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Fragen und Antworten zu Bauvorhaben

Windräder bei Silixen: Hunderte bei Informationsveranstaltung

SILIXEN. Stehen bald zwei 240 Meter hohe Windkraftanlagen bei Silixen, bei Möllenbeck und Krankenhagen? Der Verein „Gegenwind Extertal / Silixen“ hatte am Montagabend zur Infoveranstaltung geladen, und Hunderte Bürger kamen - trotz großer Hitze. Viele Fragen und Redebeiträge zeigten, dass das Thema hoch emotional ist:

veröffentlicht am 25.06.2019 um 13:07 Uhr
aktualisiert am 25.06.2019 um 13:58 Uhr

ri-marie-1410

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Redakteurin / Online zur Autorenseite

SILIXEN. Stehen bald zwei 240 Meter hohe Windkraftanlagen bei Silixen, in Nachbarschaft zu Möllenbeck und Krankenhagen? Der Verein „Gegenwind Extertal / Silixen“ hatte am Montagabend zur Informationsveranstaltung geladen, und Hunderte Bürger kamen. Die Aula der Grundschule war übervoll, sogar vor den Türen standen die Menschen und hörten zu – und das bei 30 Grad Hitze. Auf etwa 300 Teilnehmer schätzt der Silixer Sebastian Wallenstein von Gegenwind die Publikumsgröße. „Wir wollen beide Seiten erreichen“, umriss er in der Begrüßung das Ziel des Abends.

Schon allein an dieser Resonanz lässt sich ablesen, wie sehr das Thema bewegt – wie stark es emotionalisiert, zeigte die Zahl der Fragen aus dem Publikum und die teilweise heftigen Reaktionen.

Die rief bereits der erste Referent hervor, Lars Schnatbaum, stellvertretender Leiter des Themengebiets Windenergie bei der EnergieAgentur.NRW. In einem Kurzvortrag umriss er, warum die beiden geplanten Anlagen so hoch sein müssten – je höher eine Anlage stehe, desto höher das Windpotenzial und desto zuverlässiger wehe der Wind –, außerdem würde man Schall und Lärm einer Anlage ab mehreren hundert Meter Entfernung nicht mehr wahrnehmen. Auch hätten Anlagen keinen Einfluss auf die Immobilienpreise; Wertverluste seien vor allem auf den demografischen Wandel zurückzuführen, so Schnatbaum. Gejohle, Gelächter im Publikum.

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Die Vertretung vom Anlagenbauer Prowind: Dieter Budke (v.l.), Maximilian Wolf und Philipp Richter. Foto: mld

Ähnliche Reaktionen kassierte Rolf Sandmann als Vertreter der Silixer Kirchengemeinde, die zu der Investorengruppe gehört, auf deren Grund die Anlagen entstehen würden. Es gebe auch innerhalb der Kirche unterschiedliche Meinungen, so Sandmann, und man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Doch als Christ habe man Verantwortung für die Schöpfung, und der komme die Weltbevölkerung derzeit nicht nach. Die Forderung „Baut doch mehr Windparks an der Küste“ reiche nun mal nicht im Kampf gegen den Klimawandel. Außerdem seien die Auflagen für die Genehmigung der Anlagen sehr streng – und durch Kiesabbau entstünden mehr Schäden.

Als Redner der Contra-Seite trat Heinrich Brinkmann vom Paderborner „Regional-Bündnis Windvernunft“ auf: Er kritisierte – neben der Sinnhaftigkeit von Windenergieanlagen im Allgemeinen sowie die „Fridays for Future“-Bewegung –, dass dieses Vorhaben nur noch der Artenschutz stoppen könne: „Der Mensch steht hinten an!“ Außerdem sei den Investoren Wertverlust von Grundstücken, Artenschutz oder die Gesundheit der Menschen „egal“.

