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Pegel Rinteln zeigt 87 Zentimeter / Fracht- und Passagierschifffahrt nicht mehr möglich

„So etwas hat hier noch niemand erlebt“

RINTELN. Die „Radial“ und die „Lavara“ liegen fest vertäut an der Kaimauer. Die Schiffsdiesel stehen still – seit Anfang September schon. Kies auf der Weser transportieren – nicht möglich. Es ist nicht genug Wasser da. Aktuell zeigt der Pegel in Rinteln 87 Zentimeter.

veröffentlicht am 16.10.2018 um 11:16 Uhr
aktualisiert am 16.10.2018 um 17:20 Uhr

Das Flussbett der Weser wird immer schmaler. Am Dienstag zeigte der Pegel bei Rinteln 87 Zentimeter. Foto: leo
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Leonhard Behmann Volontär zur Autorenseite
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Zu wenig für die großen Kiesschiffe, die einen Tiefgang von 90 Zentimetern haben. „Wir sind gezwungen, unsere Transporte auf die Straße zu verlegen“, erzählt Sascha Wagener, Geschäftsführer des Rintelner Unternehmens Ahe Schaumburger Weserkies.

Normalerweise schiebt allein das Schubschiff „Radial“ pro Frachtschute 650 Tonnen Kies vom Abbaugebiet bei Ahe zum Werk in Engern. Das sind mehr als 32 Lastwagen-Ladungen auf einmal. Welche Probleme das für das Unternehmen macht, will Wagener nicht verraten. Er versucht, es positiv zu sehen: „Unser Werk in Engern läuft weiterhin ohne Probleme“, sagt der Geschäftsführer.

Es bleibt trocken. Das Transportproblem auf der Wasserstraße wird daher bestehen bleiben. Laut Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Minden ist die gesamte Frachtschifffahrt auf der Oberweser von der Trockenheit betroffen – auch die Passagierschifffahrt. Nach Angaben der Flotte Weser können die Ausflugsschiffe auf der Weser bei Rinteln nicht mehr fahren. Das sei aber nicht so schlimm, da die Saison ohnehin vorbei sei.

Seit Monaten sorgt die Dürre für extremes Niedrigwasser an der Oberweser – und für immer leerer werdende Talsperren. Der fallende Weser-Pegel bereitet auch Gewässerkundlern Sorgen. Bereits am 21. August musste das WSA in Hannoversch Münden die Wasserabgabe aus der Edertalsperre drosseln, um ein Trockenfallen der oberen Eder zu verhindern. Zu dieser Zeit lag der Füllstand der Talsperre noch bei 40 Millionen Kubikmetern. Seitdem fließen statt zuvor 28 Kubikmeter pro Sekunde nur noch sechs Kubikmeter pro Sekunde Wasser aus der Edertalsperre – das ist die Mindestabgabe. Der Füllstand ist derweil weiter dramatisch zurückgegangen. „Derzeit liegt er bei 20,7 Millionen Kubikmetern Wasser“, erklärt Monika Tiegel, beim WSA Minden zuständig für Gewässerkunde und Wasserbewirtschaftung. Ab dem Wochenende könnte es ihrer Meinung nach kritisch werden. Aktuellen Berechnungen des WSA zufolge ist die Talsperre dann nur noch mit 20 Millionen Kubikmetern Wasser gefüllt. Dann laufen nur noch etwa 1000 Liter pro Sekunde aus der Talsperre. „Das ist sehr wenig“, sagt Tiegel. Der Pegel der Weser werde in der nächsten Woche erneut fallen. Wie stark, kann Tiegel nicht sagen. Auch ist unklar, welche Auswirkungen das im Detail hat. „So etwas hat in der Bundesbehörde noch niemand erlebt. Keiner kann daher sicher sagen, was passieren wird“, sagt die Gewässerkundlerin.

Der derzeitige Pegel in Rinteln ist der niedrigste seit mehr als 15 Jahren. Das zeigen Aufzeichnungen des WSA Minden. Der Rekordtiefstand in Rinteln wurde am 11. Oktober 1959 verzeichnet: 65 Zentimeter. Tiegel schließt nicht aus, dass dieser Negativ-Wert noch in diesem Jahr geknackt werden könnte. „Es ist eine spannende Zeit“, meint Tiegel.

Ungewiss ist auch, ob sich das Niedrigwasser der Oberweser auf den Pegel des Mittellandkanals auswirken wird, denn: In Minden wird die Weser aufgestaut. Auf diese Weise wird die Schifffahrt auf der Mittelweser gewährleistet. Hinter dem Stauwerk fördern Hochleistungspumpen Weserwasser in den Mittellandkanal. „Wir wissen nicht, was passiert, wenn nur noch 1000 Liter pro Sekunde aus der Edertalsperre fließen. Ein mögliches Szenario: Die Pumpen holen so viel Wasser aus der Weser, das dadurch der Pegel auf der Mittelweser sinkt“, sagt Tiegel.




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