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Radfahrer können Noten geben

Umfrage: Wie fahrradfreundlich ist Rinteln?

RINTELN. Wer in Rinteln mit dem Fahrrad unterwegs ist, kann der Stadt jetzt Noten geben: Noten für Fahrradfreundlichkeit. Das ist die Idee des „Fahrradklimatests“ vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club. Denn sieht man genau hin, merkt man, dass Rinteln in Sachen Fahrradfreundlichkeit einige Baustellen aufweist:

veröffentlicht am 14.09.2018 um 17:52 Uhr
aktualisiert am 14.09.2018 um 19:00 Uhr

Hier rumpelt es gewaltig, weil die Bohlen nicht mehr im besten Zustand sind: Holzbrücke in der Neelhofsiedlung. Foto: wm
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Hans Weimann Reporter
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RINTELN. Jeder, der in Rinteln mit dem Fahrrad unterwegs ist, ob im Berufsalltag oder in der Freizeit, ist aufgerufen, der Stadt Noten zu geben. Noten für Fahrradfreundlichkeit, Daumen rauf oder runter. Das ist die Idee des „Fahrradklimatests“, initiiert vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC).

Eine solche Umfrage hat es schon vor zwei Jahren gegeben, doch damals haben zu wenig Rintelner mitgemacht. Deshalb ist die Weserstadt nicht in die Rankingliste aufgenommen worden. Mindestens 50 Bürger sollten es nämlich sein.

Mitmachen kann man bei der Umfrage online auf der Homepage www.fahrradklima-test.de. Es geht dabei im Prinzip um die Frage, ob Fahrradfahren in Rinteln Spaß oder Stress macht. Mehr zu diesem Thema findet man auch auf Facebook und Twitter. Wer kein Internet hat, kann sich beim ADFC Schaumburg einen Fragebogen zuschicken lassen. Außerdem sollen Fragebögen öffentlich ausgelegt werden. Die Umfrage läuft bis zum 30. November.

So könnte es sein: Fahrradstraße in den Niederlanden. Von solchen für Radfahrer traumhafte Zuständen ist Deutschland weit entfernt. Foto: wm
  • So könnte es sein: Fahrradstraße in den Niederlanden. Von solchen für Radfahrer traumhafte Zuständen ist Deutschland weit entfernt. Foto: wm

Auch die Polizei unterstütze diese Aktion ausdrücklich, betonte Pressesprecher Axel Bergmann in Stadthagen.

Im Laufe eines Jahres landen Beschwerden, Anregungen, Verbesserungsvorschläge von Radfahrern wie Weserradwegtouristen auch in unserer Redaktion. Viele sind der Meinung, die Kombination von Rad- und Fußweg auf einem schmalen Streifen, wie man es an vielen Wegstrecken findet, könne nicht die Lösung sein. Als stressig wird Radfahren auf der Bahnhofsstraße eingestuft, auch weil oft Autos halb auf dem Radweg parken: „Da werden Türen aufgerissen ohne in den Rückspiegel zu schauen“, heißt es.

Das ist bundesweit ein Problem. Deshalb hatte der ADFC gemeinsam mit der Landesverkehrswacht – Präsident ist Heiner Bartling aus Steinbergen – Ende letzten Jahres die Initiative „Bitte freimachen“ gestartet.

Auch das Kopfsteinpflaster in der Bäckerstraße, das der Innenstadt den Charakter eines Freilichtmuseums verleihen soll und eigentlich nur Anwohner (zu laut) wie Autofahrer ärgert (es rumpelt) ist für Fahrradfahrer schlicht ein Graus.

Dann gibt es wirklich gefährliche Straßenabschnitte. Die Vorstandssprecherin und Tourenleiterin beim ADFC im Landkreis Schaumburg, Heike Borcheld, nennt hier die Kreuzung am Seetor. Der Verlauf des Radweges sei nicht optimal, die Unfallgefahr groß. Gleiches gelte für den Kreisverkehr an der Konrad-Adenauer-Straße. Neu aufgemalt werden müssten auf dem Exterweg die Markierungen. Autofahrer weichen hier bei Gegenverkehr oft auf den Radstreifen aus.

Borcheld hält es für falsch, die Poller an der Steinberger Kirche Richtung Engern zu entfernen. Das sei ein Schulweg und viel befahrener Radweg. Als ärgerlich stuft man beim ADFC auch ein, dass Radwege zuwachsen, selten oder gar nicht gereinigt werden.

Birte Bredemeier, Ortsratsmitglied in Schaumburg, mahnte jüngst den schon lange geplanten Radweg zwischen der Westendorfer Landwehr und Neelhofsiedlung an.

Radfahren in Rinteln ist von dem, was möglich wäre, also noch weit entfernt. Das gilt auch für den viel gelobten Weserradweg. In Urlaubsstimmung kann man hier über Mängel an Fahrbahn und Wegführung hinwegsehen. Doch hakt man bei Tourenradlern nach, kommt doch so manche Anmerkung. So halten viele die Holzbrücke an den Aher Kämpen an der Neelhofsiedlung mit klappernden Planken für schlicht unterirdisch, die Weiterführung auf dem Fußweg in Engern für kriminell. Und es gebe schlechte Wegstrecken: „Dann lieber ein paar Hinweisschilder weniger aufstellen.“

Im Etat der Stadt für das Jahr 2019 ist von Radwegen nicht die Rede. Aufgeführt sind 27 000 Euro für die Sanierung von Feldwegen, 470 000 Euro für die Instandsetzung von Straßen, Fußwegen und Gossen, 3000 Euro für Parkplätze. Dabei liege es nicht immer nur am Geld, was Kommunalpolitiker hindere, mehr für die Infrastruktur zu tun, merkt dazu die ADFC-Pressestelle an. Oft fehle schlicht der Mut, Autofahrern etwas wegzunehmen, um Platz für Radfahrer zu schaffen.




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