Maximilian Wolf vom Anlagenbauer Prowind führte aus, dass derzeit alle nötigen Genehmigungen eingeholt werden (wir berichteten), es dann zwischen Behörden, Anlagenbauer und beteiligten Verbänden einen sogenannten Scopingtermin geben wird, bevor Prowind beim Kreis Lippe einen Bauantrag stellen kann. Er sicherte Michael Protte vom NABU Extertal zu, dass Prowind die Ergebnisse der Umweltverträglichkeitsprüfung vor Antragstellung geben werde, sodass die Naturschützer artenschutzrechtliche Belange weiter prüfen können.

Laut Extertals Bürgermeisterin Monika Rehmert werden alle Unterlagen zum Bauvorhaben Mitte Juli für etwa einen Monat online veröffentlicht sowie im Rathaus Extertal ausgelegt, damit sie von allen Interessierten eingesehen werden können. „Schauen Sie sich die Unterlagen an“, so Rehmert. Die Gemeinde werde sich „anwaltlichen Rat“ dazuholen. Im ursprünglichen Flächennutzungsplan sei von einer Bauhöhe von 240 Metern (160 Meter Nabenhöhe) noch nicht die Rede gewesen, das habe die Gemeinde erst bei einem Infotermin mit Prowind im Oktober 2018 erfahren: „Wir sind auch nicht glücklich darüber“, so Rehmert. Sie wies darauf hin, dass die Anlagen und die Bauhöhe vom Kreis noch nicht genehmigt seien; der Bauantrag müsse noch gestellt werden.

Die Stadt Rinteln sehe hier „hohes Konfliktpotenzial“, so Stadtjurist Joachim Steinbeck. Die Anlagen sehe die Stadt kritisch und habe daher bereits einen weiteren Erörterungstermin ausgemacht.

Durch zahlreiche Fragen und Redebeiträge zeigten viele Bürger aus Silixen, Krankenhagen, Möllenbeck und anderen Orten, dass sie den Anlagen zumindest skeptisch gegenüberstehen. Wie stehe es zum Beispiel zum Schattenwurf, zur Lärmemission oder zu gesundheitlichen Schäden durch Infraschall? Hierzu gebe es noch keine belastbaren ärztlichen Studien, so Lars Schnatbaum, woraufhin mehrere Menschen widersprachen, unter anderem Philipp Röntgen als Internist und Kardiologe, der in Silixen wohnt.

Und warum würden die Anlagen nicht mitten in die Wälder gebaut oder oben auf die Berge?, fragte ein Anwohner aus Göstrup. Niemand müsse Angst haben, dass die Anlagen zu nah am eigenen Haus stünden, so die Aussage von Prowind: Die rechtliche Grundlage sehe vor, dass der Abstand zur Wohnbebauung das Zweieinhalb- bis Dreifache der Anlagenhöhe betragen müsse.

„Jeder nimmt Strom als selbstverständlich hin“, sprach sich der Krankenhäger Martin Kampmeier für Windkraft aus. Er selbst kenne es, wenn Windenergieanlagen „nur 70 Meter vom Balkon entfernt stehen“, und „mehr als Schattenwurf ist da nicht.“

„Ich wollte eigentlich zwei Grundstücke in Silixen kaufen“, so der Silixer Fabian Pasimeni, der derzeit in Rinteln wohnt, „aber jetzt – mal sehen.“ Man müsse an die Folgen von so hohen Anlagen auch noch „in 30 Jahren“ denken: „Wir sind hier die Versuchskaninchen.“

Sebastian Wallenstein und Nick Büscher vom NABU Rinteln führten außerdem die Belange des Artenschutzes aus, beispielsweise das Vorkommen von Rotmilan und Uhu. „Wir müssen auf unser Paradies achten“, forderte Wallenstein. Man müsse nur nach Steinbergen, dem ehemaligen Luftkurort, schauen, um zu sehen, was passiere, „wenn ein Ort seine Seele verliert.“

Interessiert und pointiert moderiert wurde der Abend von Christian Beyer, Unternehmer aus Deckbergen.




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