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Tödliche Schüsse im letzten Jahr: Gericht vernimmt die ersten Zeugen

Toter in Steinbergen: „Er fiel vom Barhocker wie ein Stein“

STEINBERGEN/BÜCKEBURG. Nach den ersten zwei Sätzen muss der Zeuge, ein 23-Jähriger aus Eisbergen, tief durchatmen. „Ich habe alles verdrängt, so gut ich kann“, sagt er. „Es ging mir ganz schön an die Psyche.“ Dem nächsten Zeugen geht es ähnlich. „Der Vorfall hat mich mitgenommen, weil das für mich unverständlich ist“, erklärt er.
Im Prozess um den Tod eines 22-Jährigen aus Porta Westfalica während einer Feier in Steinbergen hat das Bückeburger Schwurgericht am zweiten Verhandlungstag damit begonnen, die ersten von insgesamt 17 Zeugen zu vernehmen.

veröffentlicht am 23.05.2019 um 17:54 Uhr
aktualisiert am 23.05.2019 um 19:10 Uhr

Der Staatsanwalt an seinem Platz im Gericht. Archivfoto: tol

Gestern haben zunächst drei Männer ausgesagt, die mit im Raum waren, als am 22. Dezember 2018 gegen 1 Uhr der tödliche Schuss fiel.

Klaus Jochen Schmidt, Leitender Oberstaatsanwalt in Bückeburg, wirft dem angeklagten Steinberger (29) vor, nach einem Streit – möglicherweise um Drogen – auf den neben ihm sitzenden Mann gefeuert zu haben. „Er fiel vom Barhocker wie ein Stein“, erinnert sich der Zeuge aus Eisbergen.

Einem vorläufigen Gutachten zufolge kam der Schuss aus der durchgehenden Bauchtasche am Pullover des Steinbergers. Zuvor soll der 29-Jährige nach Hause gegangen sein, um die Waffe zu holen. Dabei soll es sich um einen Revolver vom Kaliber 6 Millimeter handeln, von dem weiter jede Spur fehlt. „Er hat sein Glas leer getrunken. Dann ist der Schuss gefallen“, so ein Zeuge, der selbst in dem Haus an der Feldstraße wohnt, über den mutmaßlichen Täter.

Das Opfer war innerlich verblutet. Nach dem tödlichen Schuss, der den Portaner offenbar in die Leistengegend getroffen hat, soll der Steinberger die übrigen Personen bedroht haben, indem er den Revolver im Halbkreis schwenkte. „Er hat die Waffe nach dem Schuss herausgezogen und ungläubig angeguckt – aber niemanden damit bedroht“, widersprach Verteidiger Dr. Volkmar Wissgott dieser Darstellung.

In einer Erklärung, von Wissgott zum Prozessauftakt verlesen, war die Rede davon, dass der Angeklagte mit der Waffe in seiner Bauchtasche gespielt habe. Dabei habe sich der Schuss gelöst. Er will angenommen haben, dass der Revolver leergeschossen gewesen sei. Dann wäre die Tat ein Versehen. Die Staatsanwaltschaft geht jedoch von Vorsatz aus und hat den Mann aus Steinbergen wegen Totschlags angeklagt.

Nach dem tödlichen Schuss soll der 29-Jährige dann vor dem Gebäude auf einen Rintelner (47) gefeuert haben, der vorher mit im Haus war. „Ich habe einen Blitz gesehen“, berichtete der Zeuge, der außerdem „einen Hassblick“ gesehen haben will: „So kannte ich ihn gar nicht.“ Der Angeklagte bestreitet das: „Ich habe vorm Haus nicht auf ihn gezielt“, sagte er.

Später folgten dem Steinberger mehrere Männer von der Party zu dessen Wohnung. „Er kam mit einem Schlagstock in der Hand raus“, erinnert sich ein Zeuge. Ein anderer Mann habe den 29-Jährigen entwaffnet. Dann kam die Polizei. ly




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