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Parteien sind sich nicht einig

Wahlplakate: Notwendig oder unnötiger Müll?

RINTELN. Vielerorts lächeln einem aktuell wieder Politiker von Plakaten entgegen. Es ist Wahlzeit, viele Laternen werden durch angebrachte Plakate zur Werbefläche. Das soll sich ändern, finden SPD und Grüne. Beide Stadtverbände verzichten im Rahmen der anstehenden Europawahl auf zahlreiche Plakate.

veröffentlicht am 13.05.2019 um 11:25 Uhr
aktualisiert am 13.05.2019 um 19:50 Uhr

In der Gemeinde Eilsen werden von der Verwaltung Plakatwände aufgestellt, an denen Wahlplakate hängen. Foto: wk

Autor:

Jessica Rodenbeck
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RINTELN. Vielerorts lächeln einem aktuell wieder Politiker von Plakaten entgegen. Es ist Wahlzeit, viele Laternen werden durch angebrachte Plakate zur Werbefläche. Das soll sich ändern, finden SPD und Grüne. Beide Stadtverbände verzichten im Rahmen der anstehenden Europawahl komplett aufs Plakatieren.

Bei den vorigen Wahlen sei die Plakatwerbung regelrecht ausgeufert, so Christoph Ochs, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Stadtrat. Viele Bürger hätten sich geradezu belästigt gefühlt. Seine Partei verzichte daher bei der Europawahl komplett auf Plakate und habe sich auch im Sinne der Umwelt für einen ressourcenschonenden Wahlkampf entschieden. „Wir können nicht für Klimaschutz, Ressourcenschutz und gegen Plastikmüll argumentieren und gleichzeitig Plastik- oder kunststoffbeschichtete Pappplakate aufhängen“, so Ochs. Die Grünen setzen stattdessen auf das persönliche Gespräch: „Das ist wichtiger als Plakate an Laternenmasten.“

Zudem würden Plakate an Stellen angebracht, an denen das nicht erlaubt sei, fügt seine Stellvertreterin Uta Fahrenkamp hinzu. Die Verfolgung dieser Ordnungswidrigkeiten binde Personal, das an anderen Stellen gebraucht werde. Zudem würden immer wieder Plakate nach der Wahl nicht abgenommen und müssten schließlich durch den Bauhof entsorgt werden.

Auch für die SPD sei der Umweltschutz ein Grund gewesen, bei der Europawahl auf die Plakatierung an Laternen zu verzichten. „Wir bräuchten für 50 Laternen 100 Plakate“, sagt Bernd Wübker, Vorsitzender des SPD-Stadtverbandes. Das seien mehrere Autokofferräume voll, und die Plakate müssten nach der Wahl aufwendig entsorgt werden. „Das muss meiner Meinung nach nicht sein.“ Große Stellwände würden völlig ausreichen, um auf die Wahl aufmerksam zu machen.“

Zudem weist Wübker darauf hin, dass Rinteln eine Touristenstadt ist. „Und dann wird überall Wahlwerbung aufgehängt?“ Zumindest die historische Innenstadt sollte von Wahlplakaten freigehalten werden. „Das ist auch Denkmalschutz.“ Wübker hofft, dass auch die anderen Parteien irgendwann mitziehen werden.

Matthias Wehrung, der Stadtverbandsvorsitzende der CDU, steht dem Thema kritisch gegenüber. „Wir können nicht sagen: Die Wahlbeteiligung ist zu niedrig, aber Plakate, die darauf hinweisen, wollen wir auch nicht“, findet er. In der historischen Innenstadt sei das Plakatieren generell verboten, weshalb seine Partei in diesem Bereich sogenannte Drillinge nutze, die auf der Erde stehen. Das Denkmalschutz-Argument zieht für ihn hier nicht, immerhin würden die Plakate ja nur einige Wochen hängen. „So ein Engagement für den Denkmalschutz würde ich mir aber in vielen anderen Bereich wünschen.“

Insgesamt werde die CDU in geringerem Umfang plakatieren als in den Jahren zuvor. Ganz auf Plakate zu verzichten, hält Wehrung aber für unklug. „Man muss auf unterschiedlichen Kanälen aktiv sein, um den Wähler zu erreichen. Und dazu gehören nun einmal auch die Wahlplakate.“

Ähnlich sieht es die FDP. „Wir plakatieren sehr sparsam, in Rinteln und Umland hängen insgesamt nur 15 Plakate“, sagt Stephanie Ballhorn, die Vorsitzende des Ortsverbandes. Ein Grund dafür sei der Wunsch nach Müllvermeidung. Hinzu komme, dass Plakatwerbung ihrer Ansicht nach nicht mehr zeitgemäß ist. Die tatsächliche Wahlwerbung verlagere sich immer mehr auf die sozialen Medien.

Ganz auf Plakate verzichten, möchte sie dennoch nicht. „Plakate wecken die Aufmerksamkeit und können so die Wahlbeteiligung fördern“, sagt sie. Und diese sei essenziell wichtig für eine lebendige Demokratie.

Von Verboten halte man als liberale Partei grundsätzlich nicht sonderlich viel. Sie appelliert daher an die Eigenverantwortung: „Es sagt doch etwas über einen aus, ob man viele Plakate aufhängt oder eben wenige.“




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