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„Ich bereue es keine Sekunde“

Warum zwei junge Frauen in Schaumburg ihre Heimat fanden

RINTELN/STADTHAGEN. Vielleicht ist es die Natur im Weserbergland, die den größten Beitrag zur Verjüngung der Bevölkerung im Landkreis Schaumburg leistet. Unsere Zeitung hat zwei junge Frauen getroffen, die hier ihre Heimat gefunden haben.

veröffentlicht am 05.03.2019 um 15:06 Uhr
aktualisiert am 05.03.2019 um 19:10 Uhr

Miriam Mühlenmeier unternimmt gerne lange Spaziergänge im Wald. Sie zieht die Ruhe der Stadt vor. Foto: gal

Autor:

Gloria Lucie Alter
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Sie haben zwar unterschiedliche Beweggründe dafür, aber dennoch eine große Gemeinsamkeit: ihre Sehnsucht nach der Natur.

Von Dortmund nach Rinteln – das bedeutete für die damals erst 18-jährige Miriam Mühlenmeier den größten Einschnitt in ihrem bisherigen Leben. Sie zog 2014 einer guten Freundin hinterher, die bereits zwei Jahre zuvor Rinteln für sich entdeckt hatte. „Außer ihr kannte ich damals allerdings noch so gut wie niemanden hier“, sagt Mühlenmeier. Trotzdem sollte Rinteln binnen kurzer Zeit zu ihrer Wahlheimat werden und bis heute bleiben.

Im Sommer 2014 packte sie ihre Taschen. „In erster Linie bin ich wegen meiner Freundin hierher gezogen“, erzählt Miriam, „aber ich war auch noch nie ein Stadtmensch, obwohl ich als Kind nichts anderes kannte.“ Miriam hielt nichts mehr in ihrer Heimatstadt. Schon als sie ihre Freundin 2012 öfters besuchte, „habe ich mich hier einfach viel wohler gefühlt als in Dortmund“, erzählt die junge Frau. Schnell fand sie neue Freunde in Rinteln und lernte sogar noch vor ihrem Umzug ihren heutigen Ehemann Maurice kennen. Spätestens seitdem er in ihr Leben getreten ist, kann sie sich keinen anderen Wohnort mehr vorstellen.

Marina Butzke hat es mit dem Reitsport beim Hobby belassen. Foto: pr.

„Mir gefällt die Ruhe hier, vor allem in den Wäldern.“ Die Natur rund um die Weserstadt ist der Lieblingsort von Miriam. Deshalb wohnt sie auch in Steinbergen, nah am Wald. Sie liebt die Natur und ausgedehnte Spaziergänge mit ihrem Hund. Die Auszubildende stört sich auch nicht daran, dass Rintelns Bevölkerung immer älter wird. Ohnehin bevorzugt sie entspannte Tage und Abende gemeinsam mit ihrem Mann, ihrem Hund und ihrer Katze zu Hause. „Wenn ich viel Programm will, fahre ich meine Familie in Dortmund besuchen.“

Die Natur des Weserberglandes ist es, die auch Marina Butzke jeden Tag aufs Neue begeistert. Allerdings wünscht sich die 26-jährige Stadthägerin, in ihrer Heimat etwas mehr unternehmen zu können. „Ich würde mein Geld ja gerne hier ausgeben“, sagt Marina, aber für junge Leute gebe es einfach zu wenig Angebote. Miriam hingegen empfindet das Angebot im Landkreis Schaumburg als ausreichend. Die Ruhe des Waldes mit seinen Bäumen, die sich im Wind bewegen, der weiche Waldboden unter den Füßen: All das hatte sie in Dortmund vermisst.

Gebürtig aus Stadthagen, zog es Marina nach der Schule zunächst für knapp zehn Jahre in andere Regionen Niedersachsens. Schließlich fand sie aber doch einen Job, der es ihr ermöglichte, zurück in ihre Heimat und zu ihrem heutigen Ehemann zu ziehen. Seit 2012 sind sie bereits ein Paar, fünf Jahre später folgte die Heirat. Das jährliche Ereignis, das für die Stadthägerin die Hoch-Zeit bedeutet, ist das Historische Schützenfest in der Kreisstadt. „Das bringt einfach immer ein Stück Geschichte mit sich.“ Auch sei es, anders als viele andere Schützenfeste in der Umgebung, mehr als nur Feierei und Schießerei, sondern beinhalte eben auch diese kulturell und geschichtlich wertvollen Aspekte.

Die heute 22-jährige Miriam ist zufrieden mit dem, was man in Rinteln unternehmen kann. Sie wünscht sich jedoch eine bessere Anbindung der Ortsteile durch öffentliche Verkehrsmittel. „Gerade am Wochenende sitzt man hier fest“, denn die Busse führen dann außerhalb der Kernstadt, wenn überhaupt, nur ein einziges Mal am Tag.

Seit wenigen Monaten besitzt Miriam ein Auto, denn sie absolviert momentan eine Ausbildung zur Fachkraft für Medizinprodukteaufbereitung in Hameln. Zum Kauf eines Autos sah sie sich nur aufgrund der mangelhaften Anbindung der öffentlichen Verkehrsmittel gezwungen.

Am ÖPNV hat sich Marina nie großartig gestört. Ohnehin lebte sie nach der Schule ja viele Jahre in anderen Städten. Erster Stopp: Oldenburg. Dort zeigte ihr die Ausbildung zum Pferdewirt zwei Dinge: Erstens sollte sie ihre Begeisterung für Pferde doch lieber als eine Freizeitbeschäftigung ausleben. Zweitens wäre es aber dennoch schön, „einen Job im Grünen zu haben“, da war sich Marina sicher.

Losgelassen hat sie ihre Heimat nämlich nie. Der Ausbildung folgte das Fachabitur mit anschließendem Studium der Agrarwissenschaften in Soest. Unmittelbar danach zog es Marina dann wieder zurück nach Stadthagen, wo sie heute im Außendienst für den Futtermittelhersteller Sano tätig ist.

Wenn Marina nun morgens ins Auto steigt, Felder und Wiesen des Weserberglands an sich vorbeiziehen sieht und zu guter Letzt noch Stallluft in großen Rinderzuchtbetrieben schnuppern kann, dann weiß sie: „Hier bin ich richtig.“

Auch Miriam kann über die Angebotsflaute im Einzelhandel und bei den öffentlichen Verkehrsmitteln leicht hinwegsehen: „Ich bereue es keine Sekunde, hierher gezogen zu sein“, sagt sie mit einem Lächeln auf den Lippen. Ihr Freundeskreis, ihr Mann und ihre Haustiere beweisen ihr das jeden Tag aufs Neue.




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