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Tödlicher Schuss trifft Schlagader

Toter in Steinbergen: Opfer binnen Minuten innerlich verblutet

STEINBERGEN/BÜCKEBURG. Der 22-jährige Portaner, der im Dezember während einer Feier in Steinbergen erschossen worden ist, hatte offenbar keine Überlebenschance. Die Kugel aus der Waffe eines neben ihm sitzenden Mannes war im Bereich der rechten Leiste eingedrungen und hatte die linke Beckenschlagader verletzt.

veröffentlicht am 05.06.2019 um 17:45 Uhr
aktualisiert am 05.06.2019 um 23:00 Uhr

Die schreckliche Tat geschah im Dachgeschoss der Steinberger Wohnung. Foto: tol
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STEINBERGEN/BÜCKEBURG. „Der Mann ist aufgrund des massiven Blutverlustes gestorben“, stellte ein Rechtsmediziner im Totschlagsprozess vor dem Bückeburger Schwurgericht fest. In solchen Fällen zählt jede Sekunde. „Wenn dieses Gefäß getroffen wird, muss es in einem Krankenhaus passieren und ein OP-Tisch danebenstehen“, drückte sich der Sachverständige sehr anschaulich aus. Der Patient müsse innerhalb von Minuten innerlich verblutet sein. Auf eine genaue Zahl legte sich der Gutachter nicht fest.

Der Angeklagte, ein 29-Jähriger aus Steinbergen, stellt die Tat, passiert im Obergeschoss eines Hauses an der Feldstraße, als Versehen dar. Beim Spielen mit dem Revolver in der durchgehenden Bauchtasche seiner Trainingsjacke soll sich ein Schuss gelöst haben. Außerdem will der Angeklagte davon ausgegangen sein, den Revolver zuvor beim Ausprobieren leer geschossen zu haben. Oberstaatsanwalt Klaus Jochen Schmidt geht dagegen von Vorsatz aus und wirft dem Steinberger Totschlag vor.

Vor dem tödlichen Schuss sollen sich beide Männer gestritten haben, möglicherweise um Drogen. Danach soll der Steinberger von zuhause die Waffe geholt haben. Zur Tatzeit hatte er fast drei Promille Alkohol im Blut, außerdem Spuren von Kokain und anderen Drogen. Vermutlich wird das Gericht ihn deshalb als vermindert schuldfähig einstufen, nicht jedoch als unzurechnungsfähig.

Der Notarzt war in jener Nacht zunächst nicht von einer Schusswunde ausgegangen, sondern von einer Überdosis Drogen. Von einem Schuss hatten die anderen Gäste der Feier den Einsatzkräften auch nichts gesagt. Ob sie es im Alkoholnebel mitbekommen haben, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Der Portaner hatte außerdem keine sichtbare Schussverletzung, sondern blutete nach innen. Die Verletzung in der Leiste, so groß wie eine Euro-Münze, wurde erst später entdeckt.

„Wenn wir gewusst hätten, dass es eine Schusswunde ist, hätten wir wahrscheinlich anders reagiert“, so eine Notfallsanitäterin, die das Gericht gestern als Zeugin vernommen hat. Auf Nachfrage von Verteidiger Dr. Volkmar Wissgott erklärte die Frau, dass der Verletzte dann wohl sofort in den Rettungswagen verbracht und ins Klinikum in Vehlen gefahren worden wäre. Nach dem Gutachten wäre es wohl trotzdem zu spät gewesen.

Bereits beim Eintreffen der Rettungskräfte war der Puls des Patienten kaum noch zu fühlen, bevor er kollabierte. Nachdem der Portaner 20 bis 30 Minuten lang wiederbelebt wurde, konnte nur noch sein Tod festgestellt werden. ly




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