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„Wohnraumversorgungskonzept“

Um Wohnraum bedarfsgerecht zu entwickeln: SPD möchte Konzept

RINTELN. Wie wollen die Rintelner leben? Wie sollen sich Neubaugebiete oder Altbauten mitten in der Stadt entwickeln? Die SPD hat jetzt einen Antrag für ein sogenanntes Wohnraumversorgungskonzept gestellt. So soll Bedarf und Bestand an Wohnungen, leer stehenden Häusern und Baugrundstücken ermittelt werden.

veröffentlicht am 03.01.2019 um 17:00 Uhr
aktualisiert am 03.01.2019 um 18:00 Uhr

Wer nach Rinteln zieht, hat unterschiedliche Bedürfnisse: Nah zur Innenstadt, im Grünen oder möglichst barrierefrei wohnen zum Beispiel. Laut SPD soll die Stadt ein Konzept vorlegen, um Bestand und Bedarf von Wohnraum festzuhalten und weiterzuentwick
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Marieluise Denecke Redakteurin / Online zur Autorenseite
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RINTELN. Gibt es in der Weserstadt genügend Wohnraum für junge Familien? Für ältere Einwohner? Laut SPD soll dieses Thema im neuen Jahr stärker in den Mittelpunkt rücken – die Sozialdemokraten haben einen Antrag an die Verwaltung gestellt, dass für die Stadt Rinteln ein „Wohnraumversorgungskonzept“ erstellt werden soll.

Schließlich entwickle die Stadt seit Jahren „Gewerbe und Industrie“ weiter, damit Rinteln ein attraktiver Wirtschaftsstandort sein könne, heißt es in dem Antrag. Die Menschen, die dann zum Arbeiten in die Stadt zögen, bräuchten aber natürlich passenden Wohnraum. Um diesen zu entwickeln, brauche es laut SPD eine passende „Entscheidungsgrundlage“. Und genau diese soll dieses Konzept bilden.

Schließlich haben verschiedene Menschen unterschiedliche Bedürfnisse an ihren Wohnraum: Mieten oder kaufen? Bauen oder Bestand nutzen? Alt- oder Neubau? Innenstadtnah oder in einem Ortsteil? Durch den stärkeren Zuzug von jungen Familien und den demografischen Wandel – sprich: mehr ältere Mitbürger – wandelten sich außerdem die Ansprüche an den Wohnraum, so die Sozialdemokraten.

Das Konzept soll den Bedarf und den Bestand an Wohnungen, leerstehenden Häusern und Baugrundstücken für Rinteln ermitteln. Foto: jan
  • Das Konzept soll den Bedarf und den Bestand an Wohnungen, leerstehenden Häusern und Baugrundstücken für Rinteln ermitteln. Foto: jan

„Dies ist eines der Themen, das wir in diesem Jahr verstärkt angehen wollen“, sagt SPD-Fraktionsvorsitzende Astrid Teigeler-Tegtmeier im Gespräch mit dieser Zeitung. Wenn sich Rinteln als Wirtschaftsstandort weiterentwickeln wolle, gehöre ein Konzept zur Wohnraumentwicklung dazu, das Aspekte wie Ökologie, Demografie und Nachhaltigkeit berücksichtige. „Bausünden“, so Teigeler-Tegtmeier, oder seelenlose Baugebiete auf der grünen Wiese sollen dadurch vermieden werden. „Rinteln besteht schließlich nicht nur aus Altstadt“, so die Fraktionsvorsitzende. Man müsse das gesamte Stadtgebiet im Blick haben, und dafür brauche es eine Grundlage durch das Wohnraumversorgungskonzept. Dieses soll als eine Art Leitfaden eine Strategie für die Entwicklung von Siedlungs- und Wohnungsbau beinhalten. So können laut SPD „die neuen Herausforderungen des Wohnungsmarktes“ gemeistert werden – dass nämlich zum einen neue Bauflächen erschlossen werden müssen, zum anderen aber bereits vorhandene Flächen entwickelt und erhalten bleiben sollen, und zwar „mit Rücksichtnahme auf das Ortsbild“.

Die SPD sieht den aktuellen Antrag außerdem in engem Zusammenhang mit dem Thema barrierefreier, sozialer Wohnungsbau. Die Partei hatte im Herbst einen Antrag an die Verwaltung gestellt, wonach diese durch eine Befragung den Bedarf an bezahlbarem, barrierefreiem Wohnraum in der Bevölkerung ermitteln solle.

Als „gut gemeint“, aber zu theoretisch kritisiert der CDU-Fraktionsvorsitzende Veit Rauch auf Nachfrage die SPD-Idee. Der Antrag und erst recht ein solches Konzept würden grundsätzlich nicht zu einem höheren Anteil an sozialem Wohnraum in Rinteln führen. Ein Konzept werde „nicht funktionieren“. Stattdessen fordere die CDU beispielsweise schon lange ein Baulückenkataster, wie es das auch in Stadthagen gebe.

Statt ein Konzept zu erstellen, solle man „einfach machen“, so Rauch. Sein Beispiel: Der Kauf der Flächen westlich der Kurt-Schumacher-Straße, auf denen Wohnungen gebaut werden sollen (wir berichteten). Diesen Erfolg schreibt er seiner Partei zu, die SPD hingegen habe diesen Vorstoß „im ersten Durchlauf abgelehnt“.

Seiner Meinung nach müsse man nun über den Erwerb der Flächen östlich der Kurt-Schumacher-Straße sowie über das Gelände der ehemaligen Prince Rupert School selbst nachdenken. „Das ist natürlich ein dicker Brocken“, so Rauch. Wegen der günstigen Kredite sei die Zeit hierfür jedoch gekommen. Diese neuen, innenstadtnahen Baugrundstücke wären für die Stadt schließlich auf lange Sicht von Vorteil.

Information

Das Land Niedersachsen will den sozialen Mietwohnungsbau fördern und hat daher zweimal – in den Jahren 2016 und 2017 – die Förderbestimmungen für sozialen Wohnungsbau verändert. Auch ländlich geprägte Gebiete wie der Landkreis Schaumburg oder Hameln-Pyrmont können daher von Fördermitteln profitieren. Die Notwendigkeit der Förderung muss allerdings in einem kommunalen Wohnraumversorgungskonzept bestätigt werden.

Seit Jahresbeginn 2017 verfügt beispielsweise der Kreis Hameln-Pyrmont über ein solches Konzept. Das Ergebnis: Vor allem der Bedarf an kleinen, günstigen Wohnungen sei hoch, da die Zahl der Ein-Personen-Haushalte zunehme. Und: Fast die Hälfte der Menschen aus Ein-Personen-Haushalten sei über 65 Jahre alt. Das Konzept soll auch aufschlüsseln, wie sich der Bedarf bis 2030 entwickeln wird.

Im Frühjahr 2017 hatten auch SPD und Grüne im Hessisch Oldendorfer Stadtrat den Antrag gestellt, das Konzept für ihre Stadt zu verfeinern. Die Verwaltung solle für die Kernstadt sowie die Ortsteile Baulücken und Entwicklungsflächen für neue Wohnbauflächen ermitteln, Baulücken und die Notwendigkeit für Erhalt, Abriss oder Neubau von leer stehenden Häusern einschätzen.

Die Städte Hameln und Bad Nenndorf verfügen bereits über solche Konzepte. Diese beinhaltet zum Beispiel eine Prognose für die Entwicklung des Wohnungsmarktes bis 2035 und eine Analyse der Nachfrage von bezahlbarem Wohnraum. mld




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