fortan einen bis zu 150 Meter langen Fußmarsch machen, um die eigenen Abfallbehälter an einem Sammelplatz an der Berliner Straße zur Entleerung bereitzustellen.

Hintergrund ist die sogenannte Branchenregel „Abfallsammlung“, die bereits 2016 beschlossen wurde. Dieser zufolge sollen Rückwärtsfahrten von Müllfahrzeugen grundsätzlich vermieden werden. „Beim Rückwärtsfahren ist die Gefahr eines Unfalls, bei denen Personen verletzt werden können, sehr hoch“, sagt Jörg Groß, Geschäftsbereichsleiter für Logistik und Vertrieb bei der Abfallwirtschaftsgesellschaft Schaumburg (AWS).

Da die Branchenregel kein eigenes Recht setzt, sondern vielmehr den Unternehmen Empfehlungen im Arbeitsschutz ausspricht, wird in einer Gefährdungsbeurteilung für jede einzelne Straße geprüft, ob Müllwagen dort weiterhin gefahrlos rückwärts einfahren können. Die Beurteilung der Straßen, die ausschließlich rückwärts befahren werden können, gliedere sich dabei in ein dreistufiges System, erklärt Groß: „Straßen der Stufe eins fahren wir weiterhin an, allerdings nur mithilfe eines Einweisers. Stufe zwei bedeutet ein erhöhtes Gefährdungspotenzial, und bei Stufe drei ist die Gefahr einfach zu groß.“ Letzteres sei vor allem dann der Fall, wenn sich beispielsweise Spielplätze, Altenheime oder Schulen in der jeweiligen Straße befinden würden.

Genau solch eine Situation liegt auch Am Gänseanger vor. Die dortige Kindertagesstätte „Zum Gänseblümchen“ stellt eine zu große Risikoquelle dar. Und die Straße im Gänsedorf ist dabei keineswegs ein Einzelfall. So seien diesbezüglich in den vergangenen zweieinhalb Jahren rund 500 Straßen kreisweit von einer Kommission aus Mitarbeitern des Landkreises, der Abfallwirtschaftsgesellschaft Schaumburg (AWS) und der jeweiligen Stadt überprüft worden, teilt Anja Gewald, Pressesprecherin der Kreisverwaltung, auf Anfrage mit.

Das Ergebnis: Insgesamt sieben Straßen, einschließlich der Sackgasse Am Gänseanger, sind im Stadtgebiet Rinteln vom Rückwärtsfahrverbot der Müllfahrzeuge betroffen. Welche weiteren sechs Straßen dies genau seien, wolle man öffentlich zunächst nicht bekannt geben, sagt Gewald. „Die betroffenen Anwohner werden von uns in den nächsten Wochen schriftlich informiert.“

Dass die schon 2016 beschlossene Branchenregel erst jetzt allmählich in Kraft tritt, hänge auch mit dem Umfang der Überprüfungsarbeit zusammen, erklärt Gewald. „Dieser Prozess dauert nun mal einige Zeit, ist jetzt aber zu 90 Prozent abgeschlossen.“ Immerhin sei der Landkreis als öffentlich-rechtlicher Entsorgungsträger auch dafür verantwortlich, „dass die Müllentsorgung weiterhin ohne eine Benachteiligung der Anwohner gewährleistet werden kann“, fügt Gewald an.

In den meisten Fällen besteht die Lösung dann aus einem besagten Sammelplatz an der nächsten öffentlichen Straße. „Manchmal werden aber auch bauliche oder verkehrstechnische Maßnahmen, wie der Bau von Wendeplätzen oder das Aufstellen von Halteverbotsschildern, getroffen“, skizziert AWS-Geschäftsbereichsleiter Groß.

Für Anwohner, die aus Krankheits- oder Altersgründen die Abfallbehälter den weiteren Weg nicht mehr alleine transportieren können, stehe bei Bedarf auch ein Abholservice zur Verfügung, erklärt Gewald: „Gegen einen Aufpreis pro Behälter fahren Mitarbeiter der AWS die Tonnen zum Sammelplatz und bringen diese nach der Leerung wieder zum Grundstück zurück.“

Den meisten Anwohnern der Straße Am Gänseanger bereitet die neue Abfallwegstrecke bislang jedoch keinerlei Probleme. Zwar sei es ihm „mit fast 90 Jahren lieber gewesen, wenn ich die Mülltonne weiterhin nur vor die Haustür hätte stellen müssen“, sagt etwa Wilhelm Ötting, aber ein paar Meter mehr seien in Ordnung, solange das Wetter mitspiele. Auch Gabriele Gauseweg sieht den neuen Müllsammelplatz lediglich als „kleine Umstellung“ an, die zugunsten der „allgemeinen Sicherheit gar nicht so schlecht ist“.




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