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Jeder Mieter ist auch Mitglied

„Sozial“ wohnen: Siedlungsgenossenschaft verwaltet 106 Wohnungen

RINTELN. Die Rintelner Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft eG (RWS) unter dem Dach der Stadtwerke findet man an der Informations-Stele am Eingang des Stadtwerkehauses am Bahnhofsweg 6 an unterster Position. Vielen Rintelnern, vor allem Neubürgern, dürfte die Genossenschaft kein Begriff sein. Höchste Zeit, das zu ändern.

veröffentlicht am 07.06.2019 um 00:00 Uhr

RWS-Geschäftsstellenleiterin Kerstin Kraschewski mit dem ehrenamtlichen Vorstand, bestehend aus (von links) Erich Requardt, Horst Söffker und Rolf Wallenstein. Foto: wm
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Hans Weimann Reporter
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RINTELN. Die Rintelner Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft eG (RWS) unter dem Dach der Stadtwerke findet man an der Informations-Stele am Eingang des Stadtwerkehauses am Bahnhofsweg 6 an unterster Position. Vielen Rintelnern, vor allem Neubürgern dürfte die Genossenschaft kein Begriff sein. Höchste Zeit, das zu ändern. Denn die Genossenschaft bietet, was heute keineswegs mehr selbstverständlich ist und bundesweit diskutiert wird: Wohnraum in einer Stadt und das zu bezahlbaren Mieten.

Gebaut worden sind die meisten Häuser in der Nordstadt (beispielsweise an der Waldkaterallee) wie in der Südstadt (am Bruchwiesenweg) mit insgesamt 106 Wohnungen in den Jahren 1955 bis 1965, damals vor allem die Mehrfamilienhäuser. Das war die Zeit des großen Baubooms in der Weserstadt. Es gibt Mieter wie am Bruchwiesenweg, die inzwischen seit mehr als 30 Jahren in einer Wohnung der Genossenschaft wohnen.

Weil diese Wohnungen mit Zuschüssen von Land und Bund im Rahmen des sogenannten „sozialen Wohnungsbaus“ errichtet worden sind, brauchte man damals einen „Wohnberechtigungsschein“, um eine Wohnung zu bekommen. Die Wohnungen sind inzwischen aus der Sozialbindung herausgefallen, da die damals in Anspruch genommenen Kredite getilgt sind. Das bedeutet, die Wohnungen können frei vermietet werden.

Daraus resultierte im Rahmen der Änderung des Genossenschaftsgesetzes auch eine Änderung der Unternehmensform. 1952 als Gemeinnützige Genossenschaft gegründet, wurde das Rintelner Unternehmen im Mai 2010 in eine Genossenschaft eG umgewandelt. Das bedeutete gleichzeitig, dass ein Mieter Mitglied der Genossenschaft wird und mindestens einen Anteil in Höhe von 155 Euro zeichnet (maximal zehn Anteile sind möglich). Die Genossenschaft mit 140 Mitgliedern zahlt derzeit eine jährliche Dividende von vier Prozent auf die Anteilscheine.

„Sozial“ sind die Mieten geblieben und liegen je nach Ausstattung der Wohnung und Lage bei durchschnittlich 4,10 Euro pro Quadratmeter.

Wie Kerstin Kraschewski schilderte, die die Geschäftsstelle der RWS führt, werden im Jahr ein bis zwei Wohnungen frei und können neu vermietet werden.

Die Genossenschaft hat eine ausgesprochen „schlanke“ Verwaltung. Dem Aufsichtsrat als Kontrollorgan steht Jörg Bettin vor. Zum ehrenamtlichen Vorstand, der nur eine Aufwandsentschädigung erhält, gehören Rolf Wallenstein, Horst Söffker und Erich Requardt. Die Geschäftsstelle wird in Teilzeit geführt, auch das spart Kosten.

Nicht nur bei den Mieten, sondern auch mit ihrem Wirtschaftsmodell erfüllt die Genossenschaft eine politisch aktuelle Forderung, nämlich nicht (nur) neu zu bauen, sondern auch den „Bestand“ zu pflegen. „Rund 120 000 Euro werden im Jahr in Erhalt und Modernisierung der Wohnungen investiert“, schilderte Requardt.

So haben alle Wohnungen einen sogenannten „E-Check“, das heißt, die elektrischen Anlagen sind auf dem technisch neuen Stand. Viele haben neue Badezimmer auch barrierefrei bekommen.

Die meisten Wohnungen sind um die 60 Quadratmeter groß, eignen sich also vor allem für Singles oder zwei Personen mit maximal einem Kind. Daneben verwaltet die Genossenschaft noch Läden, Garagen und Einstellplätze.

Doch nicht alle langjährigen Bewohner wollen, dass sich auf ihre alten Tage in ihren vier Wänden noch etwas ändert, schilderte Requardt. So habe man beispielsweise einmal einer alten Dame angeboten, ihre Küche zu modernisieren. Eine Küche, in der es noch einen gekachelten Spülstein gegeben habe. Doch die Seniorin habe befunden, dass das nicht nötig sei, der Spülstein funktioniere einwandfrei. Und überhaupt, Handwerker brächten doch nur Unruhe und Dreck in ihre schöne Wohnung. Die Mieterin durfte ihren Spülstein behalten.

Die Genossenschaft findet man auch im Internet mit einer eigenen Homepage und weiteren Informationen wie einem Fragebogen für Wohnungsbewerber.




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