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Pathos und große Gefühle – „einfach atemberaubend“: Wrestling-Arena bis zum letzten Platz besetzt

Wie Freddy auszog, ein Wrestlingheld zu werden

Der Lokalmatador bei seinem triumphalen Einzug: Freddy Stahl, der 18-Jährige aus Engern, wird begeistert gefeiert.

veröffentlicht am 07.03.2010 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 07.11.2016 um 00:41 Uhr

Freddy Stahl läuft in die Halle ein. Foto: tol

Autor:

Cornelia Kurth

Rinteln. Oh, sie leiden sehr und zeigen das auch ungescheut, die tapferen Wrestler, wenn sie in den Klammergriff genommen werden, wenn der Gegner sie mit gekonntem Wurf rücklings über die Schulter zu Boden schmettert oder vom Eckpfosten aus auf sie herunterknallt. Je größer der Schmerz, desto heldenhafter der Mut zum Gegenschlag. Das Wrestlingpublikum liebt solches Pathos und die großen Gefühle. Das zeigte sich auch bei der 2. „Schaumburger Wrestling-Gala“ in Engern, die so hervorragend besucht war, dass Veranstalter Günther Ruppelt sich sicher ist: „Wir machen auch in Zukunft weiter!“

Wenn sich die Entwicklung der Veranstaltungen in Engern so fortsetzt wie bisher, dann wird wohl bald ein neuer Auftrittsort gefunden werden müssen für die jungen Kämpfer der „Nordic Championship Wrestling“ (NCW) und ihre Herausforderer. Die Mehrzweckhalle war bis auf den letzten Platz besetzt und die Show so gelungen, dass man sich um die Eintrittskarten für den nächsten Kampf im Oktober wohl wird rangeln müssen. „Es war einfach atemberaubend“, sagt der junge Wrestlingheld Freddy Stahl aus Engern nach seinem Kampf gegen den hinterhältigen Matthias Rüdiger Freiherr von Ilgen. „Wie ich hier als Lokalmatador angefeuert wurde – unglaublich!“

Zu Recht konnte Freddy Stahl unbefangen glücklich sein, zeigte sich doch bereits im letzten Jahr bei der ersten Schaumburger Wrestling-Gala, dass sein brennender Ehrgeiz, ein Profi zu werden, kein bloßer Traum gewesen war. Hatte er zunächst nur innerhalb einer kleinen Gruppe wrestlingbegeisterter Jugendlicher trainiert, gehört er nun zu den vielversprechenden Schülern des amtierenden NCW-Weltmeisters Karsten Kretschmer aus Hamburg und dessen „Nordisch Fight Club“. Der als kluger Techniker bekannte 18-Jährige musste diesmal zwar im Kampf gegen den erfahrenen Freiherrn von Ilgen unterliegen, Sympathie und Hochachtung des Publikums für seinen fairen, starken Kampfstil aber lagen ganz auf seiner Seite.

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Überhaupt entsteht der Spaß am Wrestling durch die entschiedene Parteinahme, zu der jeder Zuschauer gezwungen wird, wenn die „Good Guys“ gegen die „Bad Guys“ antreten. Besonders schön kam das im rasanten Teamkampf zum Ausdruck, als der flinke Da Mack zusammen mit dem Sympathieträger Kenny The Kid gegen die mit allen Wassern gewaschenen bösen Jungs Florian Jäger und Rene Cardinal (Engern) antraten. Da Mack, der zu seiner selbst produzierten Hip-Hop-Musik in die Halle einmarschierte, und Kenny The Kid, der einen lautstarken Fanclub mitbrachte, die beiden wurden so lebhaft vom Publikum unterstützt, dass sich ihre Gegner umso heftiger mit allen akrobatischen Tricks um den Sieg bemühten – vergebens! „Ich bin trotzdem für die Bösen!“, sagte ein kleines Mädchen. „Weil ich nämlich selbst auch böse bin!“

Wrestling-Urgestein Ecki Eckstein, einer der erfolgreichsten deutschen Wrestler, ließ es sich nicht nehmen, in Engern gegen Axel Dieter Jr. in den Ring zu steigen und damit der Veranstaltung einen Abglanz der großen Wrestling-Events von Bremen und Hannover zu verleihen. Auch ein Spaßmatch musste natürlich ins Programm: Die hübsche Liss Austria ärgerte sich mit dem kleinwüchsigen Little Legs herum und kam dabei mit ihrer Arroganz nicht weit, stolperte sie doch ständig über den kaum einen Meter großen Kerl, der bei jeder Gelegenheit mit frivoler Geste auf ihren Hintern klatschte.

Den eindrucksvollsten Kampf schließlich lieferten sich Weltmeister Karsten Kretschmer und Babyface Davies, ein wirklich unheimlicher Koloss von 175 Kilo Kampfgewicht, dessen Gesicht von einer schwarzen Latexmaske bedeckt war. Kretschmer, ein strahlender Recke, wurde zum David, der gegen einen fast unbesiegbar wirkenden Goliath antrat. „Der Kampf gegen einen solchen Riesen kann richtig gefährlich werden“, meinte der 75 Kilo leichtere Kretschmer, nachdem er seinen Gegner so raffiniert aus dem Ring gelockt hatte, dass dieser mit seiner ganzen Körperfülle auf den Ringrand aufprallte und dann zwischen den entsetzt aufspringenden Zuschauern in der ersten Reihe besiegt werden konnte.

Der große Erfolg beflügelte Karsten Kretschmer, als Leiter des Nordisch Fight Club weiterhin auf Kämpfe in der Provinz zu setzen: „Wir kommen auf jeden Fall wieder!“




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