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Leiter von „Ernie’s Hausband“

Thomas Mehrens, der Jazz-Mann

RINTELN. Eine Ära ist zu Ende gegangen: Thomas Mehrens ist nach 35 Jahren als Lehrer am Gymnasium Ernestinum in Pension gegangen. Damit hat er auch die Leitung von „Ernie‘s Hausband“ abgegeben. Ein Gespräch über die Anfänge der Band, wie Mehrens nach Rinteln kam, und was jetzt folgt:

veröffentlicht am 09.08.2018 um 17:07 Uhr
aktualisiert am 09.08.2018 um 18:10 Uhr

Thomas Mehrens hat „Ernie’s Hausband“ gegründet und 20 Jahre lang geleitet. Jetzt hat er die Leitung der Schulband an seinen Nachfolger Jan Thieme abgegeben. Foto: tol
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Marieluise Denecke Redakteurin / Online zur Autorenseite

RINTELN. Eine Ära ist zu Ende gegangen – so bedeutungsvoll kann man das wohl formulieren. Thomas Mehrens ist nach 35 Jahren als Lehrer am Gymnasium Ernestinum in Pension gegangen und hat damit auch die Leitung der Schulband, besser bekannt als „Ernie‘s Hausband“, abgegeben.

„Es war Zeit, aufzuhören“, sagt Mehrens gegenüber unserer Zeitung. Der Steinberger ist 62. Den Plan, seinen Beruf an den Nagel zu hängen, hatte er schon im vorherigen Schuljahr gefasst. Neben seiner Arbeit als Lehrer leitete er die Band, war Vertrauenslehrer sowie Ansprechpartner für die Schülervertretung. Dass ein so engagierter Mensch ruhigere Tage haben möchte, kann man gut verstehen. Dennoch dürfte es ab dem neuen Schuljahr, das gestern begonnen hat, anders zugehen am Ernestinum. Mehrens war schließlich derjenige, der Ernie’s Hausband gründete.

Dabei war es Zufall, dass der gebürtige Bad Godesberger überhaupt nach Rinteln zog. Seine Eltern sind Oldenburger, er ging dort zur Schule und später zur Universität. Auch wenn seine Eltern nicht selber ein Instrument spielten, erzählt Mehrens, waren sie immer musikinteressiert. Es war also klar, dass der Junge ein Instrument lernen sollte. Mit acht Jahren war es das Akkordeon, gelernt bei der Tante von Schauspielerin Heidi Brühl. „Doch das Repertoire der Quetschkommode wurde in der Pubertät reichlich uncool“, so Mehrens. Daraufhin wechselte er zur Gitarre, die er sich selber beibrachte.

Von seinen Schülern erwartet er Zuverlässigkeit und die Identifikation mit der Band: Thomas Mehrens dirigiert hier Ernie’s Hausband beim großen Jubiläumskonzert am 9. Juni. Foto: tol
  • Von seinen Schülern erwartet er Zuverlässigkeit und die Identifikation mit der Band: Thomas Mehrens dirigiert hier Ernie’s Hausband beim großen Jubiläumskonzert am 9. Juni. Foto: tol
Schön war’s: Thomas Mehrens bekommt beim Abschiedskonzert auf dem Rintelner Marktplatz von seiner Band Abschiedsgeschenke. Foto: tol
  • Schön war’s: Thomas Mehrens bekommt beim Abschiedskonzert auf dem Rintelner Marktplatz von seiner Band Abschiedsgeschenke. Foto: tol

Zu seinem Herzensinstrument, der Trompete, kam er wieder per Zufall. Am letzten Tag eines vierwöchigen Schüleraustauschs in den USA überreichte ihm der musikbegeisterte Gastvater eine alte Trompete. Bis dahin konnte Mehrens nicht viel mit dem Blechblasinstrument anfangen, wusste aber, dass ihm der Klang gefiel. Der Religionslehrer an der heimischen Schule konnte immerhin ein bisschen Trompete spielen – und der Rest ist Geschichte. Trompete wurde Mehrens’ Hauptinstrument im Musikstudium.

Eigentlich wollte Mehrens in Oldenburg bleiben, doch keine Schule der Region überzeugte so recht. „Rinteln war der Ort, der am weitesten weg war“, sagt er. Er kam in die Weserstadt, stellte sich Schulleiter Wolfgang Foerstner vor, und der sagte: Mehrens sollte ans Ernestinum kommen. Noch bevor der Arbeitsvertrag unterzeichnet war, zog Mehrens nach Rinteln; seine Frau folgte eineinhalb Jahre später.

1983 war das. Zunächst gab es noch keine Schulband, sondern Jazz-Workshops und Musikerklassen, in denen jeder Schüler ein Instrument lernen sollte. „Hier wurde das Fundament gelegt“, erzählt Mehrens. Das Fundament für die „Schulband“, die sich schließlich 1998 gründete. Zwischendurch trug sie mal den Namen „Blue Note X“ – „Ich weiß selber nicht, wie das zustande kam“, so Mehrens schmunzelnd –, bevor bei einem Band-Grillabend zu Hause bei Mehrens irgendjemand auf den Namen „Ernie’s Hausband“ kam.

Mehrens‘ Stil war von Professionalität und von Offenheit geprägt. Er erwartete Zuverlässigkeit von seinen Schülern, und dass sie sich mit der Band identifizierten. Das Repertoire, das die Band spielte, wurde von den Schülern selber bestimmt. Jeder konnte Vorschläge einreichen, und bei der jährlichen Probenfahrt zur Burg Ludwigstein wurde arrangiert, komponiert, geprobt.

Ein Klassiker ist beispielsweise „Come Together“. „Das spielen wir bestimmt schon seit 20 Jahren“, sagt Mehrens lachend. So etwa beim großen Jubiläumskonzert mit der Bigband am 9. Juni auf dem Marktplatz. Zu diesem besonderen Anlass kamen auch etliche ehemalige Schüler. Zu vielen von ihnen unterhält Mehrens noch Kontakt.

Seine Nachfolge sieht er in sehr guten Händen: Lehrer Jan Thieme – eigentlich zuständig für Mathe und Sport – leitet ab jetzt Ernie’s Hausband. Auch Thieme kam zufällig ins Spiel, da er der Tutor des Schlagzeugers gewesen war – und dieser ihn kurzum für Mehrens‘ Nachfolge vorschlug. Seit Jahren spielt Thieme selber in einer Band. „Er wird natürlich einen eigenen Stil haben, um die Band zu leiten“, so Mehrens.

Nun also Ruhestand. Doch der sieht bei Thomas Mehrens geschäftig aus: Er engagiert sich in Steinbergen für den TSV, dessen Vorsitz er übernommen hat. Ständig erweitert wird außerdem seine Jazz-Plattensammlung. Über seine große Leidenschaft Jazz tauscht er sich weltweit mit Gleichgesinnten aus. Und die Musik? Die bleibt, erzählt Mehrens. Wenn auch nicht mehr so aktiv wie früher.




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