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Caveman im Wirkhof: „O, Essen zu! Problem!“

Urkomisch: Volker Meyer-Dabischs Sicht auf Frau & Mann

STRÜCKEN. Von manchen Comedy-Abenden, vor allem von denen, die sich durch Wortwitz auszeichnen, kann man dem Leser über Zitate auch im Nachhinein ganz gut einen kleinen Eindruck vermitteln. Den „Caveman“ von Rob Becker hingegen, der am Sonntag im „Wirkhof“ gegeben wurde, muss man eigentlich selbst gesehen haben!

veröffentlicht am 20.08.2018 um 16:32 Uhr
aktualisiert am 20.08.2018 um 17:10 Uhr

Herrlich, wie Meyer-Dabisch den tumben Neandertaler, wie ihn Frauen anscheinend bis heute im Mann sehen, gibt. „Ah, Essen! O, Essen zu! Problem!“ Draufhauen hilft schließlich. Foto: cm
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Autor

Claudia Masthoff Reporterin
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Das unterhaltsame, wirklich komische Stück über die großen Missverständnisse zwischen Männern und Frauen lebt vor allem von der Ausdrucksfähigkeit des Solodarstellers, in diesem Fall von Volker Meyer-Dabisch. Mühelos schlüpfte der Schauspieler abwechselnd in männliche und weibliche Rollen. Eindrucksvoll und kaum zu beschreiben zum Beispiel sein „Schnellsprech“, so ein lebhaftes unverständliches Plappern, bei dem nur einzelne Wörter eine Ahnung vom Sinn des Ganzen vermittelten. Beim Caveman steht diese Sprechweise dafür, wie Männer Gespräche unter Freundinnen wahrnehmen. Ganz große Klasse. „Frauen sind Sammlerinnen. Sie sammeln Informationen und tauschen diese wie Schätze aus“, so die These des Protagonisten. Da seien Enttäuschungen in der Mann-Frau-Beziehung quasi vorprogrammiert. Typische Situation nach einem Abend, den man zusammen mit einem anderen Paar verbracht hat: Frau breitet alle Informationsschätze, die sie von der Gastgeberin erhalten hat, vor Mann aus, guckt erwartungsvoll, will wissen, was er mit nach Hause gebracht hat, „Und worüber habt ihr geredet?“ Intensives Nachdenken. Mann will ja seiner Gefährtin durchaus zu Gefallen sein. Endlich: „Über nichts.“ „Über nichts? Ihr ward drei Stunden zusammen im Keller!“ Wieder angestrengtes Nachdenken. Dann erhellt sich die Miene. „Er hat mir seine Bohrmaschine gezeigt!“ Den mitfühlend lachenden Zuschauern, alle bestens vertraut mit Situationen dieser Art, muss nicht erklärt werden, dass „Caveman“ Meyer-Dabisch mit dieser Antwort bei einer Frau keinen Blumentopf gewinnen kann.

Was das Stück so besonders sympathisch macht, ist die Tatsache, dass Caveman vor allem sich selbst als Mann mit Neandertalerwurzeln auf humorvolle Weise hochnimmt. Da gibt es zum Beispiel diesen kühnen, gefährlichen Blick, Ausdruck des inneren männlichen Jägers, den Meyer-Dabisch wunderbar kultiviert hat. Herrlich absurd wird es, wenn dieser Blick beim Zappen durch die Fernsehprogramme („Programme erlegen!“) oder bei der Darstellung einer Fahrt auf der Autobahn aufgesetzt wird. Das geht dann folgendermaßen: Autobahnfahrt. Kühner männlicher Blick. „Mein Revier. Alle Konkurrenten müssen ausgeschaltet werden.“ Kurzer Rollenwechsel: trockene Kommentare von weiblicher Beifahrerseite: „Gleich kommt unsere Abfahrt.“ Kühner männlicher Blick. „Also den Laster würde ich jetzt nicht mehr überholen.“ Kühner männlicher Blick. „Jetzt sind wir an der Ausfahrt vorbeigefahren.“ Schluss mit kühnem Blick …

Das versöhnliche Fazit dieses Solostücks lautet übrigens: Wie schon die Neandertaler wollen auch die heutigen Männer doch im Grunde nur eines: ihren Gefährtinnen einen sicheren Ort bieten, wo diese ihre geheimnisvollen Zauber wirken können – und zur Entspannung mit den Kumpels abhängen. Und es liefert noch eine zweite wichtige Erkenntnis: Den Unterschieden zwischen Männern und Frauen begegnet man wohl am besten mit Humor.




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