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Vor 34 Jahren soll er auf einen Polizisten geschossen haben: Schwurgericht spricht Kosovo-Albaner frei

Versuchter Mord an Rintelner Polizisten bleibt ungesühnt

RINTELN/HANNOVER. Freispruch aus Mangel an Beweisen: 34 Jahre nach einem Einbruch mit anschließenden Schüssen auf einen Polizisten hat der 62-jährige Kosovo-Albaner Jakub S. das Landgericht Hannover am Donnerstag nach insgesamt vier Prozesstagen als freier Mann verlassen. Die 13. Große Strafkammer des Schwurgerichts sprach den Angeklagten vom Vorwurf des Mordversuches mit Verdeckungsabsichten und vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung frei.

veröffentlicht am 04.03.2019 um 17:45 Uhr
aktualisiert am 04.03.2019 um 19:40 Uhr

Jakub S. war die Tat nicht nachzuweisen. Foto: dpa

Autor:

Ingo Rodriguez

RINTELN/HANNOVER. Freispruch aus Mangel an Beweisen: 34 Jahre nach einem Einbruch mit anschließenden Schüssen auf einen Polizisten hat der 62-jährige Kosovo-Albaner Jakub S. das Landgericht Hannover am Donnerstag nach insgesamt vier Prozesstagen als freier Mann verlassen. Die 13. Große Strafkammer des Schwurgerichtes sprach den Angeklagten vom Vorwurf des Mordversuches mit Verdeckungsabsichten und vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung frei.

Zwar sei es erwiesen, dass der 62-Jährige vor 34 Jahren gemeinsam mit einem damals 19-jährigen Komplizen den Einbruch in ein Fachgeschäft für Windsurfartikel an der Brühlstraße begangen habe, dass aber der Angeklagte selbst – und nicht sein bereits vor 43 Jahren verurteilter Komplize – die Schüsse auf den Polizisten abgegeben und den damals 24 Jahre alten Kriminalbeamten mit einem Treffer in den Rücken lebensgefährlich verletzt habe, sei nicht zweifellos nachweisbar, sagte die Richterin Hanni Pfeiffer in ihrer Urteilsbegründung.

Der Kriminalbeamte hatte die Einbrecher bei ihrer Tat am 8. Juni 1984 von seiner Wohnung aus beobachtet und war ihnen unmittelbar danach in Zivil gefolgt. An den psychischen Folgen der späteren Schussverletzung leidet der inzwischen 59-Jährige laut seiner eigenen Zeugenaussage bis heute. Als den Pistolenschützen eindeutig identifizieren konnte er den Angeklagten 34 Jahre nach der nächtlichen Verfolgungsjagd aber nicht. Er hatte in seinen Aussagen lediglich zwischen einem größeren und einen kleineren Täter unterschieden. Als unwiderlegbaren Beweis wollte die Kammer unter dem Vorsitz der Richterin Pfeiffer dies nicht werten. Angesichts der Lichtverhältnisse und des traumatischen Erlebnisses sei ein Irrtum nicht auszuschließen, sagte die Richterin.

Der Komplize des Angeklagten gilt nach der Verhandlung wieder als Hauptverdächtiger für den Mordversuch und die Pistolenschüsse – auch, weil an seinen Händen kurz nach der Tat Schmauchspuren gefunden worden waren. Seine Rolle als Schütze hatte er aber immer abgestritten. Das Entscheidende: Er war bereits vor 34 Jahren festgenommen und später wegen Diebstahls mit einer Waffe zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt worden. Damit ist seine Beteiligung an dem Verbrechen bereits juristisch rechtskräftig abgegolten.




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