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Ehemalige Schülerinnen auf der Suche nach Spuren von Malerin und Kunstlehrerin Traute Mücke

Wo sind die Bilder geblieben?

Rinteln. In den fünfziger, sechziger und siebziger Jahren war der Name Traute Mücke in Rinteln ein Begriff in der Kunstszene. Die ehemalige Kunstlehrerin an der Hildburgschule und am Gymnasium Ernestinum stellte jedes Jahr im Ratskeller ihre neuesten Werke aus. Berühmt war sie für handwerklich hervorragende Tierzeichnungen, aber auch abstrakte Werke und Naturmotive gehörten zu ihrem Schaffen. Was ist aus ihren vielen Bildern geworden? Ehemalige Schülerinnen der von 1903 bis 1981 lebenden Künstlerin haben sich auf die Suche gemacht.

veröffentlicht am 02.09.2014 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 03:41 Uhr

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Geboren wurde die Idee wohl bei einem Klassentreffen vor wenigen Monaten in Rinteln. Danach rief Christel Junghans, geb. Kallweit, aus Detmold bei Sigrid Fiebiger (die nicht bei dem Treffen war) in der Friedrichshöher Straße an und bat um Unterstützung. Fiebiger schaute im Internet nach und fand einen Ausstellungskatalog des Kunstamtes Neukölln in Berlin, das demnach eine Ausstellung Mückes organisiert hatte. In der Kreisergänzungsbücherei des Gymnasiums Ernestinum fand sie ein Jahresheft des Heimatbundes der Grafschaft Schaumburg von 1976 mit einem kleinen Aufsatz über Traute Mücke.

Und schließlich tauchte bei Buchversendern der Name Mückes in Verbindung mit dem Büchlein „Bilder eines reichen Lebens“ von ihrer Freundin Dora Gümmer-Zaudtke, die über die Pädagogin und Künstlerin, zudem Lehrerin ihrer Tochter, geschrieben hat. In dem Jubiläumsheft „75 Jahre Hildburgschule“ von 1955 taucht der Name Traute Mücke als Oberschullehrerin von 1949 bis 1952 auf. In der Schaumburger Zeitung wurde 1972 über eine ihrer Ausstellungen im Ratskeller berichtet.

Der Kunsthistoriker Heribert von Burchhardt (Iserlohn) urteilte damals zu Mückes 50-jährigem Künstlerjubiläum in Anbetracht von rund 100 Collagen, Aquarellen, Zeichnungen und Grafiken: „Wir fühlen uns beschenkt durch das, was wir sehen dürfen. Hier wird handwerkliches Können von künstlerischem Intellekt übertroffen. Traute Mücke steht in der Malerei den großen Komponisten in nichts nach.“

2 Bilder

„Sie konnte ganz toll motivieren“, schwärmt Fiebiger von ihrer einstigen Kunstlehrerin. „Zweimal war sie sogar bei meinen Eltern, um diese zu überzeugen, dass ich Kunst studieren sollte. Aber vergebens, mein Vater sah darin nur brotlose Kunst. Meine Mitschülerin Annedore Gümmer durfte aber Kunst studieren und hat später viele Ausstellungen gehabt.“

Fiebiger ist nun auf der Suche nach den Kunstwerken Mückes, bittet um Hinweise zu deren Verbleib an ihre Rufnummer (0 57 51) 4 24 91 (Anrufbeantworter, Rückruf erfolgt). „Ich will die Bilder möglichst abfotografieren und ein Verzeichnis erstellen“, sagt Fiebiger. „Vielleicht kommt es ja noch mal zu einer Ausstellung. Das Museum Eulenburg ist interessiert.“ Das hat auch Christel Junghans von Museumsleiter Dr. Stephan Meyer so gehört. Dieser habe geraten, erst ein Werksverzeichnis anzulegen. Im Museum hängen bisher keine Werke von Traute Mücke, aber drei sind archiviert.

Im Ausstellungskatalog ist ein Stück des Lebenslaufs nachzulesen: Gertrud (später Traute) Mücke wurde 1903 in Stettin als Tochter des Theologen Paul Mücke geboren. Sie studierte dort zunächst an der Kunstgewerbeschule, dann an der Staatlichen Kunstschule in Berlin-Schöneberg. Nachdem sie verschiedene Examina bestanden hatte, arbeitete sie bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges als Kunsterzieherin in Berlin, die längste Zeit an der Agnes-Miegel-Schule in Neukölln. Die Kriegs- und Nachkriegsereignisse verschlugen sie nach Rinteln.

Mücke bewunderte Munch, Beckmann, van Gogh und die „Brücke“-Expressionisten. Ihre eigenen Bilder sind die Resultate eines langen Klärungs- und Reifungsprozesses, der erst relativ spät Anerkennung fand. Ihr Beruf und der dadurch bedingte Umgang mit der Jugend zwangen sie nach eigenen Worten, sich stets „mit der Entwicklung, den Wandlungen und den Problemen unserer Zeit auseinanderzusetzen.“

Der Grabstein Mückes aus rotem Granit auf dem Seetorfriedhof ist bereits seitlich abgesackt, Folge vermutlich des Einfalls eines Sarges. Fiebiger und Junghans sorgen sich, dass die Liegezeit für das Grab bald abläuft und mangels sichtbarer Pflege wohl auch nicht verlängert würde. Das zu ändern, ist ebenfalls ihr Ziel, damit Traute Mücke nicht gänzlich in Vergessenheit gerät.

Regina Zwirkowski von Museum Eulenburg zeigt drei dort arcvibierte Werke von Traute Mücke.




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