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Tanja Scholz im Erzählcafé

Vogelzüchterin erzählt von ihren 200 Kanarienvögeln

RINTELN. Am Anfang waren alle ihre Kanarienvögel gelb. Doch bald besaß Vogelzüchterin Tanja Scholz aus Möllenbeck über 200 Vögel in allen möglichen Farben. Beim „Erzählcafé“ im Museum Eulenburg hat sie dargelegt, was sie als Züchterin von „Farbkanarien“ antreibt.

veröffentlicht am 11.01.2019 um 15:03 Uhr

Vogelzüchterin Tanja Scholz hat einige Kanarienvögel zum Erzählcafé mitgebracht. Foto: cok
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Cornelia Kurth Reporterin zur Autorenseite
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RINTELN. Schnell wurde klar, dass Vögel zu züchten etwas ganz anderes ist, als sich so einen kleinen, trillernden Vogel als Gesellschafter anzuschaffen. Vogelzüchter haben immer ihre Ausstellungen und Meisterschaften im Kopf. Es geht darum, mit der Nachzucht den jeweiligen Zuchtstandards einer Rasse zu entsprechen. Die eigentliche Kunst bestehe darin, geeignete Pärchen zusammenzuführen, damit dann das Gefieder einen von etwa 400 anerkannten „Farbschlägen“ erhält.

Zur Freude der Gäste hatte Tanja Scholz mehrere Vogelpaare in kleinen Transportkäfigen mitgebracht. Die trillerten immer wieder herum, ein Zeichen dafür, dass sie sich auch in der fremden Umgebung wohlfühlten. Normalerweise leben die Tiere bei Tanja Scholz in Volieren im ausgebauten Keller. Dort dürfen auch ihre Hunde rein, die Enkelkinder oder neugierige Nachbarn. Wenn die Vögel an Unruhe gewöhnt sind, werden sie auch bei den Ausstellungen ganz gelassen bleiben.

Im 15. Jahrhundert waren es spanische Seefahrer, die die liebreizenden und sangesfreudigen Vögel von den Kanarischen Inseln nach Europa brachten. Anfangs hatten die Spanier das Zuchtmonopol und sorgten dafür, dass nur die Männchen weiterverkauft wurden. Bald aber gelangten auch Italiener in den Besitz von Kanarienweibchen, und schnell wurde in vielen europäischen Ländern mit dem Züchten begonnen.

Dabei stehen bis heute entweder der Gesang, oder die Körperhaltung oder eben, wie bei Tanja Scholz, die Farbgebung im Vordergrund. Tanja Scholz gehört zu einem der wenigen Ziervogelzucht-Vereine in der Umgebung, den „Extertaler Vogelfreunden“.

Wer erfolgreich züchten will, muss sich nicht nur in der Vererbungslehre auskennen. Auch die Ernährung spielt eine Rolle. Rote Kanarien entwickeln erst dann eine prächtig-rotleuchtende Farbe, wenn sie entsprechende Pigmente mit der Nahrung aufnehmen. Man könne es zwar auch mit roter Paprika versuchen, aber dann wechsele die Farbe eher ins Orange – preiswürdig wäre das kaum.

In ihrer Jugend hatte Scholz zunächst Wellensittiche gehalten, für die ihr Mann mit Leidenschaft hölzerne Volieren baute. Da Wellensittiche aber nur zu gern am Holz herumknabbern, entschied sie sich dafür, auf die Kanarien umzusteigen. Einige davon hatte sie ihren Enkelkindern zuliebe in der Wohnung stehen.

Anders als Wellensittiche sind Kanarien nicht per se Schwarmvögel und können deshalb auch einzeln gehalten werden. Immer mal wieder verkauft Tanja Scholz Vögel an Liebhaber und gibt dabei Tipps zur richtigen Haltung. Manchmal würden Käufer ihr stolz erzählen, dass sie bereits jede Menge Stangen, Schaukeln und Klimperkram für ihre Käfige eingekauft hätten. „Unsinn“, meint sie dazu. „Kanarien sind doch keine Affen!“

Was die Vögel für ihren Beschäftigungstrieb brauchen, sind Zweige aus dem Garten oder auch die Gabe eines halbierten Apfels, einer Möhre. Damit seien sie lange beschäftigt und es bestehe nicht die Gefahr, dass sie sich an künstlichem Spielzeug verletzen. „Kanarienvögel kann eigentlich jeder halten“, sagt sie. Nur notorische Raucher sollten davon lieber Abstand nehmen. In einem Raucherzimmer würden die Vögel nicht lange überleben.




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