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Eine subjektive Bestandsaufnahme

Weserradweg: Alte Infotafeln und gefährliche Wege

KOHLENSTÄDT. Hier scheint die Zeit still zu stehen: Einem Ortskundigen, der auf dem Weserradweg von Kohlenstädt nach Ahe, Engern und Rinteln unterwegs ist, fällt auf, dass die Informationen auf den Infotafeln veraltet sind. Und so manche gefährliche Kreuzung. Zeit für eine subjektive Bestandsaufnahme:

veröffentlicht am 09.06.2019 um 08:30 Uhr
aktualisiert am 10.06.2019 um 18:00 Uhr

Der „Planetenweg“ am Weserradweg informiert über unsere Planeten. Leider sehen die Schilder mittlerweile verwahrlost aus. Foto: tol
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Autor

Hans Weimann Reporter
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KOHLENSTÄDT. Hier scheint die Zeit still zu stehen: Einem Ortskundigen, der auf dem Weserradweg von Kohlenstädt nach Ahe, Engern und Rinteln unterwegs ist, fällt auf, dass hier nach wie vor Wegweiser Touristen zum ehemaligen Erlebnispark Steinzeichen locken, den es so schon länger nicht mehr gibt, sowie auf einer Infotafel ein Abstecher zum Jahrtausendblick empfohlen wird, der ebenfalls gesperrt ist. Eine Infotafel weiter zeigt einen Stadtplan, auf dem so gut wie nichts mehr stimmt, die Post noch in der Klosterstraße und die Jugendherberge ein mögliches Quartier ist. Hier gilt: besser kein Plan als ein falscher.

Ähnliche Verfallserscheinungen zeigen die „Planeten“ am Wegesrand. 2008 hatte eine Arbeitsgruppe des Gymnasiums Ernestinum, gefördert mit Leader-Plus-Geldern, neun Planeten-Modelle einschließlich der Sonne am Weserradweg zwischen dem Weseranger und Großenwieden installieren lassen. Doch der Zahn der Zeit hat deutlich an ihnen genagt: Viele Texttafeln sind zerkratzt und unleserlich, einige Planeten beschädigt.

Und wie sieht es mit dem Radweg selber aus? „Alltagsradler“ Matthias Menzel, Mitglied im Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC), hatte darauf hingewiesen, dass der Weserradweg von Beschaffenheit wie Wegeführung her umso schlechter wird, je näher man nach Rinteln kommt (wir berichteten). Das bestätigen auch Radtouristen auf der Strecke. Kritikpunkte sind hier unter anderem:

Auf den Infotafeln stimmen teilweise die Infos nicht mehr. Foto: tol

Vor Kohlenstädt führt ein schmaler Trampelpfad an der Weser entlang über eine Bohlenbrücke, auf der einen Seite eine Hecke, auf der anderen Stacheldraht oder Elektrodraht einer Weide. Es ist ein Pfad, der steil auf die Oldendorfer Straße mündet. Radler sagen: abenteuerlich.

In Ahe muss der Radler hinter einer unübersichtlichen Kurve die Straße queren, um auf dem Weserradweg zu bleiben und ins Dorf zu kommen. Er kann nur hoffen, dass sich motorisierte Verkehrsteilnehmer an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten. Im Dorf wird der Radler dann auf historischem Pflaster aus schlesischem Granit durchgerüttelt: Das sieht nur auf einem Foto gut aus. Hinter Ahe in Richtung Rinteln biegt ein Feldweg auf den Weserradweg ein. Ein Feldweg, den man nicht einsehen kann, wenn die Felder bestellt sind. Diesen Weg nutzen aber Autofahrer als Abkürzung und fahren oft zu schnell – gefährlich.

In Engern teilt sich der Radtourist (sperrige Packtaschen auf dem Gepäckträger) den schmalen Bürgersteig direkt an der Straße (manchmal von Lkws zugeparkt) mit Passanten. Radtouristen sagen: nervige Streckenführung. Wieder an der Weser, ist der Radweg von Engern bis Rinteln mit Wurzelaufbrüchen gespickt und ebenfalls viel zu schmal. Gefährlich ist das vor allem deshalb, weil hier auch viele Spaziergänger, Mütter und Väter mit Kinderwagen, ganze Gruppen unterwegs sind. Radtouristen sagen: Wer hier bei Gegenverkehr nicht stoppt, riskiert, unfreiwillig abzusteigen.

Doch es gibt natürlich auch Positives zu vermerken: Die Holzbrücke an der Neelhofsiedlung hat im Herbst nagelneue Bohlen erhalten.




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