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Feuerwehr-Logistikzentrum am Gerätehaus geplant / Verhindert Architekt einen günstigen Anbau?

Verhindert Architekt günstigen Anbau am Feuerwehrgerätehaus?

RINTELN. Björn Rinne übernimmt eine unbeliebte Rolle. Nachdem Rintelns Ortsbrandmeister Thomas Blaue die Pläne für einen großen Logistik-Neubau direkt neben dem Feuerwehrgerätehaus Rinteln vorgestellt hat, stellt der WGS-Poltiker eine entscheidende Frage: Gibt es auch eine kostengünstigere Alternative? Laut Verwaltung ist ein Anbau nicht möglich, da der Architekt ein Urheberrecht auf die Gestaltung der Fassade habe.

veröffentlicht am 18.05.2020 um 15:27 Uhr
aktualisiert am 18.05.2020 um 19:20 Uhr

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Stv. Chefredakteur zur Autorenseite

Was harmlos klingt, ist im Feuerschutzausschuss eine riskante Gratwanderung. Schnell gerät man als Politiker in Verdacht, die Arbeit der Feuerwehr gering zu schätzen. Gleichzeitig kann man nicht jedem Wunsch der heimischen Wehr einfach unhinterfragt entsprechen.

Wie diese Zeitung vor einer Woche berichtete, wird derzeit ein neues Logistikzentrum für die 17 Ortsfeuerwehren der Stadt Rinteln geplant. Kernstadt-Ortsbrandmeister Blaue stellte das Konzept im Ausschuss vor. Schon vor vier Jahren habe man begonnen, ein Hygienekonzept zu erstellen. Dabei habe man festgestellt, dass die vorhandenen Räume nicht ausreichen. Spätestens seit auch die Unfallversicherung eine strikte Schwarz-Weiß-Trennung verlange, sei ein Neubau unausweichlich. Anschaulich erklärt Blaue: Wenn ein Feuerwehrmann verrußt aus einem brennenden Gebäude komme, ziehe er sich noch vor Ort um und werde notgereinigt.

Im Trainingsanzug fahre er im Anschluss in das neu zu errichtende Logistikzentrum. Er betrete es auf der einen Seite kontaminiert, könne duschen und frische Sachen anziehen und komme auf der anderen Seite komplett gereinigt wieder heraus. „Früher saßen die Kameraden verrußt im Fahrzeug und haben so die Kontamination verschleppt“, erklärt der Ortsbrandmeister. Er hatte auch eine Skizze mitgebracht, welche Räume aus Sicht der Feuerwehr im neuen Logistikzentrum notwendig seien.

Gegenüber den Garagen soll jetzt ein Kleingarten weichen müssen. Der Pachtvertrag wurde bereits gekündigt. Foto: tol

Erstmals wurden damit auch die Größenverhältnisse klar, über die gesprochen wird. Allein fünf Einstellplätze für Feuerwehrfahrzeuge seien notwendig, dazu Büros für den Stadt- und die stellvertretenden Stadtbrandmeister, Platz für Rollcontainer, eine Werkstatt, ein Waschtrockenraum, ein Gefahrstofflager für Schaummittel und, und, und. Das Ganze soll ein oder vielleicht sogar zwei Stockwerke hoch werden.

Die genauen Planungen sind nun beim Bauamt der Stadt Rinteln in Auftrag gegeben worden. Dort entscheidet sich jetzt, wie groß der Neubau wirklich wird. Aber schon jetzt steht fest: Klein wird er nicht. Und günstig auch nicht. Ein neues Feuerwehrgerätehaus – wie jetzt derzeit in Hohenrode kurz vor der Fertigstellung – kostet schon mal knapp eine Million Euro. Und dort sind lediglich zwei Garagen sowie ein zweigeschoßiger Sozialtrakt enthalten.

Als sich nach dem Vortrag von Blaue Björn Rinne (WGS) meldete, war schnell klar, worauf er hinauswollte. Rinne erkannte durchaus an, dass die Feuerwehr bereits aus allen Nähten platze und mehr Platz brauche. „Aber das kommt jetzt alles zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt“, so Rinne in Bezug auf die Corona-Krise und die sich deswegen abzeichnende Weltwirtschaftskrise. Er unterstütze die Feuerwehr vorbehaltlos, wenn es um den Gesundheitsschutz der Ehrenamtlichen gehe. „Aber gibt es nicht auch eine kostengünstige Alternative, wie etwa ein Anbau an das bestehende Feuerwehrgerätehaus?“

Blaue erwiderte: Ein Anbau sei nicht möglich. Der Architekt des bestehenden Feuerwehrgerätehauses habe auf sein „Copyright“ hingewiesen. Man dürfe nicht einmal die Farbe der Fenster einfach so ändern. Geschweige denn einen zusätzlichen Trakt anbauen. Die Fassade dürfe nicht geändert werden. Auf Nachfrage dieser Zeitung bestätigte das Stadtjurist Joachim Steinbeck. Der Architekt habe sich an die Stadt gewandt und auf sein Urheberrecht verwiesen.

Rinne beantragte, den Beschlussvorschlag der Verwaltung zu erweitern. Die Verwaltung solle beauftragt werden, sowohl einen Neubau zu planen als auch eine kostengünstigere Alternative wie etwa einen Anbau zu prüfen und dem Ausschuss die Ergebnisse vorzulegen. Doch sofort formierte sich im Aussschuss Widerstand. Anna Lena Tegtmeier (SPD) betonte: „Da gibt es nichts zu diskutieren. Man sollte es lieber gleich vernünftig machen und nicht peu à peu.“ Stefan Frühmark (CDU) fand: Der Neubau sei alternativlos.

Dietmar Vogt (Grüne) fand das Projekt grundsätzlich richtig und wichtig – aber die Lage direkt am Feuerwehrgerätehaus Rinteln fragwürdig. „Wenn das ein Dekontaminationszentrum wird, sollte es nicht direkt im Überschwemmungsgebiet, so nah an der Stadt und an einem Schulweg stehen.“ Blaue verwies darauf, dass keine echten Gefahrstoffe dort verwahrt würden, lediglich Löschschaum.

Gerald Sümenicht wünschte sich, dass über das Projekt nicht beschlossen werde, solange das Feuerwehrentwicklungskonzept noch nicht vorliege. Er halte es aber für wichtig, am heutigen Tag die Planungen voranzubringen.

Björn Rinne appellierte abschließend abermals, auch eine kostengünstige Alternative zu prüfen. Stefan Frühmark verwies darauf, dass die Verwaltung das bestimmt sowieso tun werde und daher eine Erweiterung des Antrags nicht notwendig sei. Damit gab sich Rinne zufrieden, kündigte aber auf Nachfrage an: „Ich bleibe an dem Thema dran.“ Schließlich gehe es um Steuergeld.




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