weather-image
23°

Vernehmung der Zeugen vor Schwurgericht

Toter in Steinbergen: 13-Jährige erlebt tödliches Drama mit

STEINBERGEN/BÜCKEBURG. Ihre Vernehmung hat noch nicht begonnen, da kämpft die junge Zeugin schon mit den Tränen. Im Fall des 22-jährigen Steinbergers, auf den ein 29-Jähriger während einer Party im Dezember 2018 geschossen hatte, wurden jetzt Zeugen vernommen. Was damals passierte, hat das Mädchen bis heute offenbar nicht verarbeitet:

veröffentlicht am 03.06.2019 um 16:42 Uhr
aktualisiert am 03.06.2019 um 17:50 Uhr

Vor dem Landgericht in Bückeburg ist am Montag der Prozess mit dem Vernehmen der Tatzeugen fortgesetzt worden. Foto: tol
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

STEINBERGEN/BÜCKEBURG. Ihre Vernehmung hat noch nicht begonnen, da kämpft die junge Zeugin schon mit den Tränen. „Dass jemand gestorben ist, ist eine schlimme Sache. Uns nimmt das auch mit, das kannst du mir glauben“, beruhigt Richter Norbert Kütemeyer die 13-Jährige, die ihre einstündige Aussage dann tapfer durchsteht.

Was vor mehr als fünf Monaten während einer Feier in einer Steinberger Wohnung an der Feldstraße passiert ist, hat das Mädchen offenbar bis heute nicht verarbeitet. Sie ist die Tochter des Wohnungsinhabers, war damals zu Besuch und im selben Raum, als der tödliche Schuss fiel, abgefeuert am 22. Dezember 2018 gegen 1 Uhr.

Im Prozess um den Tod eines 22-Jährigen aus Porta Westfalica hat das Bückeburger Schwurgericht gestern die Vernehmung der Tatzeugen fortgesetzt, darunter das Mädchen. Angeklagt ist ein Steinberger (29), der nach einem Streit mit dem späteren Opfer zu sich nach Hause gegangen sein soll, um die Waffe zu holen, einen Revolver vom Kaliber sechs Millimeter.

Nach dessen Rückkehr will das Mädchen den Mann gefragt haben: „Warum guckst du so komisch?“ Antwort: „Ich bin ein böser Junge.“ Die Schülerin und ihr Vater mussten lachen. „Ich habe das nicht ernst genommen“, erklärt sie. Nachdem er sich wieder hingesetzt hatte, soll der 29-Jährige erst in Ruhe sein Mixgetränk ausgetrunken haben, bevor einige Zeit später der Schuss fiel. Ihrer Mutter hatte das Mädchen berichtet, dass der Steinberger danach gesagt habe: „Das hast du jetzt davon, du Wichser.“

Nach einem Schuss in die Leistengegend war der Portaner vom Barhocker gefallen und innerlich verblutet. Er habe vor Schmerzen geschrien, so das Mädchen, der Steinberger einen leeren Blick gehabt. Der Streit, zum Teil in einer anderen Wohnung im selben Haus ausgetragen, könnte sich um Drogen gedreht haben.

Fest steht, dass der Schuss aus der durchgehenden Bauchtasche in der Trainingsjacke des 29-Jährigen gekommen ist. Nach einem gestern verlesenen Gutachten sind dort Schmauchspuren festgestellt worden. Verteidiger Volkmar Wissgott hatte für seinen Mandanten erklärt, dass sich beim Spielen mit dem Revolver versehentlich ein Schuss gelöst habe. Der Angeklagte will zudem angenommen haben, dass die Waffe nicht geladen, sondern leer geschossen gewesen sei. Oberstaatsanwalt Klaus Jochen Schmidt geht dagegen von Vorsatz aus und wirft dem 29-Jährigen Totschlag vor.

Nach der Tat sollen der Wohnungsinhaber und ein anderer Mann den mutmaßlichen Täter rausgeworfen haben. In die Richtung des anderen Mannes soll der Steinberger vor dem Haus geschossen haben, nachdem dieser ihm gefolgt war.

Die Waffe will der Steinberger an die Bahngleise geworfen haben. Bis heute fehlt von dem Revolver jede Spur. „Kein Mensch von uns hat gedacht, dass das ‘ne scharfe Waffe war“, erinnert sich der Wohnungsinhaber und Vater des Mädchens. Nach dem Schuss soll der Steinberger den Revolver im Halbkreis geschwenkt haben, um die übrigen Personen in Schach zu halten. ly




Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Kommentare