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Gaspreis noch unverändert

Stadtwerke haben 1000 digitale Zähler eingebaut

RINTELN. In den letzten Wochen haben Ableser der Stadtwerke bei Kunden den aktuellen Stand der Strom-, Gas- und Wasserzähler notiert. Ab dem 23. Januar teilte Geschäftsführer Jürgen Peterson auf Anfrage mit, würden die Abrechnungen an die Kunden verschickt.

veröffentlicht am 04.01.2019 um 15:39 Uhr

Reif fürs Museum: der schwarz lackierte Stromzähler. Links der neue digitale Zähler, der in Haushalte eingebaut wird. Foto: wm
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Hans Weimann Reporter
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RINTELN. Die Stadtwerke blieben trotz neuer Entwicklungen auf dem Energiemarkt bei ihrer Linie, über eine mögliche Erhöhung der Gaspreise erst nach Ende der Heizperiode, also im April zu entscheiden. Für Kunden mit „Fix-24-Verträgen“ beim Gas bleiben die Preise sogar bis Ende 2019 stabil.

Wie schwierig Prognosen über Preisentwicklungen sind, zeigte sich beim Öl, an das der Gaspreis zwar nicht mehr gekoppelt ist, aber sich orientiert. Analysten hatten eine drastische Ölpreissteigerung zum Jahresende vorhergesagt. Passiert ist das Gegenteil. Was man an den Tanksäulen sehen konnte. Der Dieselpreis ging in den Keller. Das soll sich wieder ändern – auf und ab, wie in der Achterbahn.

Es ist die Energiewende, die bei uns Strom teuer macht (nach Angaben des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft stiegen die Umlagen, Abgaben und Steuern auf Strom seit 2006 um 110 Prozent). Zu Beginn dieses Jahres sind nicht die Umlagen, dafür die Beschaffungskosten Preistreiber, weil sich das Angebot an grundlastfähigem Strom verknappt hat.

Trotzdem hält Thomas Rinnebach, Vertriebsleiter und Prokurist bei den Stadtwerken die Empfehlung vieler Medien zum „Strom-Hopping“, also Strom- oder Gaslieferanten jährlich zu wechseln, um Geld zu sparen, für einen falschen Ratschlag. Denn diese Rechnung gehe selten auf. Schon der gesunde Menschenverstand müsste einem sagen, dass kein Unternehmen etwas zu verschenken hat.

Um zu einem realistischen Strompreis zu kommen, müsse man die einmaligen Boni und Sonderzahlungen der Billiganbieter heraus rechnen. Dann komme man zu dem Ergebnis, das viele Billig-Anbieter langfristig sogar teurer sind. Diese Unternehmen kalkulierten nämlich, dass ein „Bodensatz“ von etwa 70 Prozent der Kunden schlicht vergisst, nach einem Jahr zu kündigen und sich einen neuen Anbieter zu suchen. Recherchiert man im Internet, stellt man beispielsweise fest, dass ein bundesweit agierender Energieversorger zum Jahreswechsel beim Strom den Arbeitspreis um vier Cent, den Grundpreis von 12,47 Euro je Monat auf 40,22 Euro (!) erhöht hat. Die Kunden sind sinnigerweise kurz vor den Weihnachtsfeiertagen darüber informiert worden, in einer Zeit, in der kaum jemand das Kleingedruckte liest. Ein weiteres Problem: Etliche Stromanbieter haben den Preiskampf nicht überlebt und sich wieder aus dem Markt verabschiedet. Wenig erfreulich für Kunden, die Vorauszahlungen geleistet und langfristige Lieferverträge abgeschlossen haben, die damit geplatzt sind. Kunden, die jetzt Strom zu deutlich höheren Preisen beziehen müssen.

Und es gibt noch eine mögliche neue Entwicklung: Die lange als wenig effizient gescholtenen Nachtspeicheröfen könnten eine Renaissance erleben, weil sie als „Puffer“ und Speicher für Strom aus Solar- und Windkraftanlagen gebraucht werden.

Und die Digitalisierung auf dem Strommarkt geht weiter: Im Laufe des letzten Jahres haben die Stadtwerke rund 1000 neue digitale Stromzähler bei Kunden in Rinteln und im Auetal eingebaut, schilderte Thomas Sewald, technischer Leiter der Stadtwerke. Die schwarz lackierten Stromzähler (eigentlich ein Elektromotor mit definierter Bremse, der seit Jahrzehnten verlässlich und verschleißfrei den Stromverbrauch zählt) sind ein Fall für das Museum.

Die digitalen Geräte können allerdings nicht als „Smart Meter“ zentral bei den Stadtwerken ausgelesen werden. Ihnen fehlt das Kommunikationsmodul, das eine Datenübertragung ermöglicht. Ohnehin betrifft die Fernauslesbarkeit auf absehbare Zeit nur Großkunden, nicht den Normalverbraucher. Und auch für Großkunden wird eine Fernauslese noch dauern, denn zurzeit ist nur ein Kommunikationsmodul („Gateway“) als datensicher zugelassen. Im Ausland hat es bereits Proteste gegen diese „intelligenten“ Stromzähler gegeben. Mal sammelten sie private Daten vom Benutzer, mal standen sie im Verdacht, es Hackern leicht zu machen.

Auch im Haus der Stadtwerke selbst geht die Digitalisierung voran, Stichwort IT-Sicherheits-Managementsystem. Damit haben sich die Stadtwerke-Mitarbeiter Marcel Sprick und Jan-Philipp Giltmann im Rahmen eines Sonderprojekts befasst, Regelwerke erarbeitet und Mitarbeiter geschult.




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