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Aktion macht Schlagzeilen

Vor 25 Jahren: Als Politiker von Blomberg einen Zug überfiel

RINTELN. Diese Aktion machte bundesweit Schlagzeilen. Vor 25 Jahren, im Februar 1994, setzte sich CDU-Landtagskandidat Dietrich von Blomberg auf ein Pferd, stoppte eine Dampfeisenbahn auf offener Strecke, und stürmte hinein. Dieser Wahlkampf-Gag machte bundesweit Schlagzeilen. Das hat er sich dabei gedacht:

veröffentlicht am 12.02.2019 um 00:00 Uhr

Der Ritt von Dietrich von Blomberg, der die historische Dampfeisenbahn stoppte, sorgte bundesweit für Furore. Heute kann von Blomberg darüber lachen. Foto: tol
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Hans Weimann Reporter
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RINTELN. Dass sich ein Landtagskandidat auf ein Pferd setzt, in bester Westernmanier einen Zug auf offener Strecke stoppt, in den Salonwagon stürmt, dort seinen Gegenkandidaten und einen Minister stellt? Bis Februar 1994 war eine solche Aktion als Wahlkampf-Gag völlig undenkbar.

Der Husarenritt von Dietrich von Blomberg als CDU-Landtagskandidat, der die historische Dampfeisenbahn bei Röhrkasten stoppt, schaffte es bundesweit in die Schlagzeilen. „Bild“, sogar die Wochenmagazine „Stern“ und „Spiegel“ berichteten darüber. Der Sender „Antenne“ kürte von Blomberg zum „Mann des Tages“. Schlagzeile in Hannover: „Wildwest in Niedersachsen“.

Es war am Sonnabend vor Rosenmontag, Punkt 12 Uhr, „High Noon“ eben, als von Blomberg in Lederjacke, Jeans, Cowboystiefeln und weißem Stetson (den hatte er aus einem Urlaub in Texas mitgebracht) auf den Zug zu galoppierte. Heute kann Dietrich von Blomberg darüber lachen. Damals habe ihm die Aktion schon einigen Adrenalinschub beschert. Es ist eben nicht ganz ohne, neben einer Dampflok zu reiten, die dicke Qualmwolken ausstößt, wie sich jeder Reiter vorstellen kann: „Das war schon eine sportliche Nummer.“ Zum Glück sei der Hannoveraner-Wallach „Chasseur“ cool geblieben.

Der Wahlkampf-Stunt von Dietrich von Blomberg machte auch in der SZ Schlagzeilen. Repro: Archiv

Am Landgericht in Bückeburg fand man die Aktion weniger spaßig. Oberstaatsanwalt Bodo Becker eröffnete ein Ermittlungsverfahren wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr und Nötigung. Erst nach der Landtagswahl wurde die Sache eingestellt – wegen Geringfügigkeit. Von Blomberg sagt heute: „Wir hatten die Aktion penibel vorgeplant, damit keine Gefahr für die Fahrgäste bestand.“ So sei der Lokführer Uwe Matthies über den Stopp informiert worden, das Pferd habe man auf dem Hof eines CDU-Ratsherrn ausgeladen, die Strecke sei so ausgewählt worden, dass kein Flurschaden entstehen konnte.

Über seinen Auftritt als „Django ohne Fahrkarte“, sagt von Blomberg, haben sich viele Leute „vor Lachen auf die Schenkel geklopft“. Sogar die Familien mit Kindern, die damals im Zug gesessen haben. An die hat sein Wahlkampfteam Süßigkeiten verteilt. Auch Niedersachsens Wirtschaftsminister Dr. Peter Fischer sei sichtlich amüsiert gewesen. Der Spruch Blombergs für den damaligen SPD-Kandidaten Heiner Bartling ist in allen Medien zitiert worden: „Schätze, dieser Wahlkreis ist nicht groß genug für uns beide.“

Zwar ist Bartling am Ende ins Leineschloss eingezogen, nicht von Blomberg. Der Wahlkreis Schaumburg war damals noch fest in SPD-Hand. Doch von Blomberg erzielte bei den Erststimmen ein besseres Ergebnis als der etablierte CDU-Landtagsabgeordnete Friedel Pörtner im Nachbarwahlkreis und holte zweieinhalb Prozent mehr an Zweitstimmen als seine Partei.

Auf die Idee für seinen Ritt sei er damals durch einen Film von Regisseur Sergei Eisenstein gekommen, erzählt von Blomberg: Da gibt es eine Szene, in dem ein Zug der Revolutionäre mit flatternden Fahnen durch eine Schneelandschaft fährt. Heute würde er sich allerdings eine andere Aktion einfallen lassen. Aus einem einfachen Grund: Damals hatten Minister noch keine Bodyguards im ständigen Alarmmodus, die eine solche Aktion gründlich hätten missverstehen können.




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