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Streit zwischen Greenpeace und NABU wegen Windrädern im Wesertal schwelt weiter

Von Halb- und Unwahrheiten

RINTELN. Der Streit zwischen Greenpeace und dem NABU um den geplanten Bau von Windrädern im Wesertal bei Rinteln schwelt weiter – und wird jetzt per E-mail ausgetragen. NABU-Mitglieder aus Niedersachsen, die zugleich auch Förderer der Umweltschutzorganisation Greenpeace sind, haben in Mails an die Umweltschützer Partei für die Rintelner NABU-Gruppe ergriffen und gegen den Windräderbau durch die Greenpeace-Energy-Tochter Planet Energy protestiert, wegen der Gefahren für das bei Hohenrode brütende Seeadlerpaar und der Beeinträchtigung der Auenlandschaft und ihrer schützenswerten Vogelwelt.

veröffentlicht am 12.08.2016 um 16:06 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:13 Uhr

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Proteste, die Greenpeace und Planet Energy in nahezu gleich lautenden Antwortschreiben in Bausch und Bogen ver- und zugleich dem NABU Rinteln vorwerfen, mit Halb- und Unwahrheiten den Windradbau hintertreiben zu wollen. Was wiederum den NABU-Vorsitzenden Dr. Nick Büscher auf den Plan ruft. ,,Das Verhalten von Planet Energy ist mit einer naturverträglichen Energiewende nicht vereinbar“, stellt er in einem Schreiben an seine NABU-Mitglieder, die von Greenpeace Post erhalten hatten, unmissverständlich fest.

Besonders verärgert zeigt sich Büscher über die Tatsache, dass Greenpeace Deutschland in den E-Mails alles unternimmt, um auf Distanz zu Greenpeace Energy und deren Tochterunternehmen Planet Energy zu gehen. Greenpeace argumentiert, an der Genossenschaft Greenpeace Energy nur fünf Anteile zu halten und damit keinen Einfluss ausüben zu können, auch nicht auf deren Tochterfirma Planet Energy. Damit sei auch klar, das Greenpeace kein besonderes wirtschaftliches Interesse an den Geschäften der Energy-Unternehmungen habe. Darüber hinaus seien für die geplanten Anlagen in Rinteln umfangreiche Gutachten erstellt worden, deren Richtigkeit durch ein Gutachten der Firma Bioconsult aus Schleswig Holstein und das niedersächsische Landesumweltamt bestätigt worden seien. Außerdem habe man aus Naturschutzgründen auf den Bau eines dritten Windrades verzichtet.

Argumente, die Büscher nicht stehen lassen will und seinerseits den Greenpeace-Leuten unterstellt, mit Halb- und Unwahrheiten zu operieren. Und das gleich aus mehreren Gründen: Es ist zwar richtig, dass Greenpeace nur fünf Genossenschaftsanteile an Greenpeace Energey halte und damit theoretisch kaum Einfluss auf die Geschäfte nehmen könne; andererseits seien die Geschäftsführer von Greenpeace Energey und Planet Energy identisch, außerdem sei Thomas Breuer von Greenpeace Aufsichtsratsvorsitzender der Genossenschaft und über eine Lizenzvereinbarung über die Namensnutzung „Greenpeace“ sei die Organisation durchaus am wirtschaftlichen Erfolg der Genossenschaft interessiert.

Die Richtigkeit der Gutachten ist nach wie vor zweifelhaft. Und wenn Greenpeace behaupte, auch das Landesumweltamt habe die Richtigkeit bestätigt, sei dies nur bedingt richtig. Die Landesbehörde hatte den Gutachtern zwar bescheinigt, methodisch korrekt gearbeitet zu haben, gleichwohl war die Behörde zu dem Schluss gekommen, dass das Tötungsrisiko für den Seeadler deutlich höher sei, als von den Gutachtern angenommen. Denn gerade im Winter, in dem die Flugbewegungen nicht dokumentiert wurden, sei davon auszugehen, dass der Seeadler in unmittelbarer Nähe der geplanten Windräder nach Beute suche und damit höchst gefährdet sei. Hinzu komme: Der NABU hatte den Gutachtern mehr als 150 dokumentierte Flugbewegungen der Seeadler, darunter auch solche in unmittelbarer Nähe der Windradstandorte, gemeldet. Im Gutachten selbst tauchen diese Daten nicht auf.

Ein Muster ohne Wert ist für Büscher auch das angebliche Gutachten der Firma Bioconsult: Dies sei am Schreibtisch entstanden, die Firma sei nie vor Ort gewesen, auf eineinhalb Seiten werde lediglich bescheinigt, dass das methodische Vorgehen der ursprünglichen Gutachter korrekt und deren Schlussfolgerungen richtig seien – für Büscher ein Gefälligkeitsgutachten.

Besonders perfide aus Sicht des Rintelner NABU-Vorsitzenden ist die Greenpeace-Einlassung, aus Rücksichtnahme auf die Auenlandschaft in Hohenrode habe man auf den Bau der dritten Windanlage verzichtet. Für Büscher stellt sich die Sachlage ganz anders dar: Das Naturschutzgebiet besitze bereits eine landesweite Bedeutung für den Rastvogelschutz. Die dritte Anlage sei daher nicht mehr genehmigungsfähig gewesen. Darüber hinaus habe der Verzicht aufs dritte Windrad dazu geführt, dass keine Pflicht zur Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung vorlag und damit kein Verfahren mit Beteiligung der Öffentlichkeit vorgenommen wurde – damit ist dem NABU der Weg der Verbandsklage gegen die Windräder an diesem Standort verbaut.




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