weather-image
17°

Hunderte Kanuten bei Saisonabschluss auf der Weser / Ältester Paddler ist 82 Jahre alt

Trotz Hundewetter – die Eisfahrt ist Kult

Rinteln (who). Die Eisfahrt des Rintelner Kanu-Clubs (RKC) am Samstag vor dem zweiten Advent ist ein magischer Termin für Paddler: Egal, ob Frost oder Temperaturen im Plusbereich; egal, ob es stürmt und regnet, gefahren wird bei jedem Wetter. Deshalb gingen wie jedes Jahr Hunderte von Booten in Hameln auf die Weser zum 27 Kilometer langen Saisonende-Trip nach Rinteln zum Bootshaus des RKC.

veröffentlicht am 05.12.2011 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 08:41 Uhr

270_008_5039126_ri_eisfahrt0512.jpg

Gefühlte „899 Teilnehmer, so steht’s jedenfalls auf der ausgehängten Liste“, sagte Peter Specht, als sich gegen 13 Uhr das Gros der Kanuten an den beiden Anlegern der Endstation aus den Booten gehievt hatte. „Sch...wetter“ ist das Wort, das immer wieder der Begrüßung von Freunden und Bekannten vorausgeht. Aber allzu ernst gemeint scheint das angesichts der zumindest latent fröhlichen Gesichter nicht zu sein. Die Freude nach Regenfahrt bei Gegenwind überwiegt, echte Paddler sind sowas gewöhnt.

„Wenn Du ein vernünftiges Zuhause hättest, dann bräuchtest du dir das hier nicht anzutun“, hatte Klaus Heine in gemütlicher Runde mit Eisfahrt-Oldies aus seiner Heimatstadt am Abend vorher die außerordentliche Anziehungskraft des Massen-Erlebnisses auf die an sich eher individualistisch veranlagten Paddler zu deuten versucht. Der pensionierte Physikprofessor aus Wilhelmshaven ist mit 82 Jahren der älteste Eisfahrer und hat das Paddeln erst im Ruhestand zum Hobby gemacht. Er gesteht: Die rund 400 Kilometer lange An- und Abreise, „nur um 27 Kilometer auf der Weser zu fahren“, nimmt er vor allem deshalb gerne in Kauf, „weil man hier immer wieder Bekannte trifft“. Aus diesem Grund ist Klaus, wie ihn die Paddler-Familie nur nennt, bereits schon einen Tag früher eingetroffen. So wie diejenigen, die in Zelten und Wohnwagen rund ums Bootshaus nächtigten oder auf dem spartanischen, dafür aber geselligen Dachboden-Matratzenlager sowie in der Rintelner Jugendherberge oder Umland-Pensionen schliefen. Die Unterbringung vor Ort verbinden viele Gäste darüber hinaus mit einem abendlichen Adventszauber-Bummel, bevor sie sich zum Klönen im Bootshaus einfinden.

Das eigentliche Paddel-Erlebnis auf dem Wasser scheint für viele der Teilnehmer speziell bei der Eisfahrt eher nachgeordnet zu sein. Zu schön ist es, beim Wiedersehen die Erlebnisse der Saison miteinander auszutauschen oder sich beim Zwischenstopp an der Weserfähre in Großenwieden am Glühweinstand von Veronika Specht und dem RKC-Helferteam die klammen Finger am heißen Becher zu wärmen. Bevor es auf die letzten Kilometer zum Bootshaus geht. Da wo Ulrich Dörjes aus Porta Westfalica, genannt „Suppenkasper“, mit seiner deftigen Erbsensuppe aufwartet, die wie der Glühwein im Startgeld enthalten ist. Im Zwanzig-Minuten-Takt wurden die Paddler in Kleinbus-Shuttles zu ihren Boots-Trailern und Zugfahrzeugen zum Startplatz nach Hameln zurückgebracht. „Die Autos haben uns die Stadt Rinteln, die Sparkasse und der Kinderschutzbund zur Verfügung gestellt“, erklärte Peter Specht, der als Eisfahrt-Organisator auch den Fahrdienst koordinierte.

2 Bilder
Peter Specht (li.) übergibt nach 30 Jahren die Organisation der Eisfahrt an Markus Langer.

Alles ist viele Male erprobt und läuft wie am Schnürchen bei der 40. Eisfahrt. So soll es auch im nächsten Jahr sein, „nur die Spechte steigen jetzt aus“, bekräftigte der RKC-Vorsitzende der das Massen-Event seit der 10. Eisfahrt leitet und neben vielen anderen Helfern von seiner Ehefrau Veronika und Tochter Nicola unterstützt wird. Zugleich mit der Tour-Organisation, die sich künftig Markus Langer und Enrico Koym als Aktivisten des Vereins teilen, wird Peter Specht auch bei der kommenden Jahreshauptversammlung den Vereins-Vorsitz an einen Nachfolger übergeben. Den Ehrenbrief des Deutschen Kanu-Verbandes

hat Specht bereits am Samstag bekommen. Rolf Theiß vom DKV-Ausschuss für Freizeitsport überreichte die selten vergebene Auszeichnung

für außerordentliches Engagement für die Eisfahrer.

Durchgefroren kamen die Paddler am Rintelner Weserufer am Ziel an. 27 Kilometer legten die Kanuten vom Startpunkt Hameln aus auf dem Fluss zurück.




Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Kommentare