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Mehr Geld und mehr Urlaub – Modell Großpflegestelle „Zwergnasen“ in Rinteln

Tagesmütter sind unverzichtbar

Rinteln/Landkreis. Tagesmütter sind im Betreuungsangebot unverzichtbar. So sieht es die Sozialpädagogin Antje Baumgarten von der Kinderbetreuungsagentur (Kiba) in Stadthagen – die Fachberatung für Kindertagespflege ist eine Einrichtung des Jugendamtes beim Landkreis Schaumburg. Daran ändere auch nichts, dass alle Kommunen inzwischen Krippengruppen in ihren Kitas eingerichtet, Betreuungszeiten flexibilisiert und ausgeweitet haben. Tagesmütter sind den Kitas gleichgestellt, betont Baumgarten.

veröffentlicht am 04.04.2016 um 18:39 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 14:22 Uhr

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Der Kreistag hat in seiner jüngsten Sitzung die Arbeit der Tagesmütter finanziell aufgewertet: Der Stundensatz ist von 3,50 auf 4 Euro erhöht worden, Tagesmütter bekommen zwei Tage bezahlten Urlaub mehr, damit statt 20 jetzt 22 Tage, und die sogenannte „Eingewöhnungszeit“ wird künftig ganz normal über den Stundensatz abgerechnet. Zur „Qualitätssicherung“ sollen sich Tagesmütter jährlich in zwölf Unterrichtsstunden weiterbilden. Organisiert wird das von der Volkshochschule.

Und es gibt in Niedersachsen noch ein besonderes Betreuungsmodell, das nicht in allen Bundesländern eingeführt worden ist: Die „Großpflegestelle“, hier arbeiten zwei Tagesmütter in meist angemieteten Räumen gemeinsam. Auch in Rinteln gibt es eine solche Großpflegestelle, die „Zwergnasen“ am Marktplatz 5, die 2009 im Rahmen eines bundesweiten Modellprojekts sogar eine Zeit lang wissenschaftlich begleitet worden ist.

„Zu zweit ist es einfacher als allein“, sagen Daniela Faust und Ludmilla Biller und: „Wir müssen und wollen keine Reklame mehr für uns machen, sonst werden unsere Wartelisten zu lang.“ Soll heißen, die „Zwergnasen“ kennt man in der Stadt. Deshalb findet man beispielsweise über die „Großpflegestelle“ auch bei Facebook keine aktuellen Einträge mehr.

Die beiden Tagesmütter betreuen zehn Kinder, normalerweise ab einem Jahr, in Notfällen auch jünger. Das Jüngste war zehn Monate alt. Je nach Absprache sind sie von 5.30 bis 20 Uhr da. Die Räume über der Eisdiele am Marktplatz sind gemietet, die „Miete muss also erst erwirtschaftet werden“; und hier hoffen die beiden auf mehr Unterstützung durch die Stadt. In anderen Einrichtungen übernehme die Kommune die Miete.

Im Landkreis Schaumburg arbeiten zurzeit 156 Tagesmütter, die rund 600 Kinder betreuen. Tagesmütter, betont auch Kreisrätin Katharina Augath, ergänzen die Kita, weil man mit ihnen in einem Notfall individuell die Betreuungszeit aushandeln kann. Bei Schichtdienst beispielsweise ganz früh oder ganz spät und das Kind kann auch schon mal bei einer Tagesmutter übernachten.

Tagespflegeangebote gibt es praktisch im ganzen Landkreis, in den Städten mehr, hier ist auch die Nachfrage größer, auf dem Land weniger. Einzige Ausnahme zurzeit: In Bad Eilsen gibt es keine Tagesmutter.

Wer Tagesmutter werden will, muss beim Landkreis Schaumburg eine Betreuungserlaubnis beantragen und eine Schulung über 160 Stunden machen. Und weil es um Kinder geht, schaut die Behörde genau hin, sieht sich auch die Wohnung der Tagesmutter an. Die muss, logisch, kindergerecht sein.

In Rinteln ist eine Tagesmutter zu einem Streitfall vor Gericht geworden: Seit sechs Jahren betreut die Tagesmutter Kleinkinder in der Nordstadt. Weil sich ein Seniorenpaar im Souterrain vom Lärm der spielenden Kinder im Garten vor ihrem Fenster belästigt fühlte, klagte die Seniorin gegen die Tagesmutter. Bei einem ersten Termin im Amtsgericht Rinteln empfahl Zivilrichter Joachim Lapeyre eine Mediation beim Landgericht in Bückeburg. Ein offensichtlich guter Ratschlag, denn vor dem Güterichter kam jetzt eine Einigung der Parteien zustande.

Ein ungewöhnlicher Fall, den man auch bei der Kinderbetreuungsagentur (Kiba) in Stadthagen beobachtet hat. Baumgarten sagt, einen solchen Fall habe sie in den letzten zehn Jahren nicht erlebt. Baumgarten sieht hier ohnehin einen besonderen Aspekt: Tagesmutter sei kein Gewerbe im eigentlichen Sinn, also nicht mit einem Nagelstudio oder einer Versicherungsagentur vergleichbar. Das ergebe sich schon daraus, dass man dafür keinen Gewerbeschein brauche und es rechtliche Besonderheiten gebe wie Zuzahlungen bei der Kranken-, Pflege- und Alterssicherung.

Adressen und Kontaktdaten privat arbeitender Tagesmütter und weitere Informationen finden Eltern, die eine Tagesmutter suchen, auf der Homepage des Landkreises Schaumburg oder der Kiba Stadthagen oder erhalten sie bei einem persönlichen Gespräch unter Telefon 05721/8908257 oder 8908244.

Ludmilla Biller (li.) und Daniela Faust sind die Tagesmütter der „Zwergnasen“ am Marktplatz in Rinteln.

Foto: tol




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