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Dritter Verhandlungstag im Benzin-Prozess

Sohn wirft Vater Mordversuch vor

RINTELN. Der Prozess zum Fall des 49-Jährigen, der im Juni dieses Jahres sich und seine Ex-Lebensgefährtin mit Benzin übergossen hat, wird weiter vor dem Schöffengericht in Rinteln verhandelt. Unter anderem sagte der Sohn des Angeklagten aus, und es wurde aus psychologischen Gutachten zitiert.

veröffentlicht am 05.12.2018 um 18:35 Uhr
aktualisiert am 05.12.2018 um 19:30 Uhr

Der Prozess zum Fall des 49-Jährigen, der im Juni dieses Jahres sich und seine Ex-Lebensgefährtin mit Benzin übergossen hat, wird weiter vor dem Schöffengericht in Rinteln verhandelt. Symbolbild: dpa
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RINTELN. Der Prozess zum Fall des 49-Jährigen, der im Juni dieses Jahres sich und seine Ex-Lebensgefährtin mit Benzin übergossen hat (wir berichteten), wird weiter vor dem Schöffengericht in Rinteln verhandelt. Zum Ende des zweiten Verhandlungstages hatte der Anwalt der Nebenklägerin, Stefan Abrahams, beantragt, ein Küchenmesser, das im Flur der 46-jährigen Schaumburgerin lag, auf DNA-Spuren zu untersuchen. Er mutmaßte, dass das der Angeklagte mitgebracht hatte und zog daher einen Mordversuch oder Totschlag in Betracht, mit Verweisung des Prozesses an das Schwurgericht in Bückeburg.

Richter Ulf Kranitz stellte zum Beginn des dritten Verhandlungstages fest, dass die Untersuchung des Messers nicht notwendig sei und daher auch weiter am Schöffengericht verhandelt werde.

Als erster Zeuge wurde der Sohn des seit inzwischen drei Jahren getrennten Paares befragt. Die Stimmung im Gerichtssaal war angespannt, die Sicherheitsvorkehrungen noch einmal verstärkt worden.

„Der wollte meine Mutter umbringen und er wird es wieder versuchen“, stellte der 24-Jährige fest und wiederholte diesen Satz im Laufe der Befragung. Den Tathergang schilderte er ähnlich wie seine Mutter. Im Wohnzimmer sei ihm seine Mutter entgegen gekommen, sein Vater hinterher, aber dieser sei dann vor ihm stehen geblieben. Er habe am Oberkörper gebrannt – „da waren Funken, aber nicht viel“ und mit seinem T-Shirt diese „Funken“ gelöscht. Er habe seinen Vater einmal geschlagen. Als die Polizei eintraf, hätte man den Angeklagten abgeführt.

Vom Richter zum Verhältnis zu seinem Vater befragt, sagte der 24-Jährige: „Der ist nie ein Vater für mich gewesen. Der ist mein Erzeuger.“

Als nächstes wurden die Polizeibeamten, die am Tattag im Einsatz waren befragt. Eine Polizistin schilderte, dass sie die Tat als Mordversuch angelegt habe, weil sie den Eindruck hatte, dass der Angeklagte seine Ex-Lebensgefährtin umbringen wollte. „Das Feuer war gelegt und damit der Weg abgeschnitten und ich weiß, dass die Frau immer Angst hatte“, begründete sie ihren Eindruck.

Festgestellt worden ist am Tatmorgen, dass der Angeklagte alkoholisiert war. Die Blutprobe ergaben 1,56 Promille.

Gleich zwei psychologische Gutachter haben sich nach der Tat mit dem Angeklagten befasst. Sie stellten fest, dass der Angeklagte die Tat nicht im Zustand der Schuldunfähigkeit oder verminderten Schuldfähigkeit begangen hat. Zur Sprache kam, dass der Angeklagte vor mehr als 30 Jahren schon einmal eine Brandstiftung im Zusammenhang mit einer gescheiterten Beziehung begangen hat.

Die Psychologen stellten beim Angeklagten aber keine psychotischen Störungen fest, keine Persönlichkeitsstörungen und auch auf einen geplanten Suizid würde nichts hinweisen. Sie stellten fest, dass der Angeklagte großen Wert auf seine Arbeit legt und darin seine Sinnerfüllung und seinen Selbstwert findet. Dass sein Sohn nicht arbeitet, durch Drogenkonsum abgerutscht sei und nur vor sich „hinvegetiere“, mache ihm zu schaffen.

„Mit der Beziehung zu seiner Ex-Lebensgefährtin hat er auch drei Jahre nach der Trennung noch längst nicht abgeschlossen“, stellte der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Johannes Pallenberg, fest.

Die Beweisaufnahme in dem Prozess ist abgeschlossen. Am 19. Dezember ab 9 Uhr geht es mit den Plädoyers weiter und am Folgetag will Richter Kranitz das Urteil sprechen. red




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