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„Ich bin nicht zu jung dafür“

Tabea-Theresa Requardt-Kastning (21) will Bestatterin werden

RINTELN. Tabea-Theresa Requardt-Kastning ist angehende Bestatterin. Gerade 21 Jahre alt geworden, hat sie keinen Zweifel daran, dass das der perfekte Beruf für sie ist. „Ich bin nicht zu jung dafür“, sagt sie. „Ich weiß, wie es ist, wenn jemand stirbt, den man liebt.“

veröffentlicht am 19.08.2018 um 16:38 Uhr
aktualisiert am 29.08.2018 um 16:10 Uhr

„Mir ist nichts wichtiger als ein würdevoller Umgang mit den Toten“: Tabea-Theresa Requardt-Kastning, 21 Jahre alt, will Bestatterin werden. Das hat auch ganz persönliche Gründe. Foto: cok
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Cornelia Kurth Reporterin zur Autorenseite
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Ihre Ausbildung bei Marco Summa, der in der Seetorstraße das Bestattungsinstitut Böger führt, hat gerade erst begonnen. Trotzdem beschreibt sie ihre Arbeit, als habe sie bereits viel Erfahrung gesammelt. „Das Praktikum im letzten Jahr hat mich sehr beeindruckt“, meint sie. „Alte und junge Menschen wurden beerdigt und es gab sogar einen Kriminalfall.“ Dadurch sah sie, wie viele unterschiedliche Seiten ihr zukünftiger Beruf hat.

„Im Mittelpunkt stehen die Menschen, die trauern – es gibt so unterschiedliche Arten zu trauern“, sagt sie. „Aber man arbeitet auch im Büro, und man ist draußen, auf dem Friedhof. Ich bin da richtig aufgeblüht.“

Zuvor hatte sie, deren Eltern Landwirte sind, eine Ausbildung zur „Fachkraft Agrarservice“ begonnen. „Doch dann wurde mir klar, dass ich ja mein ganzes bisheriges Leben immer nur mit der Landwirtschaft zu tun hatte“, sagt sie. „Ich wollte unbedingt etwas ganz anderes kennenlernen.“ Dass es sie zu einem Bestattungsunternehmen hinzog, hat mit dem Tod ihres geliebten Großvaters zu tun, der starb, als sie elf Jahre alt war. „Ich habe sehr um ihn getrauert“, sagt sie. „Aber in unserer Familie gab es nicht viel Zeit für Trauer.“

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Sie erzählt, dass sie es war, die ihren toten Großvater unbedingt noch einmal hatte sehen wollen und alle anderen dazu überreden konnte, einen letzten gemeinsamen Abschied zu nehmen. „Ich hatte keine Angst davor, ihn als Toten zu sehen und zu berühren. Ich spürte: Es muss sein, um wirklich zu begreifen, dass er tot ist, und auch, dass der Tod zum Leben dazugehört.“

Die meisten ihrer Freunde sagen zu ihrer Berufswahl: „Hut ab! Das könnte ich nicht.“ Auch ihre Familie war nicht direkt begeistert, vielleicht, meint Tabea-Theresa Requardt-Kastning, weil die Nähe zu den Toten für viele Menschen etwas Unheimliches hat. Oder auch, weil manche Ältere sich noch erinnern, wie die Gestorbenen zu Hause von den Verwandten, und nicht von einem Bestattungsinstitut, für die Beerdigung vorbereitet wurden. „Doch mir ist nichts wichtiger als ein würdevoller Umgang mit den Toten. Ich will alles lernen, was dazu beiträgt.“

Und das wird sie auch, in den Blockseminaren des „Bundesausbildungszentrums der Bestatter“ in Münnerstadt. Dort gibt es seit 1994 einen „Lehrfriedhof“, wo jährlich etwa 200 Auszubildende während ihrer dreijährigen Lehrzeit zur „Bestattungsfachkraft“ in allen relevanten Bereichen unterrichtet werden. Man lernt, wie man ein Grab aushebt und dabei alle Vorschriften beachtet; wie man einen Toten wäscht, ankleidet und schminkt; wie man ihn aufbahrt und für die passende Dekoration sorgt, und natürlich auch alles über Beratungsgespräche mit den Angehörigen. Die „Trauerpsychologie“ ist ebenfalls Teil der Ausbildung.

Auf ihrem Arm trägt Tabea-Theresa Requardt-Kastning eine Tätowierung. Sie zeigt ihren Großvater als jüngeren Mann, und dazu den Trecker, den er ihr vermacht hat.

„Ich glaube, er würde verstehen, dass ich Bestatterin werden will“, sagt sie. „Ich glaube, er hätte sich darüber gefreut.“




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