weather-image
Umweltschutzverein schlägt Alarm / Gesundheitsamt rät: Nur Wasser aus Trinkwasserbrunnen trinken

Zu hohe Nitratwerte in Rinteln?

RINTELN. Nach Untersuchungen von Gartenbrunnen in Rinteln schlägt der Verein VSR-Gewässerschutz Alarm. Das Wasser aus einigen Brunnen habe eine „viel zu hohe Nitrat-Konzentration aufgewiesen“, erklärt Diplom-Physiker Harald Gülzow vom VSR-Gewässerschutz. „In jeder neunten untersuchten Probe lag die Nitratkonzentration oberhalb des Grenzwertes der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter.“

veröffentlicht am 26.11.2018 um 15:27 Uhr

Harald Gülzow vom Verein VSR-Gewässerschutz hat Wasserproben aus Rintelner Brunnen untersucht. Im Labor stellt er bei einigen Proben eine hohe Nitrat-Konzentration fest. Foto: pr.
DSC_4666

Autor

Leonhard Behmann Volontär zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Bei den auffälligen Brunnen handelt es sich um sogenannte Brauchwasserbrunnen. Das Gesundheitsamt des Landkreises Schaumburg rät ausdrücklich davon ab, Wasser aus solchen Brunnen zu trinken. Noch nicht einmal für Planschbecken eigne sich das Wasser, sagt eine Expertin. „Diese Brunnen sollten ausschließlich zum Gießen von Pflanzen genutzt werden“, meint Gesundheitsingenieurin Ute Melchiors vom Gesundheitsamt. Bedenkenlos könne man lediglich das Wasser aus Trinkwasserbrunnen trinken, denn: „Solche Brunnen werden jährlich von einem zertifizierten Labor untersucht“, erzählt Melchiors.

Nach Angaben von Physiker Gülzow hätten Besitzer der untersuchten Brunnen das nitratbelastete Wasser getrunken. „Verboten ist das nicht“, sagt Melchiors. Es könnte aber erhebliche Folgen für die Gesundheit haben, erklärt die Gesundheitsingenieurin. Das Nitrat kann im Körper nämlich zu giftigem Nitrit umgewandelt werden. Nach Angaben des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) ist Nitrit in der Lage, den roten Blutfarbstoff Hämoglobin in Methämoglobin umzuwandeln und so den Sauerstofftransport im Blut zu verringern. Nitrit könne zudem mit natürlich vorkommenden Aminen, die in fast jedem Lebensmittel vorkommen, zu Nitrosaminen reagieren, die krebserregend wirken können, heißt es vom LAVES.

52 Wasserproben aus privat genutzten Brunnen waren Anfang September zum Labormobil auf dem Rintelner Marktplatz gebracht worden. „Die Brunnen-Besitzer haben selbst Proben genommen, indem sie Wasser in eine Flasche gefüllt haben“, erklärt Gülzkow das Vorgehen. Die Proben seien dann zu dem mobilen Labor gebracht worden. Die Ergebnisse, die Gülzow und sein Mitarbeiter Milan Toups ermittelt haben, hätten die Rintelner überrascht. „Damit haben viele nicht gerechnet“, sagt Gülzow. Bei der Analyse fanden die Umweltschützer im Wasser eines Brunnens in Rinteln eine Nitratkonzentration von 69 Milligramm pro Liter. Bei einem Brunnen in Exten habe die Konzentration bei 63 Milligramm pro Liter, in Westendorf bei 62 Milligramm pro Liter gelegen, teilte der Verein mit. Bei einer Wasserprobe aus einem privat genutzten Brunnen in Rumbeck habe die Konzentration sogar bei 125 Milligramm pro Liter gelegen. Bei einem dermaßen hohen Wert rät Gülzow sogar davon ab, das Gemüse damit zu bewässern. „Das Nitrat reichert sich vor allem in Blattgemüse stark an“, erklärt der Diplom-Physiker.

Auch für Fischteiche sei das nitratbelastete Brunnenwasser ein Problem. Das Nitrat würde das Algenwachstum im Teich fördern. „Sterben die Algen bei schlechtem Wetter ab, verbrauchen sie Sauerstoff. Der fehlt dann den Fischen zum Atmen“, so Gülzow. Die Nitratkonzentration in Wasser für Fischteiche sollte nach seinen Angaben nicht über einem Wert von 25 Milligramm pro Liter liegen.

Gesundheitsingenieurin Melchiors hält die gemessenen Werte des Vereins VSR-Gewässerschutz aus dem nordrhein-westfälischen Geldern „für durchaus möglich“. Betroffenen Brunnen-Besitzern rät Melchiors, Kontakt mit einem zertifizierten Labor aufzunehmen. „Dort kann man sich sterile Prüfgläser geben lassen und die Proben untersuchen lassen“, sagt die Mitarbeiterin der Behörde.

Die vom Gesundheitsamt überprüften privaten Trinkwasserbrunnen in Rinteln würden keine erhöhten Nitratwerte aufweisen. Auch die Messwerte aus dem öffentlichen Trinkwassernetz der Stadtwerke Rinteln seien unauffällig, sagt Melchiors. Im Landkreis gäbe es aber auch Trinkwasserbrunnen, bei denen Labors zu hohe Nitratwerte festgestellt hätten. „In diesen Fällen muss das Trinkwasser aufbereitet werden, um die Nitratwerte herunterzuregeln.“




Anzeige
Anzeige
Anzeige
Kommentare