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1962 schwang der Winter die „sibirische Peitsche“

Vor 40 Jahren: Das Schneechaos kam am 30. Dezember 1978

RINTELN. Zuerst legte am 8. Dezember 1978 ein Eisregen den Verkehr in der Weserstadt für viele Stunden lahm. Dann taute es wieder. Statt zum Weihnachtsfest kam die weiße Pracht am 30. Dezember. Aber dann mit Macht. Vor 40 Jahren zum Jahreswechsel 1978/79 versank ganz Norddeutschland im Schneechaos.

veröffentlicht am 28.12.2018 um 16:13 Uhr
aktualisiert am 28.12.2018 um 16:50 Uhr

Vor dem Haus Bäckerstraße 23 türmten sich im Januar 1979 die Schneeberge. Foto: Archiv Museum Rinteln
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Hans Weimann Reporter
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RINTELN. Schlagzeile auf der Titelseite der Schaumburger Zeitung am Dienstag, 2. Januar 1979: „Nach tagelangem Schneesturm warten Zehntausende auf Hilfe“. 17 Menschen kamen im Schneesturm um.

Ganz so dramatisch war die Lage in Rinteln zwar nicht, doch auch hier lief zeitweise nichts mehr. Zwölf Räumfahrzeuge waren pausenlos im Einsatz. In Goldbeck und Wennenkamp kämpften Landwirte mit Treckern und Frontladern, die Bürger mit Schaufeln gegen die Schneemassen an, damit ihre Dörfer nicht von der Außenwelt abgeschnitten wurden. Nachbarliche Hilfe war gefragt, um Autos aus dem Schnee auszugraben und anzuschieben, wenn die Batterie streikte.

Die weiße Pracht blockierte in der ersten Januarwoche auch deshalb den Alltagsverkehr, weil die Räumfahrzeuge, um eine freie Fahrbahn zu schaffen, die Parkplätze an den Straßen zugeschoben hatten. Diese Schneeberge mussten jetzt mit Bulldozern und schneekettenbewehrten Lastwagen weggeschafft werden. Man kippte den Schnee auf den Weseranger, wo er sich zu Bergen türmte.

Dieses Schwarzweißfoto vom Eis auf der Weser hat Werner Branahl im Jahr 1962 bei sibirischer Kälte geschossen. Foto: Archiv Museum Rinteln
  • Dieses Schwarzweißfoto vom Eis auf der Weser hat Werner Branahl im Jahr 1962 bei sibirischer Kälte geschossen. Foto: Archiv Museum Rinteln
Eingeschneiter Borgward bei Bösingfeld im Winter 1962. Foto: Archiv Museum Rinteln
  • Eingeschneiter Borgward bei Bösingfeld im Winter 1962. Foto: Archiv Museum Rinteln
Die Bösingfelder Straße in Goldbeck im Winter 1962. Foto: Archiv Museum Rinteln
  • Die Bösingfelder Straße in Goldbeck im Winter 1962. Foto: Archiv Museum Rinteln

Der Doktorsee hatte eine geschlossene Eis- und Schneedecke und die Rintelner staunten über Eisschollen auf der Weser, obwohl das Weserwasser vom Atomkraftwerk in Grohnde aufgeheizt wurde, aus den DDR-Kalibergwerken an der Fulda nach wie vor eine Salzfracht in die Weser floss. Der Mittellandkanal war durch den Eisgang gesperrt. Der Vogelschutzbund mahnte, die Piepmätze nicht zu vergessen, die durch die Schneedecke kein Futter mehr fänden.

Stadtdirektor Heinrich Büthe gab Entwarnung, in Rinteln habe zu keiner Zeit während des Schneesturms die Gefahr eines Stromausfalls bestanden. Die Stromleitungen in der Kernstadt lägen unter der Erde, außerdem ständen genug Notstromaggregate bereit, um den Betrieb in den öffentlichen Einrichtungen im Notfall aufrecht zu erhalten.

In der Verwaltung gab es eine Liste all der Firmen, die über Bagger, Raupen oder ähnliche Räumgeräte verfügten, die man bei Bedarf alarmieren konnte.

Am 8. Januar kam dann das Tauwetter und man entdeckte, dass das Dach der Kreissporthalle derart undicht war, dass die Halle geschlossen werden musste.

In der Wallgasse wurde eine 60-jährige Frau aus Bielefeld unter einer abgehenden Dachlawine begraben und so schwer verletzt, dass sie ins Krankenhaus gebracht werden musste. Die Verwaltung alarmierte daraufhin die Feuerwehr, den Schnee von den Dächern zu räumen, wo es für Passanten gefährlich werden könnte.

In einer Feierstunde werden alle Helfer des Technischen Hilfswerkes geehrt, ohne die es beim Eisregen im Dezember und Schnee zum Jahreswechsel in Rinteln „zu einer Katastrophe“ gekommen wäre, wie die Schaumburger Zeitung schrieb. Vor allem der Krankentransport sei nur dank der mit Schneeketten bestückten Allradfahrzeuge des THW möglich gewesen.

Und 1978 erinnerten sich die Rintelner Bürger daran, dass die Weserstadt schon einmal eine ähnlich extreme Wetterlage erlebt hat: im Winter 1962/63. Der Schnee kam damals bereits im November, im Dezember folgte ein Hochdruckgebiet mit der sibirischen „Peitsche“ und einem Temperatursturz auf unter minus 15 Grad. Eine Kältewelle, die mit nur kurzen Unterbrechungen bis Anfang März anhielt. Von Klimawandel war damals noch keine Rede.




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