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40 Jahre Amateurfunker im Extertal / Funkausstellung im Feuerwehrgerätehaus geplant / Nachwuchs gesucht

Wenn sich plötzlich ein König über den Äther meldet

Extertal (who). Wie wäre es, wenn man sich, statt im World Wide Web zu chatten, über Funk mit Gleichgesinnten in aller Welt mündlich austauschen würde und dabei sogar einem waschechten König auf seiner Frequenz begegnen könnte? Für Amateurfunker ist das nichts Ungewöhnliches, berichtet Ewald Rabe aus Linderhofe. Seit 40 Jahren sind die weltweiten Verbindungen über den Äther sein Hobby.

veröffentlicht am 15.07.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 08.11.2016 um 13:41 Uhr

Gemeinsam mit anderen Funkerfreunden aus dem Extertal will der 70-jährige pensionierte Maurer sein Hobby gerne auch jüngeren Leuten schmackhaft machen.

Der Extertaler Bürgermeister Hans Hoppenberg hat als Junge live miterlebt, wie sein Vater eine Leidenschaft für den Amateurfunk entwickelte, der vor 40 Jahren im Extertal eine erhebliche Anzahl von Enthusiasten am Funkempfänger begeistert hat.

Schon vor über 40 Jahren hat Heinz Hoppenberg in der kleinen Wohnung in Goldbeck an seinen Geräten gesessen, auf der Suche nach neuen Partnern auf seiner Frequenz. Deshalb hat sein Sohn jetzt für die Funkpioniere aus Nordlippe ein Pressegespräch im Bösingfelder Rathaus organisiert. Denn die Amateurfunker sind in die Jahre gekommen und suchen nach Nachwuchs für ihren Verein „DJ1FQ“ im Deutschen Amateur-Radioclub.

Bei der 225-Jahrfeier der Feuerwehr Bösingfeld am 15. und 16. August wollen sie sich deshalb mit einer „Funkausstellung“ im Feuerwehrgerätehaus präsentieren. Dabei soll der weltweite Amateurfunk auch in der Kombination mit PC und dem Internet vorgestellt werden. Dazu wird unter anderem auf einer Großleinwand die Flugbahn der internationalen Raumstation ISS gezeigt. Für jugendliche Bastler stehen Bausätze zur Verfügung die unter fachkundiger Begleitung der Funker zusammengelötet und mit nach Hause genommen werden sollen.

Ewald Rabe hatte regelmäßig Funkkontakt mit dem früheren jordanischen König Jordanien, der 1999 verstorben ist. Da jeder Amateurfunker an persönlichen Codezeichen zu erkennen ist, ist in Insiderkreisen bekannt, auf welcher Frequenz er sendet und wann er zu erreichen ist. So habe er mit König Hussein, der selber ein begeisterter Funker war, wiederholt in seinem Wochenendhaus in Amman gesprochen. „Ich habe ihn an seiner tiefen Stimme erkannt und wir haben uns auf Englisch unterhalten“, berichtet Rabe und kann Autogrammkarten des Königs zeigen, mit denen dieser den Kontakt offiziell bestätigt hat. Dass sich sogar Könige über Funk duzen lassen, sei unter Amateurfunkern selbstverständlich, erklärt er. Auch mit Juan Carlos von Spanien habe er sich ganz zwanglos unterhalten können.

Der heute 65-jährige Gerhard Fasse ist bereits als Jugendlicher zum Funken gekommen über ein Jugendbuch, „das von zwei Freunden handelte, die mit ihrem Lehrer zusammen einen Empfänger gebaut haben und einem Schmuggler auf die Spur gekommen sind“, erzählt der frühere Verkaufsleiter.

Aber vor 50 Jahren habe er feststellen müssen, „dass seinerzeit das Extertal für Amateurfunker ein weißer Fleck auf der Landkarte war und es keine Möglichkeiten gab, mit anderen Funkern in Kontakt zu kommen“. Heute sei das anders bei all den technischen Möglichkeiten und allein deutschlandweit zurzeit rund 70 000 Funkern.

Ernst Richts aus Bösingfeld ist der Techniker des Funker-Quartetts und erinnert sich an unzählige Bastelstunden, um die sich nötigen Geräte selber zu bauen. Sein erster Empfänger sei ein normales Radio mit Kurzwellenteil gewesen, der erste Kontakt eine Stimme aus Klein-Berkel. Deshalb habe er den anderen mit dem Auto auch schnell persönlich erreichen können.

Nicht selten ergeben sich solche persönlichen Kontakt und sogar anhaltende Beziehungen, bestätigen die Vier. „Mein kanadischer Funkfreund hat mich zuletzt vor zwei Jahren besucht“, berichtet Gerhard Fasse.

Die technische Ausrüstung für weltweite Kontakte ist für Einsteiger bereits ab 200 Euro zu haben, erklärt er. Neuste Hightech-Ausführungen könnten dagegen schon mal runde 11 000 Euro kosten. Auf alle Fälle würden die Lippischen Funkfreunde über ihren Verein Starthilfe leisten, versichert er.

Auf die Prüfung zur Erteilung einer Lizenz bereite jeweils ein kostenloser sechsmonatiger Lehrgang vor, so wie im Herbst in den Klubräumen in der alten Schule in Entrup bei Lemgo. Nur die Prüfungsgebühr müssten die Teilnehmer selber tragen.

Information: Gerhard Fasse, Telefon (0 52 62) 99 35 30, oder im Internet auf www.DJ1FQ.de




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