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Akte räumt Fehler ein, offiziell wird er abgestritten / Nach Hause geschickt mit „ungeheuren Schmerzen“

Auge blind nach OP am Grauen Star

STADTHAGEN. Mitte Juni trat Friedrich Greger (Name von der Redaktion geändert) den Weg nach Stadthagen an, um sich am rechten Auge operieren zu lassen. Wenige Monate zuvor war dem Meerbecker Grauer Star diagnostiziert worden. Die Linsentrübung beeinträchtigte sein Sehvermögen zum Teil stark. Eine Behandlung im Stadthäger Augenarztzentrum sollte Abhilfe schaffen. Stattdessen ist der 72-Jährige auf dem betroffenen Auge jetzt blind.

veröffentlicht am 13.07.2018 um 20:39 Uhr

Im Augenarztzentrum in Stadthagen sieht man keinen Behandlungsfehler. Foto: rg

Autor:

Lennart Hecht und Jan-Christoph prüfer
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Als ihr Mann von der OP nach Hause kam, sei noch alles in Ordnung gewesen, berichtet Gregers Frau Ulrike im Gespräch. „Nachmittags fingen dann die Schmerzen an, sein Auge wurde ganz rot“, erklärt sie. Also fuhren die beiden zurück in die Praxis.

Der nachbehandelnde Arzt dort maß den Symptomen allerdings keine besondere Bedeutung bei. „Harmlos“, hieß es. „Mein Mann wurde nach Hause geschickt“, so Ulrike Gregers. Die Entzündung sei nichts Schlimmes und nach ein paar Tagen ausgestanden, hätten die Ärzte der 65-Jährigen und ihrem Mann versichert. Die Ehepaar vertraute dieser Einschätzung. „Am nächsten Morgen stand mein Mann auf und konnte nichts mehr sehen“, sagt Greger.

Ulrike Greger recherchierte im Internet. Ihr Verdacht: Endophthalmitis – eine aggressive Infektion des Auges, die häufig mit Erblindung endet. Ausgelöst wird sie zum Beispiel durch Bakterien. Diese oder ein anderer Erreger, vermutet Greger, sind bei der Operation ins Auge gekommen. Die Symptome passten zu denen ihres Mannes. In den meisten Fällen kann das Sehvermögen nie wieder hergestellt werden.

In der Patientenakte, die dieser Zeitung vorliegt, wird notiert, die Entscheidung, Friedrich Greger am Tag nach der Operation unbehandelt zu lassen, sei nach Ansicht seiner Frau falsch gewesen. „Was retrospektiv sicherlich unstrittig ist“, wertet der Verfasser dieses Abschnitts der Akte die Einschätzung – der Fehler wird also eingeräumt. Über den Arzt, der Greger am Tag nach dem Eingriff behandelt hat, heißt es an anderer Stelle: „Am Nachmittag Vorstellung mit Schmerzen [...], leider keine weiteren Maßnahmen durch [...].“

„Typisches Risiko

eines operativen Eingriffs“

Der Presse gegenüber bestreitet das Augenarztzentrum allerdings, etwas falsch gemacht zu haben. „Nach bisherigem Erkenntnisstand ist es bei keinem Patienten in der Augenklinik zu einem Behandlungsfehler gekommen“, erklärt Facharzt Dr. Michael Knoche in einer schriftlichen Stellungnahme. Wenn sich „das typische Risiko eines operativen Eingriffs“ erfülle, sei dies „nicht zwingend mit einem Behandlungsfehler gleichzusetzen“. Zum konkreten Fall wollte sich die Einrichtung wegen datenschutzrechtlicher Bestimmungen nicht äußern.

Friedrich Greger zeigt sich derweil nach Einschätzung seiner Frau zunehmend depressiv. Früher sei er gern Rad gefahren, jetzt könne er nicht einmal mehr Kaffee kochen, ohne dabei alles zu verschütten. Das betroffene Auge könne nicht einmal mehr Licht und Schatten wahrnehmen.

„Entschuldigt hat sich bisher keiner“, berichtet Greger. Der Arzt, der ihren Mann „trotz ungeheurer Schmerzen“ wieder nach Hause geschickt hat, gehe ihnen aus dem Weg.

Inzwischen wird Friedrich Greger vom Chefarzt weiter versorgt, erklärt seine Frau. Die akuten Schmerzen hätten seitdem nachgelassen. Das Sehvermögen kann wohl nicht wieder hergestellt werden.

Bedrückend: Auch Friedrich Gregers linkes Auge ist am Grauen Star erkrankt. Es müsste operiert werden. Ob das passiert, ist seine Entscheidung. Aktuell sei er aber dagegen, sagt Ulrike Greger.




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