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Tausendsassa Christopher Brandt (18)

Wer Rinteln kennt, kennt ihn

RINTELN. Wer öfter in Rinteln unterwegs ist, kennt auch ihn: Christopher Brandt, 18 Jahre. Er ist ein wahrer Tausendsassa: Gerade das Abi bestanden, spielt er Musik, jobbt und macht eine Ausbildung zum Rettungssanitäter. Ein Gespräch über Leidenschaft und Zukunftspläne:

veröffentlicht am 11.07.2018 um 16:30 Uhr

Ein Tausendsassa: Christopher Brandt ist nicht nur Musiker und Sanitäter, sondern jobbt auch im Bioladen an der Klosterstraße. Foto: cok
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Autor

Cornelia Kurth Reporterin zur Autorenseite

RINTELN. Wenn man Christopher Brandt erst mal kennengelernt hat, dürfte es kaum möglich sein, dem jungen Mann mit seinen blonden Rastalocken nicht immer wieder zu begegnen. Der 18-jährige Abiturient gehört zum Bereitschaftsdienst des Roten Kreuzes und ist so auf fast jeder größeren Veranstaltung in Rinteln präsent. Mit seiner Posaune spielt er in den Bands des Ernestinums, tritt bei Konzerten von „Jugend musiziert“ auf und wird auch sonst gern herbeigerufen, wenn irgendwo ein Musiker fehlt. Wie schafft er das alles nur?

Auf die Frage lacht er. „Ich hab ja grad Abiprüfungen gemacht“, sagt er, „da haben wir kaum Unterricht.“ Als er am Nachmittag zu unserem Treffpunkt kommt, hatte er seit 8 Uhr morgens im Bioladen „Querbeet“ gearbeitet und danach einen Erste-Hilfe-Kurs geleitet. Später würde er seine Rotkreuz-Sachen rauslegen. „Das Wetter ist heute so seltsam, da wird die Bereitschaft sicher gebraucht.“ Obwohl er eigentlich immer was zu tun hat, wirkt er nie gestresst.

Einen gewissen Zwiespalt gibt es in seinem Leben aber doch. Christopher Brandt hat zwei große Leidenschaften: die Medizin und die Musik. Lange sah es für ihn so aus, als würde er Musik studieren und Berufsmusiker werden. Gleichzeitig fasziniert ihn seine ehrenamtliche Arbeit für das DRK. Schon als Sechstklässler drängelte er darauf, in den Schulsanitätsdienst des Ernestinums eintreten zu dürfen, was aber erst ab der 7. Klasse möglich ist. Nach dem Abitur macht er eine Ausbildung zum Rettungssanitäter. Beides aber, weiter intensiv Musik zu machen und Rettungsdienstler sein, das lässt sich nicht vereinbaren.

Schon mit sieben Jahren begann Christopher Brandts Posaunenunterricht. „Eigentlich wollte ich Tuba spielen“, sagt er, „aber ich bin ja nicht grad der Größte, das ging nicht.“ Immerhin ist die Posaune ein gutes Instrument, um die Lunge zu trainieren und damit gegen das leichte Asthma anzugehen, mit dem er zu tun hat. Bald kamen Klavier, Gitarre und E-Bass dazu. „Ich habe seit elf Jahren denselben Posaunenlehrer, o, es fällt mir schon schwer, mich von ihm zu trennen und insgesamt die Laufbahn als Berufsmusiker aufzugeben.“

Andererseits hat er sich dem DRK und dem Sanitätsdienst in der Bereitschaft ja mindestens genauso intensiv gewidmet wie der Musik. „Als Kind fand ich die Feuerwehr am tollsten. Ich wollte schon Dinge tun, um anderen Menschen in der Not zu helfen.“ Genau das fasziniert ihn auch am Rettungsdienst. 2015 absolvierte er, mit 16, den Sanitäterlehrgang, und von da an gehörte er fest zum Team des DRK. „Da entstehen ja auch Beziehungen über die Generationen hinweg“, sagt er.

„Ich komme wirklich mit jedem klar, weil man mit seinen Kollegen eben klarkommen muss, sonst klappt es mit den Einsätzen nicht. Wir sind ja alle bereit, etwas für die Gemeinschaft zu tun.“

Inzwischen weiß er, dass er nach der Ausbildung zum Rettungssanitäter Medizin studieren will und er überlegt, ob er danach für die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ arbeiten wird. „Da verdient man zwar weniger, aber das ist mir egal, Geld spielt für mich schon von meiner Erziehung her keine große Rolle. Für mich steht das Soziale im Vordergrund.“

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